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Möglicher Schock für Springer, Bauer, Burda & Co.: Verlagen drohen Zwangsverkäufe in Polen

Verlagsbosse Paul Bernhard Kallen (Hubert Burda Media), Mathias Döpfner (Axel Springer), Yvonne Bauer (Bauer Media): In Polen droht Ärger
Verlagsbosse Paul Bernhard Kallen (Hubert Burda Media), Mathias Döpfner (Axel Springer), Yvonne Bauer (Bauer Media): In Polen droht Ärger

Nach Russland droht den deutschen Verlagen in Polen Ärger. Die dortige Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ will Medienhäusern wie Axel Springer Ringier, Bauer, Burda und dem Verlag der Passauer Neuen Presse per Gesetz ihre dominante Marktstellung streitig machen. Die Verlage sollen ihre Beteiligungen auf 30 Prozent kappen, indem sie - zunächst freiwillig - ihre Anteile an polnische Käufer abgeben. Wollen die Unternehmen nicht mitziehen, drohen den Unternehmen Zwangsverkäufe. Springer Ringier, Bauer, Burda & Co. sind alarmiert.

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Erst verschärfte Russland vor zwei Jahren die Mediengesetze. Kremlchef Wladimir Putin verbot ausländischen Unternehmen, mehr als 20 Prozent an dortigen Verlagen zu halten. Viele namhafte Investoren zogen Konsequenzen. Darunter die Axel Springer SE. Der Berliner Konzern zog sich nach zehnjähriger Tätigkeit Mitte 2015 aus Russland zurück und verkaufte die Anteile an seiner russischen Tochtergesellschaft, die Titel wie OK! und Geo verlegte.

Jetzt droht den deutschen Verlagen in Polen ein ähnliches Schicksal. Die polnische Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ plant, die Beteiligungen von ausländischen Medienhäusern im Land von maximal 40 auf 30 Prozent zu kappen, berichtet der Tagesspiegel. Ein entsprechendes Gesetz soll offenbar noch Ende Juni auf den Weg gebracht werden. Im Visier der polnischen Regierung seien vor allem deutsche Medienhäuser wie Axel Springer Ringier, die Bauer Media Group, die Münchener Hubert Burda Media sowie der Verlag der Passauer Neuen Presse. Laut Tagesspiegel will Vize-Regierungschef und Kulturminister Piotr Glinski den Unternehmen Übergangsfristen einräumen, die den Medienfirmen zuerst einen freiwilligen Verkauf ihrer Anteile an einen polnischen Käufer erlauben. Sollten die Unternehmen nicht mitziehen, werde mit dem „Gedanken gespielt, Staatsbetriebe könnten Zwangsaufkäufe durchsetzen“, heißt es.

Für Axel Springer Ringier und Bauer wäre eine Verschärfung der Mediengesetze ein schwerer Schlag. Springer Ringier verlegt in Polen über 13 große Pressetitel, darunter neben Fakt das Nachrichtenmagazin Newsweek Polska. Deutlich stärker betroffen wäre Bauer. Das norddeutsche Traditionshaus ist in Polen das drittgrößte Medienunternehmen. Es verfügt hier über den führenden Zeitschriftenverlag und ist nach eigenen Angaben im Segment der Luxus-Magazine, der monatlichen Lifestyle-Magazine, der wöchentlich und vierzehntägigen Unterhaltungs- und Fernsehzeitschriften sowie der Jugendmagazine marktführend. Jedes Jahr verkauft Bauer in Polen mit mehr als 30 Titeln rund 300 Millionen Exemplaren. Die Hamburger besitzen hier fünf der zehn der meistverkauften Titel. Wichtig ist für Bauer auch das Druckgeschäft in Polen. Das Unternehmen druckt dort nicht nur Zeitschriften für den polnischen Markt, sondern auch für Deutschland. Bauer spart hierdurch deutlich an Produktionskosten, weil das Lohnniveau der Drucker in dem osteuropäischen Land erheblich niedriger als hierzulande ist.

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Sollten sich die Mediengesetze ändern, droht Bauer auch im Radiogeschäft ein empfindlicher Dämpfer. Der Verlag betreibt hier mit der RMF Group den größten Hörfunkanbieter des Landes. Zudem sind die Norddeutschen mit der Interia.PL Group eine Größe im Internetgeschäft. Mehr als 150 Websites und Dienste zählt hier das Unternehmen. Stark betroffen wäre auch Hubert Burda Media von dem neuen Kurs der polnischen Regierung. Das Zeitschriftenhaus gibt in Polen 26 Zeitschriften heraus – darunter Gala, Burda, Glamour, Elle sowie Focus. Auch für den Verlag der Neuen Passauer Presse könnte das so genannte Re-Polonisierungsgesetz einen schweren wirtschaftliche Schaden bedeuten. Das Unternehmen publiziert in Polen 23 Regionalzeitungen.

Axel Springer Ringier hält sich zu der möglichen Gesetzesänderung bedeckt. „Es gibt derzeit eine Menge Spekulationen, was kommen könnte. Wir prüfen aber weder einen Rückzug, noch eine Verlagerung der Aktivitäten“, erklärt eine Springer-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage. Bauer und Burda lehnten eine Stellungnahme ab. Eine Anfrage an den Verlag der Passauer Neuen Presse blieb unbeantwortet.

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Alle Kommentare

  1. Gelebte Vielfalt eben. Sollte für die deutschen Verlage doch machbar sein. Immerhin dinieren sie hierzulande fürstlich mit solchen Gesetzgebern, die für internationale Streamingangebote, sowie Rundfunk- und Fernsehprogramme eine feste deutsche Quote im Austausch für die Lizenzvergabe durchsetzen.

  2. Bei mehreren deutschen Verlagen stehen die Interessen ausländischer Staaten in den Arbeitsverträgen, während die des deutschen Volkes NICHT schutzwürdig sind. Also ganz Ähnlich wie bei unserer „Regierung“.

    Das sagt klar, in wessen Auftrag die arbeiten. Die tägliche anti-deutsche Hetze beweist es noch klarer.

    Da finde ich die russischen und polnischen Bestrebungen extrem gut.

    Nur sollten die sich auch ansehen, welche Dritten Mächte bei diesen Verlagen das Sagen haben!

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