WWDC 2017: Apple stellt iOS 11, ein 10,5 Zoll großes iPad Pro, den iMac Pro und den Siri-Lautsprecher HomePod vor

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"One last thing": Apple-Chef Tim Cook enthüllt auf der WWDC den neuen smarten Lautsprecher HomePod / Screenshot © Apple

Großes Produktfeuerwerk in Cupertino: Apple hat auf seiner WWDC-Keynote zahlreiche Neuheiten vorgestellt. So gab der wertvollste Konzern der Welt einen Ausblick auf die nächsten Generationen seiner Betriebssysteme: iOS 11 für iPhone und iPad, Mac OS 10.13 (High Sierra) für den Mac und WatchOS 4 für die Apple Watch. Zum eigentlichen Star der fast zweieinhalbstündigen Keynote wurde indes die Hardware: Apple stellte ein 10,5 Zoll großes iPad Pro, aber auch neue iMacs vor. Als 'One more Thing' präsentierte Tim Cook den smarten Lautsprecher HomePod.

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Alles außer dem iPhone: Apple bemühte sich, auf seiner turnusmäßigen Entwicklerkonferenz WWDC die zweite und dritte Reihe seiner Produktsäulen in den Vordergrund zu rücken.

Etwa die kriselnde iPad-Sparte, die wie erwartet mit dem neu designten iPad Pro in 10,5 Zoll ein großes Update erhielt. Die Gerüchte über den Launch eines 10,5 Zoll großen iPad Pro hielten sich schon länger – bereits im vergangenen Herbst und erneut im März waren die Spekulationen hochgekocht.

Der Form-Faktor des 9,7 Zoll großen iPads bleibt in der 10,5 Zoll-Version erhalten, weil die Bildschirmgröße durch eine Minimierung der Randbereiche der Einfassung („Bezel“) anwächst. Das neue iPad Pro beginnt in den USA ab einem Einstiegspreis von 649 Dollar; in Deutschland werden 729 Euro fällig.

iMac Pro: Apple stellte neue iMac-Produktlinie für Profi-Anwender vor

Während die MacBooks lediglich auf Intels  „Kaby Lake“-Prozessoren aktualisiert wurden, erhielt der iMac ein Update für Profi-Anwender: den 27 Zoll großen iMac Pro mit 5K Retina-Display, der allerdings erst im Dezember zu haben sein wird – für den sportlichen Einstiegspreis von 4999 Dollar.

Apple bezeichnet den iMac Pro als „eine völlig neue Produktlinie der Workstation-Klasse, entwickelt für Profis mit anspruchsvollsten Workflows“. Mit seinem neuen Gehäuse in Space Grau setzt sich der iMac Pro auch optisch vom Aluminium-Look der bestehenden iMac-Reihe ab.

HomePod: Auch Apple launcht seinen smarten Speaker

Für die eigentliche Überraschung der fast zweieinhalbstündigen Präsentation sorgte Apple-Chef Tim Cook zuletzt. Cook lehnte sich dabei an die Tradition seines Vorgängers Steve Jobs an („One more thing“), wählte aber erkennbar eine Abwandlung („One last thing“).

Tatsächlich hatten die Gerüchte im Vorfeld nicht getrogen: Nach Amazon mit dem Echo und Google mit Google Home bringt auch Apple einen smarten, kabellosen Lautsprecher auf den Markt – den 18 Zentimeter großen HomePod, der allerdings erst im Dezember in den Handel kommen wird (und zunächst auch nur in den USA, Großbritannien und Australien).

Apple lockt, der HomePod würde „verblüffende Audioqualität“ liefern und „räumliches Orientierungsvermögen dazu nutzen, seine Position in einem Raum zu erkennen und den Klang automatisch anzupassen“. Das hat allerdings seinen Preis: Der HomePod kostetet mit 349 Dollar fast doppelt so viel wie Amazons Echo (179 Dollar) und fast dreimal so viel wie Google Home (129 Dollar).

„Das Musik-Erlebnis zu Hause neu erfinden“

Während Amazon und Google mit ihren Smart Home-Speakern die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz ausreizen, steht bei Apple als Anwendungsszenario die Musik im Vordergrund. „Wir glauben, dass wir das Musik-Erlebnis zu Hause verbessern können. Wir wollen es tatsächlich neu erfinden“, erklärte Cook.

Entsprechend ist der HomePod auf die maximale Nutzung des Streaming-Angebots Apple Music ausgelegt, das Nutzern inzwischen Zugriff auf über 40 Millionen Songs bietet; nebenbei ließ der Techpionier durchblicken, dass Apple Music bereits von 27 Millionen zahlenden Mitgliedern genutzt wird.

Gesteuert wird der HomePod per Stimme durch Interaktion mit Apples smarter Sprachassistentin Siri. Der Sprachbefehl „Hey Siri, ich mag dieses Lied“ soll etwa zu verwandten Ergebnissen führen: „HomePod und Apple Music werden zu perfekten Musikologen und erlernen Vorlieben aus Hunderten von Genres und Stimmungen, sowie über Zehntausende von Playlists hinweg“, preist Apple seinen Vorstoss ins Wohnzimmer an.

Anleihen an Facebook bei iOS 11, Ende der Autoplay-Video in Safari bei MacOS High Sierra

Softwareseitig zog Apple beim Ausblick auf die bereits elfte Generation seines mobilen Betriebssystems iOS teilweise bei Facebook nach.Nicht nur können im Messenger ‚Nachrichten‘ verschickte Fotos künftig mit Stickern kommentiert werden, auch eine Geldüberweisung  unter Freunden wird mit Apple Pay nun im Messenger möglich wie bereits im weltgrößten sozialen Netzwerk. Voraussetzung dafür ist allerdings der Start von Apple Pay im jeweiligen Land  – deutsche Apple-Kunden warten bekanntlich bereits seit drei Jahren.

Ein interessantes neues Feature, das die werbetreibende Industrie empfindlich schmerzen dürfte, präsentierte der iKonzern in seinem Ausblick auf die nächste Generation des stationären Betriebssystems macOS 10.13 (High Sierra). Apple bietet in seiner nächsten Safari-Generation ab Herbst die Möglichkeit an, automatisch startende Videos abzustellen. Was Nutzer erfreuen könnte, dürfte Verlagen empfindliche Werbeeinbußen bescheren.

ARKit: Erster Vorstoß in Augmented  und Virtual Reality

Während Tim Cook nicht eine von Robert Scoble erwartete smarte Datenbrille präsentierte, deutete Apple doch an, dass es beim Zukunftsmarkt Augmented und Virtual Reality eine gewichtige Rolle spielen möchte. Mit ARKit stellt Apple auf der WWDC bei der Vorschau auf iOS 11 eine neue Plattform vor, mit der Entwickler Augmented Reality bei Spiel-, Shopping- und Design-Anwendungen erlebbar machen.

Die nächste Generation von macOS geht noch weiter: „macOS High Sierra liefert wichtige zukunftsweisende Technologien und neue Möglichkeiten für Entwickler, die die Leistung des maschinellen Lernens erschließen und eindrückliche VR-Inhalte auf dem Mac schaffen wollen“, erklärte Software-Chef Craig Federighi.

AppStore erhält Redesign, watchOS 4 Siri-Ziffernblatt, Apple TV Amazon Prime Video

Zudem kündigte Apple watchOS 4 an – die vierte Generation des mobilen Betriebssystems für die Apple Watch, das im Herbst erscheinen und ein „proaktives Siri Ziffernblatt“ erhalten soll, das die Informationen anzeigt, die Nutzer den ganzen Tag am meisten benötigen. Die verbesserte Workout-App und GymKit, die Nutzern vernetzte Workouts mit Cardiogeräten bietet, positionieren die Apple Watch noch weiter in Richtung FitnessGadget.

Einer Generalüberholung unterzog Apple unterdessen dem vor fast neun Jahren gestarteten App Store. Das neue Design stellt nicht nur die meistverkauften bzw. geladenen Apps in den Vordergrund, sondern versucht die App und die Geschichten, die hinter ihren Entwicklern stehen redaktionell aufzuwerten. So führt der neue App Store ein Heute-Tab ein, in dem Hintergrund-Geschichten, ausführliche Interviews, Tipps und Sammlungen zu finden sind.

Zudem wird eine große Content-Lücke auf Apple TV geschlossen. Im Herbst soll endlich – wie erwartet – auch die App von Amazons Video-Streaming-Dienst Prime Video auf Apples Set-Top-Box kommen. Die Wall Street reagierte unterdessen wie so oft auf Produkt-Ankündigungen: Während die großen Internetaktien heute allesamt auf neue Allzeithochs schossen, notierte Apple mit einem Abschlag von 1 Prozent bei 154 Dollar.

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