Condé Nast schließt Außenbüros: Wie Verlagschef Moritz von Laffert die Vermarktung neu aufstellt

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Umbau bei Conde Nast: Der Magazinverlag zentralisiert seine Vermarktung am Standort München. Alle Außenbüros in Deutschland werden geschlossen. Von der Maßnahme sind zwölf Mitarbeiter betroffen, denen einen Jobangebot in der Zentrale gemacht werden soll. Verantwortlich hierfür soll unter anderem der Wandel in der Werbevermarktung sein.

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Moritz von Laffert, Geschäftsführer des Medienhauses Condé Nast mit Magazinen wie Vogue, Glamour, myself und GQ, richtet seine Vermarktungsorganisation neu aus. Er zentralisiert die Sparte am Standort München. Alle inländischen Außenbüros in Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt, München und Stuttgart werden geschlossen, lediglich die Büros in Mailand, Paris und New York sind davon ausgenommen. Den zwölf in den inländischen Außenbüros arbeitenden Mitarbeitern will die Geschäftsführung ein Jobangebot in München unterbreiten. „Mit der Neuorganisation geben wir uns eine agile und effektive Sales-Struktur durch die wir nicht nur neue Umsatzpotenziale heben, sondern auch die Rolle von Condé Nast als Spezialist für kreative, maßgeschneiderte Branding-Kampagnen in Luxusumfeldern weiter stärken werden“, betont Laffert, Herausgeber von Condé Nast Deutschland und Vice President von Condé Nast International.

Durch die Schließung der Außenbüros baut Laffert am Standort München eine neue Struktur mit drei spezialisierten Verkaufsteams für Brand, Print- und den Digitalbereich auf. Die Arbeit der Außenbüros übernehmen die Bereiche Print und Digital, die von Christina Linder (Print) und Christine Weinsheimer (Digital) verantwortet werden. André Pollmann, der 2013 vom Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr zu den Münchnern wechselte, werde in der neuen Struktur die zentrale Vermarktung übernehmen und Print- und crossmediale Kampagnen aussteuern. Verantwortlich für den neuen Firmenkurs sind unter anderem nachlassende Vermarktungsumsätze. Im vergangenen Jahr gingen die Anzeigenumsätze im einstelligen Prozentbereich zurück. Die Rede ist von fünf bis sechs Prozent. Die Vertriebserlöse konnte der Verlag hingegen halten, weil die Geschäftsführung am Markt Preiserhöhungen durchsetzen konnte, heißt es. Auch bei den Publishern gibt es Neuigkeiten: Susanne Förg-Randazzo, die seit 2006 bei Condé Nast arbeitet und zuletzt als Publisherin für das Modemagazin Vogue und das Architekturblatt AD tätig war, verlässt das Unternehmen, heißt es in Branchenkreisen. Eine Condé Nast-Sprecherin bestätigt dies auf MEEDIA-Anfrage.

Mit der neuen Struktur in der Anzeigensparte reagiert das Printhaus auf das sich verändernde Marktumfeld in der Vermarktung. Immer stärker bestimmt Programmatic Buying das Geschäft. So werden Anzeigenumfelder zunehmend automatisch vergeben. Dadurch stellt sich für die Verlage die Frage, ob sie sich noch teure, dezentral aufgestellte Vermarktungsstrukturen leisten wollen. Es reicht vielfach aus, Agenturen und Kunden direkt zu besuchen, um Anzeigendeals einzufädeln. So überlegen offenbar diverse Printhäuser, ihre Anzeigenbereiche zu zentralisieren, um angesichts rückläufiger Vermarktungserlöse Kosten einzusparen, heißt es in Branchenkreisen.

Neu aufgestellt wird bei Condé Nast auch die technische und kaufmännische Abwicklung von Werbebuchungen. Hierzu holt sich Laffert Hilfe von der AdTech Factory, einer Tochter von Hubert Burda Media. Condé Nast sei der erste externe Kunde der Burda-Gesellschaft. Die Maßnahme führt bei Condé Nast zum Jobabbau, heißt es. Es soll sich aber nur um ein bis zwei Stellen handeln. Die AdTech Factory hatte sich in der Vergangenheit bemüht, die Anzeigendisposition des Hamburger Spiegel-Verlags zu übernehmen. Doch die Firma kam hier nicht zum Zuge und übergab die Aufgaben dem Haus Gruner + Jahr, das am Spiegel-Verlag beteiligt ist.

Mit der Vermarktung setzt von Laffert den Umbau des Unternehmens fort. Erst jüngst hatte sich Condé Nast entschlossen, die Schlussredaktion aller Magazintitel an einen externen Dienstleister um den Hamburger Verleger Jan Wickmann auszulagern. Betroffen von der Maßnahme sind vier feste Arbeitsplätze. Möglich ist, dass auch in den Redaktionen mittelfristig Stellen gestrichen werden. Derzeit sei aber nichts geplant, heißt es.

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Alle Kommentare

  1. Das ist keine Neustrukturierung sondern Eingeständnis dummen Managements der letzten acht Jahre. Condé Nast hatte diese zentrale Struktur mit dem Commercial Department bereits in 2007 entwickelt und 2008 umgesetzt. Dies wurde von Herrn von Laffert in einer seiner ersten Amtshandlungen aufgelöst, nachdem im Oktober 2009 unmittelbar vor seinem Dienstantritt das Department mit der 30jährigen Jubiläums-Vogue ein spektakuläres Ergebnis mit einem Netto-Umsatz von über 6 Millionen Euro und vielen „individuellen Branding-Kampagnen“ erzielt hatte.
    Das gesamte Team inklusive der erfolgreichen Publisher hat über die Jahre das Haus verlassen. Der „arme“ Außendienst ist keinesfalls Ursache oder Key Factor der angesprochenen Probleme und Herausforderungen und seine Abschaffung nicht mal im Ansatz eine (Teil)lösung.

    1. Der „arme“ Außendienst ist zwar nicht die Ursache, kostet aber Geld und ist in den heutigen Kunde-Agentur-Verlags-Strukturen einfach nicht mehr notwendig…

      1. Das ist zu kurz gedacht. Der Außendienst ist eine wichtige Schnittstelle zu Kunden/Agenturen und ist als Problemlöser heutzutage weit mehr als nur Verkäufer. Vor allem durch den direkten Sitz in den wichtigen Agenturstädten sind die Wege unglaublich kurz. Einfliegen aus München ist für spontane Besuche sehr ambitioniert.

        Dies kann nicht allein durch den Verlag/TV Sender/Radiosender/OOH-Anbieter geleistet werden.

        Ich bin gespannt, was die Kunden und Agenturen in den Regionen von der Idee halten…

    1. Das sehe ich anders. Probleme werden aus meiner Erfahrung hauptsächlich vom Innendienst behandelt. Zwar ist der Außendienst ein Sprachrohr, aber offenen gestanden in der heutigen Zeit ziemlicher Luxus. Das Hauptgeschäft findet nicht mehr mit dem Kunden, sondern mit den Agenturen statt, die Zahlen und Fakten affin und weniger emotional handeln. Daher braucht es auch nicht wie früher den klassischen Verkäufer, sondern Leute, die schnell und effizient die notwendigen Fakten zusammentragen können.

      Hinzu kommt, dass auch die Kunden / Agenturen gar nicht mehr die Zeit haben sämtliche Außendienstmitarbeitern regelmäßig zu treffen.

      An der ein oder anderen Stelle tut es sicher etwas weh und ist nicht immer so angenehm wie zuvor, aber unterm Strich glaube ich, dass die Kostenersparnis diesen Punkt ausgleichen wird.

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