Hillary Clinton auf der Code Conference: Facebook und Twitter haben wegen Umgang mit Fake News Anteil an Trumps Wahlsieg

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Die alte Souveränität ist zurück – die alten Vorwürfe auch: Hillary Clinton auf der Code Conference © re/code / YouTube

Selbstbewusster Auftritt von Hillary Clinton auf der Code Conference im Gespräch mit Kara Swisher und Walt Mossberg. Rund ein halbes Jahr nach der Niederlage bei der US-Präsidentschaftswahl ließ die demokratische Spitzenkandidatin die dramatischen Ereignisse, die zum Wahlsieg von Donald Trump geführt haben, noch einmal Revue passieren. Die 69-Jährige machte in erster Linie den koordinierten Einsatz von Fake News über die sozialen Medien für Trumps Überraschungserfolg verantwortlich – und kritisierte Twitter und Facebook für den unzureichenden Umgang mit Falschmeldungen.

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Hillary Clinton befindet sich weiter auf dem steinigen Weg der Aufarbeitung ihres zerstörten Lebenstraums. Nachdem sich die demokratische Präsidentschaftsbewerberin in den Monaten nach der Niederlage weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, folgt nun stückweise das Comeback.

Bei der hochrangigen Code Conference, die seit 15 Jahren von Kara Swisher und Walt Mossberg veranstaltet wird, arbeitete die 69-Jährige im kalifornischen Palos Verdes in einem einstündigen Interview den Wahlausgang noch einmal auf.

Erste Erkenntnis: Besonders viel Selbstkritik zeigt die demokratische Präsidentschaftsbewerberin nicht am Wahlausgang. Clinton führte wiederholt an, dass sie bis zur Aufnahme der FBI-Ermittlungen klar in Umfragen geführt und Statistik-Gurus wie Nate Silver sie bis zuletzt als haushohe Favoritin angesehen hatte.

Die Gründe für die Niederlage wären andere – und sie haben mit Russland und dem Internet zu tun. „Es ist eine weitreichende russische Verschwörung“, wiederholte Clinton den Vorwurf der vergangenen Monate.

Content-Farmen in Russland und Mazedonien hätten Unmengen von Fake News und Bot-Interaktionen produziert – allerdings auf Anleitung aus Amerika, erklärte die ehemalige Außenministerin der USA, die auf Nachfrage damit die Trump-Kampagne meinte.

„Die Russen konnten diese Informationen meiner Meinung nach nicht zu einer Waffe machen, außer sie wurden aus den USA angeleitet“, erhob Clinton ebenfalls den Vorwurf der gezielten Cyber-Diskreditierung ihrer Person und Kampagne.

Vorwürfe gegen Facebook und Twitter

Am Wahlausgang hätten auch führende Internet-Unternehmen passiv ihren Anteil – namentlich Facebook und Twitter.  „Twitter wurde ein Opfer von gezielten Anstrengungen, die Unterhaltung zu bestimmen und damit Verschwörungen, Falschinformationen und Lügen zu transportieren“, so Clinton.

Facebook treffe der gleiche Vorwurf. „So was passiert, wenn man es allen recht machen will und seine Plattform für alle öffnet“, erklärte Clinton an die Adresse von Mark Zuckerberg.

Clinton: Facebook und Twitter gehen unzureichend mit Fake News um

Wie Facebook allerdings damit umgehe, wenn Informationen zu Manipulationen bzw. zu einer regelrechten Waffe gemacht werden, sei bislang nicht hinreichend klar, wiederholte Clinton den Vorwurf des zu laxen und späten Umgangs mit Fake News, den auch schon Parteikollege Barack Obama unmittelbar nach der US-Wahl erhoben hatte.

Clinton erklärte auf Nachfrage, sie finde nicht, dass sich Facebook und Twitter schnell genug der Fake News-Problematik stellen würden: „Ich würde sie dazu drängen, sich zu beeilen“, erklärte die 69-Jährige mit Nachdruck.

Auch Abrechnung mit demokratischer Partei – Trump reagiert mit Tweet

Selbst die eigene Partei wurde nicht von Vorwürfen verschont: Das Democratic National Committee (DNC) wäre zum Zeitpunkt ihrer Nominierung fast pleite und bei der Sammlung von Wählerdaten schlecht aufgestellt gewesen – ganz im Gegensatz zur republikanischen Partei, die sich frühzeitig auf Wählermobilisierung spezialisiert habe.

Donald Trump konnte sich die Steilvorlage nicht nehmen lassen und reagierte mit einem höhnischen Tweet auf die Vorwürfe. „Die betrügerische Hillary gibt allen außer sich selbst die Schuld und weigert sich einzugestehen, dass sie eine schreckliche Kandidatin war. Beschuldigt Facebook und sogar die Demokraten“, twitterte Trump.

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