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„Rechtslastige Verschwörungstheorien“ in „Finis Germania“: NDR Kultur setzt Zusammenarbeit mit „Sachbücher des Monats“-Jury aus

Barbara Mirow, Leiterin von NDR Kultur: „Bedauern die gravierende Fehlentscheidung der Jury“
Barbara Mirow, Leiterin von NDR Kultur: "Bedauern die gravierende Fehlentscheidung der Jury"

Diese Geschichte hat das Zeug, die Kulturredaktionen fast aller Qualitätszeitungen noch länger zu beschäftigen. Auf der Liste der „Sachbücher des Monats“, die die Süddeutsche Zeitung zusammen mit dem NDR veröffentlicht, findet sich im Juni auch ein Buch eines „rechtsradikalen Verlags“ (SZ). Das Warum kann derzeit keiner der Beteiligten klären, dafür zieht der Norddeutsche Rundfunk erste Konsequenzen und setzt die Zusammenarbeit mit der Jury erst einmal aus.

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Seit über 15 Jahren veröffentlicht NDR Kultur gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung und dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels eine Liste mit den Sachbüchern des Monats. Zusammengestellt wird die Übersicht von einer Jury, der unter anderem Autoren und Redakteure der großen Kulturredaktionen von FAZ, der Welt, der Süddeutsche Zeitung, des Spiegels, der Zeit und auch des Deutschlandfunks angehören (eine Liste gibt es hier).

Im Juli kam es nun erstmals zu einem echten Eklat. Auf Platz neun der Juli-Liste findet sich das Buch „Finis Germania“ des im Herbst 2016 verstorbenen Historikers Rolf Peter Sieferle.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt dazu selbst:

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Es ist aus seinem Nachlass zusammengestellt worden und im Verlag Antaios in Schnellroda erschienen. Der Verlag ist Teil der organisatorischen Infrastruktur der extremen Rechten in Deutschland, sein Geschäftsführer Götz Kubitschek zugleich Mitbegründer des in Schnellroda ansässigen „Instituts für Staatspolitik“, Redakteur der Zeitschrift Sezession und Redner auf Pegida-Veranstaltungen.

Wie es nun dieses umstrittene Werk in das Ranking schaffte, lässt sich offenbar nicht mehr nachvollziehen. So senden die Juroren des „Sachbuches des Monates“ Listen mit Punkten für einzelne Bücher – jedoch ohne gemeinsame Aussprache – ein. Laut SZ lässt sich deshalb nicht mehr feststellen, wer für das Sieferle-Buch votierte.
Via Pressemitteilung teilt der Norddeutsche Rundfunk nun allerdings mit, dass das Buch für den Sender „nicht tragbar“ sei. Denn das Buch enthalte „rechtslastige Verschwörungstheorien, von denen sich NDR Kultur entschieden distanziert“. „Die Empfehlungen der Jury ‚Sachbücher des Monats‘ waren für unsere Hörerinnen und Hörer stets von hohem Interesse und Wert. Umso mehr bedauern wir die gravierende Fehlentscheidung der Jury“, erklärt Barbara Mirow, Leiterin von NDR Kultur. „Bis zur vollständigen Aufklärung der Frage, wie es zu der für uns nicht akzeptablen Empfehlung der Jury kommen konnte, setzen wir die Zusammenarbeit mit der Jury aus.“

Das bedeutet, dass die „Sachbücher des Monats“ von NDR Kultur „bis auf weiteres“ nicht mehr veröffentlicht werden.

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