Serienstart von „House of Cards“, Staffel 5: Wie viel von Donald Trump steckt in Frank Underwood?

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Powerpaar Underwood: Von der politischen Wirklichkeit überholt? © Netflix

Endlich: Nach fast 15-monatiger Wartezeit können sich Fans der amerikanischen Kultserie "House of Cards" wieder auf neue Folgen freuen – die fünfte Staffel startet heute weltweit auf Netflix (in Deutschland bei Sky). Die neue Produzentin Melissa Gibson steht vor der Herkulesaufgabe, die Politserie, die von den Clintons inspiriert schien, nach Hillarys überraschender Wahlniederlage in der Donald Trump-Ära weiter zu entwickeln.

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Der Elefant stand seit der ersten Staffel im Raum. Ein abgebrühter Machtpolitiker und seine noch ambitioniertere Frau erobern das Weiße Haus – da war doch was.

Seit den ersten Folgen von „House of Cards“ fiel Kritikern die Parallele der Underwoods zu den Clintons auf: Er sicherte sich zuerst die Präsidentschaft, sie könnte dann sein Vermächtnis fortführen – so schien es die US-Politik vorzumachen.

Spätestens im zweiten Anlauf bei der Präsidentschaftswahl 2016 schien es für Hillary Clinton zu reichen, so die einhellige Stimmung in der späten Phase der Obama-Ära, in der „House of Cards“ 2013 startete.

Das Timing von Produzent David Fincher („The Social Network“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“) und Drehbuchautor Beau Willimon konnte besser kaum sein. Über vier Staffeln wurde Claire Underwood (Robin Wright) zur heimlichen Heldin der Serie aufgebaut: von einer Ehefrau auf Augenhöhe zu einer emanzipierten First Lady bis zu einer fast noch gerisseneren Taktikerin als ihr Ehemann und Präsident Frank Underwood (Kevin Spacey).

Es brauchte nach der vierten Staffel, in der Claire ihre – freilich etwas unrealistische – Kandidatur für die Vizepräsidentschaft erzwang, kaum mehr Fantasie, um sich in Zukunft eine Präsidentin Underwood vorzustellen – nicht zuletzt, weil ihr Mann gesundheitlich stark angeschlagen war.

Das schien der Deal dieser äußerst pragmatischen Ehe zu sein: Dass das Powerpaar Underwood/Underwood die Präsidentschaft zur Dynastie werden lassen würde. Alles lief auf Claire zu.

Vorbild Hillary verliert – was wird aus Claire?

Allein: Die vermeintliche Parallele zum echten Washington hat mit Hillary Clintons dramatischer Wahlniederlage ein jähes Ende gefunden, das die neue Showrunnerin Melissa Gibson vor die bislang größte Herausforderung in der Seriengeschichte stellt: Funktioniert „House of Cards“ auch ohne den Cliffhanger einer zweiten Clinton-Präsidentschaft?

Als Joker bleibt das Phänomen Trump, das in der vierten Staffel, die von Mitte 2015 bis Anfang 2o16 gedreht wurde, noch verpasst wurde. „Trump hat uns all unsere Ideen gestohlen“, witzelte Robin Wright vor einigen Tagen in Cannes über die neue politische Wirklichkeit anno 2017.

Tatsächlich steht „House of Cards“ in der fünften Staffel, die sich um die Endphase des Präsidentschaftswahlkampfs der Underwoods gegen den jung-dynamischen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Will Conway dreht, damit vor der bislang größten Bewährungsprobe.

Einerseits muss sich die Erfolgsserie von ihrem heimlichen politischen Vorbild emanzipieren. Andererseits droht Netflix‘ Polit-Drama, das vor der US-Wahl geschrieben worden sein soll, in Zeiten des totalen Trump-Chaos, das von Woche zu Woche eskaliert, schlimmstenfalls als zahme TV-Version der neuen Polit-Realität wahrgenommen zu werden.

„Wir haben bessere Autoren als Trump“

Im Gespräch mit US-Satiriker Stephen Colbert erklärt Spacey vor wenigen Tagen, dass einige Dinge, die in der Serie noch fiktional abgedreht wurden, sich inzwischen in der Wirklichkeit tatsächlich ereignet hätten.

„Tatsächlich waren wir aber zuerst dran“, beteuert Spacey. Aber: „Wir haben bessere Autoren als Trump“, witzelte der 57-Jährige. Wer hätte das noch vor einem Jahr gedacht: Präsident Underwood wird plötzlich an Präsident Trump gemessen.

Zu sehen ist die fünfte Staffel von „House of Cards“ ab heute weltweit bei Netflix. In Deutschland hat sich Sky frühzeitig die Erstausstrahlungsrechte gesichert und bietet die US-Kultserie ebenfalls ab heute an.

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