Anzeige

Britpop mit Johnny Rotten und 100 Jahre UFA: die Programmhighlights von Arte für das 3./4. Quartal 2017

Sex Pistols-Frontmann Johnny Rotten (Foto) präsentiert den „Summer of Fish ’n‘ Chips“ bei Arte
Sex Pistols-Frontmann Johnny Rotten (Foto) präsentiert den "Summer of Fish 'n' Chips" bei Arte

Pünktlich zum 25. Geburtstag hat der europäische Sender Arte seinen Themenschwerpunkt für den Sommer und die Programmhighlights für das 3./4. Quartal 2017 präsentiert. "Statt Geburtstag könnte man es auch Silberhochzeit nennen", scherzt der stellvertretende Programmdirektor Bernd Mütter. Erste Geschenke habe es bereits gegeben. MEEDIA war bei der Präsentation in Hamburg vor Ort.

Anzeige
Anzeige

Man habe sich bereits selbst beschenkt, sagt Mütter zu Beginn der Programmpräsentation. Erst mit zwei neuen Formaten Anfang März („Beide Formate haben sich gut etabliert.“), einem Design-Rebrush (Ende März) und schließlich einer neuen Arte-Mediathek (Ende April). So weit, so gut. Nur: Hat der Fernsehsender für Europa, der heute seinen 25. Geburtstag feiert, auch in Sachen Einschaltquoten allen Grund zum Feiern gehabt?

Ja, meint Mütter: Im Vergleich zum Vorjahr (von Januar bis einschl. Mai) habe der deutsch-französische Sender rund sechs Prozent Gesamtmarktanteil zulegen können, der Kulturkanal liegt damit nun bei einem Gesamtmarktanteil von 1,1 Prozent. Ob das genügt? Die natürliche Antwort darauf müsse heißen: „Natürlich nicht. Wir wollen immer mehr Menschen mit unserem Programm überzeugen“, so Mütter, „aber für uns ist auch die Reichweite wichtig“. Demnach erreiche man pro Woche rund 9,8 Millionen TV-Zuschauer in Deutschland, die mindestens 15 Minuten auf Arte verweilen. In Frankreich seien das übrigens 11,5 Millionen, im Verbund also knapp 21 Millionen Zuschauer. Nicht unwesentlich dazu beigetragen haben etwa ein Themenabend zu Donald Trumps US-Präsidentschaft (1,3 Mio. Zuschauer in Deutschland, 520.000 Aufrufe in der Mediathek) und die Berichterstattung über Emmanuel Macron, den neuen französischen Präsidenten.

„Fish ’n‘ Chips“ mit Johnny Rotten

„Very british“ soll bei Arte der Sommer werden – mit Sex Pistols-Frontmann und Punk-Ikone Johnny Rotten (61) als Moderator, der in kurzen Einspielern durch die Reihe führt. Der „Summer of Fish ’n‘ Chips“ widme sich sechs Jahrzehnten britischer Popkultur – „weil Großbritannien – Brexit hin oder her – die Herzkammer des Pop ist“, sagte Oliver Schwehm von der Arte-Kulturredaktion. Eine Video-Grußbotschaft von Rotten selbst gab es obendrauf: „Hamburg hat die Beatles zu dem gemacht, was sie heute sind. Also habe ich nicht viel, für das ich euch danken kann.“ – in der britischen Punkband hat man für den Pop der vier Pilzköpfe nicht viel übrig gehabt.

Vom 14. Juli bis zum 20. August steht der Sommerschwerpunkt an sechs Wochenenden im Zeichen der Briten. Großbritannien sei eines der wenigen Länder, das geradezu fließbandartig und verlässlich Bands und Musiker zu produzieren vermag, betonte Schwehm. „Es gibt wohl kein Land, das die Welt in den vergangenen Jahrzehnten mit ähnlich vielen Musikern, Bands, Jugendbewegungen und Musikstilen bereichert hat wie das Vereinigte Königreich.“ Konzerte von den Rolling Stones („Havana Moon“, 16.7., 22.25 Uhr), Radiohead (15.6., 00.05 Uhr) und Pink Floyd („P.U.L.S.E.“, 22.7., 23.25 Uhr) stehen ebenso auf dem Programm wie Musikdokumentationen über Queen („Behind the Rhapsody“, 28.7., 21.45 Uhr) und den Beatles („Sgt. Pepper’s Musical Revolution“, 11.8., 23.15 Uhr) sowie Spielfilme wie „Radio Rock Revolution“ (16.7., 20.15 Uhr) und „Notting Hill“ (20.8., 20.15 Uhr). Im vergangenen Jahr hatte US-Musiker Iggy Pop (70) die Anmoderationen zum „Summer of Scandals“ geliefert. Mit dem „Fish ’n‘ Chips“-Motto geht die „Summer of…“-Reihe bereits in die zwölfte Runde.

Viele Jubiläen und Can Dündar

Doch auch nach dem „Summer of Fish ’n‘ Chips“ scheint die Zuschauer ein facettenreiches Programm zu erwarten. Am Dienstag setzt man demnach auf „hintergründige Aktualität“. So beleuchtet etwa der türkische Journalist und Regierungskritiker Can Dündar in „Exil Deutschland – Abschied von der Türkei“ (11.7.) die bedrohliche Lebenssituation von Künstlern und Intellektuellen in der Türkei, die wie Dündar ins Exil gehen mussten. Der Beitrag wird im Rahmen eines Themenabends zum Putschversuch in der Türkei gezeigt. Während etwa im Oktober in „Hinter dem Altar“ eine ernüchternde Bilanz zur Umsetzung der Null-Toleranz-Politik in Sachen Pädophilie in der Kirche gezogen wird.

Anzeige

In den Programm-Ressorts Geschichte und Gesellschaft wird ein Themenschwerpunkt zum 100. Jubiläum der Oktoberrevolution in Russland, u.a. mit den Dokumentarfilmen „Gefangen im Kreml – Die russischen First Ladies“ und „Putins Propagandakrieg in Prag“, gesetzt. Ab September nimmt die neunteilige Doku-Reihe „Vietnam“, produziert von PBS, die Zuschauer mit auf eine Reise in das Innere des generationsübergreifenden Konfliktes des Krieges.

Am Freitagabend fährt Arte mit Fernsehfilmen wie „Ich und Kaminski“(Juli) mit Daniel Brühl oder „Outside the Box“ (September) mit Frederick Lau auf. Etwa 25 Fernseh- und Spielfilme in Erstausstrahlung soll es im 3./4. Quartal bei Arte geben. Und Serien natürlich auch, darunter die zweite Staffel von Jane Campions „Top Of The Lake“ (Dezember) mit Nicole Kidman und Elisabeth Moss, die bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes Premiere feierte.

Auch einem anderen bedeutendem Jubiläum will Arte viel Platz im Programm einräumen: Unter dem Motto „100 Jahre UFA – Ganz großes Kino!“ zeigt der Sender rund 20 Spielfilme und zwei neu produzierte Dokumentationen, rund um die deutsche Produktionsfirma. Ab August will Arte in drei Sendestaffeln bedeutende Filmemacher der UFA vorstellen und ein dutzend Spielfilme, u.a. „Münchhausen“ oder „Kolberg“. Ein begleitender Online-Auftritt soll die wichtigsten Ereignisse des UFA-Jubiläumsjahres mit Ausstellungen und Vorträgen sowie Live-Übertragungen der „UFA-Filmnächte“ (August) dokumentieren.

Jeweils das 20-jährige Jubiläum feiern das Popkulturmagazin „Tracks“, mit drei Sondersendungen unter dem Motto „Voll neben der Spur!“ (September), und der „Spätvorstellung“-Sendeplatz am Montagabend, mit Dokumentarfilmen, die gewohnt eine ganz eigene filmische Handschrift jenseits von Konventionen und Tabus aufweisen.

Auch die Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr Frankreich zu Gast hat, will man im Programm abbilden: Highlights seien neben Literaturverfilmungen wie Robert Vernays „Der Graf von Monte Christo“ die Dokumentarfilme „Die Macht der Worte – Unterwegs zu Frankreichs Literaten“ und „Gutenberg – Genie und Geschäftsmann“ sowie die Reihe „Mordsidyll“, in der sich der Hamburger Autor Friedrich Dönhoff in die französische Provinz aufmacht, um fünf Krimiautoren von Weltformat zu besuchen.

Mit Material der dpa

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*