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„Werden Anpassungen vornehmen“: Spiegel reagiert auf Pro-Quote-Kritik an Personalpolitik bei Spiegel Daily

Bei Daily haben zu viele Männer das Sagen, kritisiert Pro-Quote-Vorsitzende Maren Weber
Bei Daily haben zu viele Männer das Sagen, kritisiert Pro-Quote-Vorsitzende Maren Weber

Als lang erwartetes Verlagsprojekt wird Spiegel Daily von vielen Seiten begutachtet – und nicht nur handwerklich beurteilt. Die digitale Abendzeitung aus dem Spiegel Verlag polarisiert auch mit ihrer Personalpolitik. Der Verein Pro Quote hat die ersten beiden Wochen von Daily analysiert und festgestellt: Das Projekt wird von Männern dominiert.

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Wer die ersten beiden Wochen Spiegel Daily in Gesichtern an sich vorbeiziehen lässt, erinnert sich an (in der Branche) prominente Köpfe: Jörg Kachelmann, Harald Schmidt, Dietmar Wischmeyer, Jan Fleischhauer, Jakob Augstein, Cordt Schnibben, an Interviews mit Ulf Poschardt, Armin Wolf, Satiriker Serdar Somuncu, Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir, Linken-Chef Dietmar Bartsch. Es fällt auf: Die Daily-Highlights der ersten Tage sind durchaus männlich dominiert.

Das kritisiert auch der Verein Pro Quote, der für mehr Frauen in Führungspositionen bei Medien eintritt. Obwohl das Redaktionsteam laut Impressum deutlich weiblich geprägt ist, übt der Aktivistinnenverband Kritik: „Die Macher der neuen digitalen Tageszeitung des Spiegel verstehen modernen Journalismus offensichtlich als Männersache – zumindest dort, wo politisch und gesellschaftlich relevante Themen meinungsprägend behandelt werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins.

In den ersten acht Ausgaben von Daily haben die Pro-Quote-Verantwortlichen mitgezählt und nicht nur bei den prominenten Köpfen eine Männer-Dominanz festgestellt, sondern auch an anderen Stellen. Speziell vorgenommen hat sich Pro Quote das Meinungs-Ressort, das „fast ausschließlich von Männern gemacht“ werde, heißt es. „Und wenn Frauen Beiträge liefern, dann oft zu Themen wie Liebe oder Frauenpolitik.“ Auch in den Videoinhalten des Meinungsressorts werden hauptsächlich Männer gezeigt. So seien in den bislang neun veröffentlichten Videos 16 Mal Männer zu Wort gekommen, nur ein einziges Mal eine Frau – und zwar als Fragestellerin für die Videokolumne von Cordt Schnibben, in der ausnahmsweise er der Interviewpartner war.

Nicht unbedingt besser sieht es in den Textbeiträgen aus. 30 von insgesamt 37 Texten wurden von Männern verfasst. „In den beliebten Daily-Leseminuten gerechnet: Von insgesamt 81 Text-Leseminuten im Meinungs-Ressort gingen 17 an Frauen“, heißt es in der Bilanz weiter.

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„Das ist ein erstaunliches Ergebnis für ein Magazin, das sich als zukunftsweisend angekündigt hat“, so Maren Weber, Vorsitzende von Pro Quote, die den Daily-Werbespruch „einmal am Tag die Welt anhalten“ aufgreift und mit Blick auf die Personalpolitik kritisiert: „Der Stillstand ist ihnen gelungen.“

Auf Nachfrage von MEEDIA reagiert der Spiegel Verlag auf die Kritik. Ein Sprecher schreibt: „Wir haben in den ersten beiden Wochen viel positive Resonanz auf unsere digitale Tageszeitung Spiegel Daily bekommen. Anregungen sind uns natürlich auch immer willkommen, weil es die Möglichkeit bietet, das noch junge Produkt weiter zu verbessern. Die Kritik von Pro Quote nehmen wir uns zu Herzen. Hier werden wir Anpassungen vornehmen.“

 

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Alle Kommentare

  1. Auf Nachfrage schlägt also der weltberühmte Spiegel-Verlag („Sturmgeschütz”, „Sagen, was ist” …) die Hacken zusammen und lässt dem gefürchteten Karriere-Netzwerk Pro Quote untertänigst ausrichten, die verheerenden Missstände beheben zu wollen, die ihm in Form von über jeden Zweifel erhabenen Statistiken hingerieben worden sind.

    Souveräner geht’s kaum.

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