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„Ein Duell ist ein Duell“: TV-Sender erteilen Mega-Duell mit allen Parteien vor der Bundestagswahl eine Absage

Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Martin Schulz treten am 3. September gegeneinander an
Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Martin Schulz treten am 3. September gegeneinander an

Das "TV-Duell" zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Martin Schulz (SPD) sorgt für Gesprächsstoff: In einem offenen Brief an die ausrichtenden Sender fordern die Spitzenkandidaten von Linken, Grünen und FDP eine gemeinsame TV-Debatte mit allen Parteien. Nun gibt es erste Reaktionen der Sender.

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Seit Wochen sorgen die Modalitäten des „TV-Duells“ für Gesprächstoff: Erst haben die austragenden Sender sowohl ein öffentlich-rechtliches als auch ein privates „TV-Duell“ zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz gefordert, dann wurde aus zwei Terminen doch wieder einerdafür aber mit zwei Moderatoren-Paaren. Anschließend forderten die Spitzenkandidaten von Linken, Grünen und FDP in einem offenen Brief an die Verantwortlichen eine gemeinsame TV-Debatte mit den Spitzenkandidaten aller Parteien.

MEEDIA hat nachgefragt, was die Sender zu der Forderung der kleineren Parteien sagen.

„Stand heute: nein.“

Bisher ist Sat.1 der einzige (Privat-)Sender, der zumindest ein „Duell vor dem Duell“ veranstaltet. Der Schlagabtausch zwischen den Spitzenvertretern der Grünen, Linken, FDP und AfD soll am 30. August (die Uhrzeit stehe noch nicht fest) – also noch einige Tage vor dem großen „TV-Duell“ – stattfinden, so Sat.1-Sprecherin Diana Schardt gegenüber MEEDIA.

Eine „gemeinsame TV-Debatte mit den Spitzenkandidaten aller Parteien“, so die Forderung der kleineren Parteien, schließt der Sender aber vorerst aus. „Stand heute: nein.“, so Schardt. „Diese Frage entscheiden nicht wir alleine, sondern mehrere Beteiligte.“ Zu der Kritik, dass „wenn nur die Regierenden diese Arena und Aufmerksamkeit bekommen“, das „nicht nur dem politischen Diskurs“ sondern „auch dem Ansehen der Medien“ schade, konnte man heute Mittag auf Nachfrage von MEEDIA noch keine Stellung beziehen. „Der Brief liegt uns noch nicht vor“, so die Sendersprecherin. „Entsprechend werden wir uns erst dann dazu äußern, wenn wir ihn gelesen haben.“

Der Brief von Dietmar Bartsch (Linke), Cem Özdemir (Grüne) und Christian Lindner (FDP) lag am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor; laut Spiegel Online sollte dieser am heutigen Montag verschickt werden. Das Schreiben war bis zum Nachmittag offenbar noch unterwegs. Auch beim öffentlich-rechtlichen ZDF sei der Brief zur Mittagszeit noch nicht angekommen gewesen, ebenso wenig wie bei den Kollegen von Privatsender RTL.

„Verantwortung für den demokratischen Prozess“

Nun ist der offene Brief angekommen und hat seinen Weg ins Netz gefunden. Darin fordern die Spitzenkandidaten von Grünen, Linke und FDP von den Sendern „Verantwortung für den demokratischen Prozess“. Auch bei EU-Nachbarn wie Frankreich oder den Niederlanden werde „allen Parteien gleicher Zugang zu der de facto wichtigsten Arena der Debatte“ gewährt:

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Die Funktion von Wahlen in einem demokratischen System ist es doch gerade, dass die amtierende Regierung auf den Prüfstand gestellt wird, dass andere politische Kräfte mit ihr konkurrieren und sie stellen und an ihren Ansprüchen, Versprechen und an ihrem Handeln messen. (…)

Es stände Deutschland besser zu Gesicht, es seinen demokratischen Nachbarn gleichzutun. Wenn nur die Regierenden diese Arena und Aufmerksamkeit bekommen, dann schadet das nicht nur dem politischen Diskurs an sich, sondern auch dem Ansehen der Medien, deren Legitimität von rechten Kräften ohnehin schon in Frage gestellt wird. Wir sollten diesen Kräften nicht noch mehr Munition liefern.

Wir schlagen deswegen eine gemeinsame TV-Debatte mit den Spitzenkandidaten aller Parteien vor, die eine Chance auf den Einzug in den Bundestag haben.

„Ein Duell ist ein Duell“

In einer gemeinsamen Stellungnahme von ARD und ZDF gegenüber MEEDIA heißt es:

Das Duell der Kanzlerkandidaten gehört seit 2002 zur Vorwahlberichterstattung im deutschen Fernsehen. Ein Duell ist ein Duell, also die direkte Auseinandersetzung zwischen zwei Kontrahenten. Es soll auch in diesem Jahr mit den Kanzlerkandidaten von CDU/CSU und SPD durchgeführt und am Sonntag, 3. September 2017, ab 20.15 Uhr von ARD, RTL, Sat.1 und ZDF übertragen werden.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern sieht man also von der „gemeinsamen TV-Debatte mit den Spitzenkandidaten aller Parteien“, wie gefordert, ab. Offenbar auch, weil zumindest eine Schlussrunde mit den „Parteivorsitzenden aller im deutschen Bundestag vertretenen Parteien“ am 21. September (22.00 Uhr) geplant sei. Weiter heißt es: „Auch AfD und FDP sind gebeten worden, den Termin für diese Sendung vorzumerken. Die endgültige Einladung für diese nicht im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien wird gegebenenfalls Anfang September erfolgen, sofern sie in der Schlussphase des Wahlkampfs die Aussicht auf Einzug in den Deutschen Bundestag haben.“

Bei Sat.1 verweist , man auf eine zusätzliche Wahlsendung mit den Parteien, die laut Umfragen eine realistische Chance auf den Einzug in den Deutschen Bundestag haben. In der Woche vor dem großen „TV-Duell“ der beiden Kanzlerkandidaten von CDU/CSU und SPD lädt Claus Strunz am Mittwoch, 30. August 2017, die Spitzenvertreter der Grünen, der Linken, der FDP und der AfD zum verbalen Schlagabtausch ein. In dieser Sendung stehen auch die Positionen der aktuell regierenden Parteien CDU/CSU und SPD zur Debatte.

Ganz ähnlich äußert sich RTL. Der Sender verkündet, im Rahmen der Wahlberichterstattung allen Parteien, die voraussichtlich die Fünf-Prozent-Hürde überspringen werden, ein ausreichendes Forum zu geben.

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Alle Kommentare

  1. Da faseln die Rundgunkfunktionäre noch vollmundig von Demokratieabgabe und dann hat man Angst vor Demokratie und um den Wohlwollen ihrer politischen Auftraggeber. Typisch protektionistischer Staatsfunk. Ekelerregend.

  2. Die Regierenden bleiben unter sich.Was soll bei diesem Duell rauskommen,sie tragen die Regierungsverantwortung in den letzten Jahrzehnten. Die FDP muss genauso wie die AfD natürlich außen vorgelassen werden,beide gehören nicht den Bundestag an.

  3. Ein bloßes Duell ist langweilig, unfair und undemokratisch. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben eine andere, nämlich umfassende Aufgabe. Nehmen Sie sie endlich wahr! HJL

  4. Nun, es ist einfacher mit 2 Parteien die Fragen abzustimmen und diesen Vorgang danach der Geheimhaltung *kiecher* zu unterwerfen, als mit 5 oder 6. Ausserdem sind SPD/CDU/CSU bei den ÖR-Sendern die Hausherren. SAT1 und RTL sind hier nur Mitläufer ohne Einfluss.

    Es wäre toll, die 4 Interviewer per Los auszuwählen. Bleibt zu klären wer wählen darf und wer die Interviewer vorschlägt. Aber das ist Wunschdenken.

    Ich werde mir diese Sendung(-en) jedenfalls nicht antun.

    1. Ein bloßes Duell ist langweilig, unfair und undemokratisch. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben eine andere, nämlich umfassende Aufgabe. Nehmen Sie sie endlich wahr! HJL

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