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„Er ist nicht mehr unter uns“: Funke muss Michael Schumacher 100.000 Euro zahlen

die aktuelle aus dem Hause Funke berichtet regelmäßig über Schumacher – nun muss sie für eine Titelseite 100.000 Euro zahlen
die aktuelle aus dem Hause Funke berichtet regelmäßig über Schumacher – nun muss sie für eine Titelseite 100.000 Euro zahlen

Funkes Klatschblatt die aktuelle fand in einem französischen Magazin ein für den Boulevard ganz vielversprechendes Zitat eines angeblichen Freundes von Michael Schumacher und druckte die Aussage des "Insiders" anschließend auf die eigene Titelseite: "Er ist nicht mehr unter uns", lautete die Überschrift, die sich nun als ziemlich kostspielig entpuppt: Vor dem Landgericht Hamburg setzte Schumachers Anwalt eine Geldentschädigung in Höhe von 100.000 Euro durch.

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Das Landgericht, das das Urteil am Freitag verkündete, hatte bereits in der mündlichen Verhandlung (Az. 324 O 381/16) angedeutet, eine Geldentschädigung zu bestätigen (MEEDIA berichtete). Im Verfahren ging es nicht nur um den Titel mit der Zeile „Er ist nicht mehr unter uns“, sondern auch um eine weitere Titelseite, die einige Wochen danach erschienen war. Aus der Urteilsverkündung, deren Begründung noch nicht schriftlich vorliegt, ging nicht hervor, ob die Entschädigung für nur einen oder beide Titel ausgeurteilt worden ist.

Das Gericht hatte in der Verhandlung aber deutlich gemacht, dass es den Titel mit der Zeile „Er ist nicht mehr unter uns“ eher für geldentschädigend relevant hält. Das Blatt habe mit der Art der Aufmachung den „zwingenden Eindruck“ erweckt, dass Schumacher gestorben sei. Unterschrieben war die Titelzeile mit der Frage: „Wann bricht die Familie endlich ihr Schweigen?“.

Funke hatte unter anderem argumentiert, dass sich die Frage gar nicht auf einen möglichen Tod von Schumacher bezogen habe, sondern grundsätzlich zu verstehen gewesen sei. Die Familie habe über 20 Jahre lang ein öffentliches Leben geführt und sogar ihre Hochzeit im Fernsehen vermarktet. Nach dem Unfall habe man dann ein „Schweigekartell“ gebildet, erhalte gleichzeitig aber das öffentliche Leben Schumachers aufrecht, indem man ihm Social-Media-Accounts oder eine Homepage einrichtet, um an seine sportlichen Leistungen zu erinnern. Dies passe nicht zusammen, kritisierte Funke-Anwalt Gero Himmelsbach.

In der mündlichen Verhandlung hatte die Vorsitzende Richterin Simone Käfer erklärt, dass man Funke für diesen Titel „mindestens 50.000 Euro“ berechnen werde. Die Forderung von Schumachers Anwalt Felix Damm lag bei 100.000 Euro.

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Weitere 50.000 Euro forderte er für einen zweiten Titel, den das Magazin einige Wochen später gedruckt hatte. Die aktuelle hatte aus einem „erschütternden“ „Kranken-Brief“ zitiert, der nach Ansicht von Damm den Anschein erweckt habe, dass es sich um ein offizielles Dokument handelt. Tatsächlich aber war das Schreiben anonym. Das Magazin rätselte dazu, wer wohl sein Verfasser sein könnte. Im Blattinneren hatte die Redaktion geschrieben, Schumacher sei in seinem Körper eingesperrt, hänge an zahlreichen Kabeln, Infusionen hielten ihn am Leben. Die Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte seines Mandaten würden hier eindeutig verletzt, argumentierte Damm. Das Blatt habe den Eindruck erwecken wollen, als sieche Schumacher vor sich hin. Es handle sich aber unwahre bzw. unbelegte Tatsachenbehauptungen.

Das Gericht stimmte dieser Argumentation zwar zu, gab allerdings einen Hinweis darauf, lediglich einen Unterlassungsanspruch festzustellen.

Die Entscheidung des Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Gegen das Urteil kann die Funke Mediengruppe Berufung einlegen. Dann würde der Fall in der nächst höheren Instanz, vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht, erneut verhandelt werden.

Für die aktuelle und die Funke Mediengruppe ist es nicht die erste hohe Geldentschädigung in diesem Jahr. Anfang des Jahres wurde das Unternehmen gleich mehrmals wegen seiner Schumacher-Berichterstattung vom Oberlandesgericht in Hamburg zu Geldentschädigungen in Höhe von insgesamt 120.000 Euro verurteilt.

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