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Grenzenloses Video-Streaming: EU-Parlament billigt Abschaffung von Geoblocking

Ob Netflix, Amazon oder Sky: Die VoD-Dienste sollen künftig auch grenzüberschreitend im EU-Ausland zu nutzen sein
Ob Netflix, Amazon oder Sky: Die VoD-Dienste sollen künftig auch grenzüberschreitend im EU-Ausland zu nutzen sein

Ob Filme, Serien oder Bundesliga - der Versuch, die Inhalte eines Bezahlabos im Ausland zu streamen, konnte bislang ziemlich frustrierend enden. Auf dem Bildschirm erschien nicht selten die Fehlermeldung: "Dieser Inhalt ist in Ihrem Land nicht verfügbar". Damit ist nun bald Schluss: Das EU-Parlament hat einen entsprechenden Entwurf gebilligt, der das Geoblocking für Streaming-Anbieter abschafft.

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Am Donnerstag hat das EU-Parlament in Straßburg eine neue Verordnung gebilligt, nach der Verbraucher auf Reisen innerhalb von Europa uneingeschränkt Abonnements etwa für Netflix, Amazon Video oder das Sportangebot von Sky Go nutzen können. Der Beschluss tritt neun Monate nach Veröffentlichung im Europäischen Amtsblatt in Kraft, also Anfang 2018. Anfang Juni müssen die EU-Mitgliedstaaten der Reform noch ihr offizielles Okay geben, was allerdings nur als Formsache gilt. Darüber berichten auch der Tagesspiegel und die Tagesschau.

„Was bezahlt ist, muss auch geguckt werden dürfen“, wird SPD-Abgeordneter Tiemo Wölken zitiert. Auch die CDU-Abgeordnete Sabine Verheyen spricht von einem „ausgewogenen Kompromiss“ – das Copyright der Streaming-Anbieter wird auf der einen Seite durch den Kontrollmechanismus ausreichend geschützt, auf der anderen Seite erhalten die Nutzer einen grenzüberschreitenden Zugriff auf die legalen Angebote und sehen sich sozusagen nicht gezwungen, auf illegale Alternativen auszuweichen.

Bisher war das Problem, dass Anbieter Inhalte nicht im Ausland zeigen durften, weil ihnen dafür die Rechte fehlten. „Produktionen werden nämlich immer nur für ein Land verkauft“, sagte der EU-Abgeordnete Wölken vor der Abstimmung am Donnerstag. Durch Geoblocking verhinderten Anbieter deshalb den Zugriff. So konnten Abo-Kunden von Videodiensten ihre zu Hause bezahlten Inhalte im Urlaub oder während eines Auslandaufenthalt in vielen Fällen nicht nutzen.

Die neue Verordnung ändert nichts am Urheberrecht und sieht vor, dass Streaming-Nutzer künftig bei vorübergehenden Auslandsaufenthalten in der EU – ob im Urlaub, auf Dienstreise oder Studienaufenthalt – ihre kostenpflichtigen Abonnements ohne Einschränkung nutzen können. Es scheint also durchaus eine zeitliche Beschränkung zu geben, welche in der Verordnung jedoch nicht enthalten ist. Wenn jemand aus dem EU-Ausland gucke, werde so getan, als ob der Zugriff aus dem Heimatland passiere, sagt Wölken. Verbraucher sollen dann die gleichen Inhalte sehen können wie daheim – wenn es der Anbieter möglich macht, auch mehr. Zusatzgebühren für den Abruf im Ausland darf es nicht geben.

Damit das Ganze funktioniert, müssen Anbieter prüfen, in welchem Land ihre Kunden ihren Wohnsitz haben. Dafür können sie sich zum Beispiel auf die Angaben beim Vertragsabschluss oder Zahlungsdaten stützen. Damit soll ausgeschlossen werden, dass der Verbraucher einen niedrigeren Abo-Preis in einem anderen EU-Land zahlt, den Dienst aber in seinem Heimatland nutzt.

Das Votum hält auch Andrus Ansip für begrüßenswert, zuständiger Kommissar für den digitalen Binnenmarkt, wie die Tagesschau berichtet. Rund 20 Prozent der EU-Bürger würden sich mindestens zehn Tage im Jahr im EU-Ausland aufhalten. Nach Angaben der EU-Kommission verwenden derzeit 49 Prozent der Internetnutzer Streaming-Dienste.

Mit Material der dpa

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Alle Kommentare

  1. „der anderen Seite erhalten die Nutzer einen grenzüberschreitenden Zugriff auf die legalen Angebote“
    Genau eben nicht.
    Mallorca-Rentner haben Pech gehabt und können keine Prepaid-Netflix-Karten z.b. von Penny oder Rewe benutzen. Auch Leute auf der andere Seite der Grenze haben Pech gehabt weil sie keinen passenden Wohnort haben. Polen wohnen auf der deutschen Seite weil die polnischen Grundstücke noch Erschliessungskosten brauchen und man dann auch ein erschlossenes (Strom Gas Wasser Glasfaser Abwasser) auf der deutschen Seite kaufen kann. Ebenso vielleicht manche Niederländer.
    EU-Abgeordnete hingegen können jetzt natürlich Ihr Heimat-Netflix nutzen.

    “ Damit soll ausgeschlossen werden, dass der Verbraucher einen niedrigeren Abo-Preis in einem anderen EU-Land zahlt, den Dienst aber in seinem Heimatland nutzt.“ ? Und mit welcher Begründung ? Noch nie hat die Presse das damalige Malta-Beispiel vom EU-Kommissar erklärt. Alle ausser mir akzeptieren anscheinend solche Preis-Ungerechtigkeiten. Was sagt AfD ? Ist denen das Thema ähnlich egal wie anscheinend den Konkurrenz-Parteien ?
    Die Tonspuren sind ja dann deutsch+englisch für ein deutsches Abo im Ausland. Wer ein polnisches Netflix abonniert hat dann polnisch+englisch als Sprachspur.
    Darf gedrosselt werden ? Denn man benutzt natürlich nicht die deutschen Super-Cache-Server wenn man die deutschen Netflix-Streams nach Mallorca schickt.

    Anmerkung:
    „billigt Abschaffung von URLAUBS-Geoblocking“ passt vielleicht besser.
    Denn Text müsste man zusammenkürzen. Wie bei politischen Agenturmeldungen wird es ermüdend in die Länge verteilt damit alle denken, Geoblocking ist vorbei und ganz unten im Kleingedruckten stehen dann erst die DICKEN Einschränkungen.
    Denn man liest oft nur die Headline als (ergänzungs-bedürftige) Kurz-Zusammenfassung:
    http://t3n.de/news/headlines-artikel-lesen-sharen-718430/
    Wenn Sie also „Urlaubs-Geoblocking“ in die Headline schreiben erkennen auch die Headline-Leser schnell, das es dicke Einschränkungen gibt.

    Und da es wohl nicht für Kostenlos-Dienste gilt, werden RTL usw. vielleicht auf Mallorca nur per Sat-Schüssel und nicht per Internet empfangbar sein.
    Das schränkt natürlich die Verhandlungen bei den Lizenzgebern ein weil Netflix jetzt mit der EU-Vorgabe argumentieren kann, RTL, ZDF, … aber dieses Argument nicht vorbringen kann.
    Also: „Geoblocking“ wird „Urlaubs-Geoblocking“ wird „Urlaubs-Paydienst-Geoblocking“. Dann früge(?) sich jeder sofort nach Dauer-Auswanderern und Kostenlos-Diensten.
    Die EU hat also nur einen Bruchteil des Geoblockings abgeschafft für z.b. EU-Abgeordnete und ihre Pay-Abos in Luxemburg oder wo die sind aber nicht mal für die eigenen kostenlos-Angebote ihrer eigenen Heimat-Sender.
    Was sagt RTL und Pro7 das man bald vielleicht auf Mallorca leichter an deutsches Netflix als deutsches Online-RTL kommen kann ?

    Das Lizenzen Landes-Exclusiv sind, ist wegen der Sprachen nachvollziehbar. RTL lizensiert also die deutschen Ausstrahlungen von z.B.heute ab 20:15 bei RTL-2: Shutter Island, Kill Bill Vol. 1, Hostel, Kill Bill Vol. 1, Nikita, Doc Hollywood, Teen Wolf, Auf die harte Tour
    Was soll also RTL mit Lizenzen für Frankreich und warum sollte es diese bezahlen ? Wegen der multinationalen Streaming-Dienste hat man jetzt natürlich Asymmetrien.

    Vielleicht also der wichtigste Aspekt: Vielleicht hat also die EU somit AmazonPrimeVideo und Netflix dicke Vorteile verschafft und Classic-TV (auch HD+ und FreenetPayHD) hat es vielleicht ab 2018 schwerer gegen Internet-TV. Weil Netflix/Amazon/… international sind, machen die Geoblocking vielleicht nur wegen der Lizenzgeber und würden am liebsten darauf verzichten.
    Man müsste also mal die Sender (auch Tele5, eoTV(bei RiC), FamilyTV usw.) danach befragen. Die senden oft genug ja auch gar keinen Original-Ton. Wer also würde (beides gestern Nacht) Ripper Street als ZDF-Stream oder Doppelfolge Orange is the new Black als ZDF-neo-Stream oder die ganzen RTL-Programm und Scripted-Reality und Dailyserien auf deutsch-only ohne Originalton gucken ? Na also.

    Für Tageszeitungen und Zeitschriften und vermutlich deren PayWalls und Digital-Abos oder Bücher allgemein gibts daher auch kein Geoblocking. Wem es noch nie aufgefallen ist: Diese Telenovelas „Hausfrauen-Serien“ Daily-Soaps sind in praktisch allen Ländern als Lokale Versionen individual-produziert oder sogar noch lokalisiert neugedreht wie The Bureau(UK?) als Stromberg oder LaFea(Brasilien?) als UglyUSABetty bzw. LisaPlenzke(?)VerliebtInBerlin ? Nicht alles sind US-Serien und bei Hausfrauen-Serien haben die US-Konzerne (und Atlantik-Brücken-Fans und Bilderberger usw.) bis heute keinen Fuß in der Tür sondern die lokalen Produzenten müssen diese gigantischen fiktiven Sende-Minuten-Mengen seit Jahrzehnten lokal produzieren. Es gibt also große Mengen lokalen Content welcher nicht von den Multis internationalisiert als US-Einheitsbrei anbietbar ist. Netflix setzt inzwischen dankenswerterweise ewig alte Crowd-Übersetzungs-Ideen um und Lisa Simpson übersetzt die spanischen Telenovelas ja auch für ihre Mutter. Das ist folglich Trivialprogrammierung aber die Rechtskosten und Lizenzkosten machen es uninteressant obwohl es natürlich kewl wäre, auch Franzosen und allen anderen Ländern die deutsche Serie „jerks.“ krass korrekt krass übersetzt zu bringen. Netflix kann also ohne Kosten ganz USA mit günstig lizensierten südamerikanischen Telenovelas, Komissar Rex oder Lasko-Die Faust Gottes, Derrick usw. in !guter! Übersetzung weltweit beliefern…

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