Sommerferien statt Wahlkampf-Talk: die ausgedehnten Urlaubs-Pläne von Anne Will, Frank Plasberg & Co.

Obwohl ein „politisch heißen Sommer vor der Bundestagswahl“ (ZDF-Chefredakteur) vor der Tür steht, gönnen sich die Top-Talker erst einmal lange Ferien
Obwohl ein "politisch heißen Sommer vor der Bundestagswahl" (ZDF-Chefredakteur) vor der Tür steht, gönnen sich die Top-Talker erst einmal lange Ferien

Am 24. September ist Bundestagswahl: In den Wochen davor wird in der Bevölkerung engagiert über Politik und die künftige Ausrichtung der Gesellschaft debattiert. Für die Meinungsbildung des Landes sind es wichtige Monate. Einige dieser spannenden Wochen wird es allerdings nur eine sehr spärlicher Begleitung durch politische Talkshows geben: Denn Anne Will, Maybrit Illner oder auch Frank Plasberg verabschieden sich turnusgemäß in ausgedehnte Sommerpausen.

Anzeige

Jedes Jahr aufs Neue stellt sich die Frage, ob die TV-Sommerpause für die TV-Talks wirklich so lange ausfallen muss. Die satirische „heute show“ stellt ihren Sendebetrieb beispielsweise am 3. Juni ein und meldet sich erst am 8. September wieder zum Dienst. Die Gründe für die langen Sommerferien sind hinlänglich bekannt. Im Sommer sinken die Einschaltquoten massiv und auch den Machern vor und hinter der Kamera sei ein wenig Entspannung gegönnt. Aber muss es wirklich so lange sein? Gerade der Wahlkampf liefert für ein Format wie die „heute show“ doch Material satt: Politiker, die sich auf Veranstaltungen blamieren, entgleiste Wahlplakate, peinliche TV-Spots etc. Dazu eine Gesellschaft, die sich so sehr fürs Politische interessiert, wie sonst kaum.

Diese Chance auf besonders viel Zuschauer-Aufmerksamkeit lassen Oliver Welke, aber auch Anne Will oder auch Maybrit Illner einfach gehen:

– Anne Will gibt ihre letzte Vorstellung vor der Pause bereits am 28. Mai. Danach ist Funkstille bis mindestens Mitte August. Gegenüber der dpa deutete die ARD immerhin an, dass Unterbrechungen möglich seien. Genaue Infos gibt es jedoch nicht.
– Frank Plasberg bittet am 26. Juni zur letzten „Hart, aber fair“-Runde und nimmt sich dann gut acht Wochen frei. Vor Ende August wird er offenbar nicht wieder zur Debatte bitten.
– Sandra Maischberger wird laut ARD am 19. Juli letztmalig vor der Pause zur Diskussion laden und dann sieben Wochen Ferien machen. Hier liegt das mögliche Wiederantrittsdatum sogar im September.

Die Pausen sind immerhin so getimed, dass es nur drei Wochen ohne jeglichen Talk geben wird. „Wenn ein aktuelles Thema der Einordnung bedarf, kann aber auch in dieser Zeit kurzfristig eine Gesprächsrunde organisiert werden“, sagt die ARD auf MEEDIA-Anfrage. Zudem weist der Sender noch einmal daraufhin, dass die Moderatoren einen Urlaubsanspruch hätten und auch der Bundestag im Juli/August „ja seine parlamentarische Pause“ mache. Im Gegensatz zu den Talkern werden sich die Politiker in den Sitzungsferien jedoch nicht wochenlang verabschieden, sondern im Wahlkampf durchstarten.

Beim ZDF sieht es mit einem Unterschied ähnlich aus:

– Maybrit Illner lädt am 13. Juli letztmalig vor der Pause zum Gespräch, am 24. August erfolgt dann ihr Wiedereinstieg.
– Markus Lanz lässt sich Zeit und meldet sich erst am 22. August aus dem Urlaub zurück. Allerdings bespielt der Late-Night-Talker auch eher ein Unterhaltungs-Format, bei dem aber auch immer wieder Politiker zu Gast sind.

Im Gegensatz zur ARD schickt das ZDF mit Dunja Hayali eine hochkarätige Ferienvertretung für Illner ins Rennen. In den vergangenen zwei Jahren übernahm die „Moma“-Moderatorin den Illner-Sendeplatz und bat zum „Donnerstalk“. In diesem Jahr wechselt sie auf den Mittwoch und präsentiert dasselbe Konzept, ein Mix aus Reportage und Talk, unter dem ihrem Namen. Insgesamt sind sieben Folgen geplant.

„Was bewegt dieses Land in diesem politisch heißen Sommer vor der Bundestagswahl? Ich freue mich, dass Dunja Hayali nun im dritten Jahr in Folge Deutschland den Puls misst – empathisch, kritisch und immer auf Augenhöhe mit den Zuschauerinnen und Zuschauern“, erklärt der ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

Auch, wenn sich zumindest Frey offenbar darüber im Klaren ist, dass wir es in diesem Jahr mit einem „politisch heißen Sommer“ zu tun haben, hielt es ihn, wie auch seine ARD-Kollegen nicht davon ab, die ausgedehnten Urlaubsanträge der Top-Talker zu genehmigen.

Mit Material von dpa

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Kann man daraus ablesen, wie unwichtig und wie wenig meinungsbildend diese Show-Formate selbst in der Einschätzung der Veranstalter sind? Und welche Rolle spielt dabei der oft bemühte „Bildungsauftrag“ der ÖR-Sender? Findet politische Bildung in der Sommerpause zugunsten der Erholung der Moderatoren nicht statt?
    Übrigens: es soll Berufe und Tarifverträge geben, die einen Jahresurlaub von 3 Wochen vorsehen und auch diese Arbeitnehmer zahlen den vollen Gebührensatz!

  2. Was sind überhaupt die Erfolge der Presse oder politischen Bericht-Erstattung oder Talkshows ? Vermutlich nicht grade viel…

    Man müsste mal vor-rechnen wie viele Leute wegen der Ferien fehlen.
    Das macht ja auch die Zuschauer-Minuten welche Ihr gerne durchrechnen könntet.
    Radios sind schon so schlau:
    http://meedia.de/2016/12/07/ma-ip-audio-spotify-weiter-mit-mehr-abrufen-als-alle-radiosender-zusammen-neuer-wert-hoerstunde/

    Wird es keine exklusiven TV-Interviews mit Seehofer, Laschet usw. geben wo man Themen thematisch antestet und Merkel danach in einem Super-Sommer-Interview ihre Überlegenheit beweist ?
    Da sind so Streit-Talkshows mit Oppositionellen vielleicht speziell im Wahlkampf eher uninteressant. Hiess es hier nicht heute, das „Hart aber fair“ nach der NRW-Wahl nicht so besonders gefragt war ?
    Das Wetter ist endlich wärmer und die Leute endlich mehr draussen.

    Und keiner von denen fragt vermutlich nach der statistisch zu erwartenden Rezession, den Folgen (Strom-Mangel, Tankstellen-Sterben,…) durch Elektro-Autos, dem Klima-Wandel usw.

    Gabs nicht immer Sommer-Interviews ?Wurden die nicht vorher aufgezeichnet ?
    Wenn sich dann SPDler auch anbieten hat man womöglich leider keine Termine mehr frei und es wurde ja „längst abgedreht“ und bis zur Bundestagswahl gibts dann vielleicht keine oppositionellen Einzel-Interviews mehr. Gabs nicht ein Zitat „Ich bin ja froh das die mich endlich genommen haben“ am ersten Tag vom diesjährigen Dschungelcamp ? Da gibts also genug Nachfrager und wohl auch Talkshow-Gäste auch für Politik-Talkshows. Wenn man also nicht möchte, das die Opposition klein gehalten wird, könnte man klare Anfragen an die Sender stellen oder BibelTV-HD oder Tele5 mit Kalkofe das leere Feld bestellen und die beschriebene Marktlücke (Politisches Kabarett oder einfach nur politische Talkshows) preisgünstig schliessen. Es gibt genug Oppositionelle die etwas sinnvolles beizutragen hätten.

    Was macht denn Talk im Hangar bei ServusTV-HD (Österreich) im Sommer ? Doppelpass bei Sport1/Sonntag-Vormittags macht ja vermutlich auch Pause wie die Bundesliga. Es ist aber auch sogar so, das bei den Lokal-Sendern gerne von Ferien-Orten/Urlaubs/Bade-Seen/Ausflugs-Zielen/Zoos usw. berichtet wird. Sommerzeit-Programm ist also nicht nur Wiederholungen. Aber wenn es kaum jemand guckt sind die Gebühren vielleicht wirklich besser mal eingespart oder man probiert endlich mal alternative Konzepte aus und schafft moderne Talkshow-Fakten wenn zufällig die Verhinderer im Urlaub sind.
    Anderseits würden im Wahlkampf die Krawall-Talkshows vielleicht noch krawalliger und sind oft ja auch nur wenig weiter-bringende Selbst-Darstellung wo man wenig neues von hat. So richtig informativ waren viele Sendungen ja leider auch nicht. Die wollen wohl das Merkel in die vermutlich kommende Krise/Krisen hinein regiert.

    Wahl im Oktober statt direkt nach den Schulferien wäre vielleicht besser.
    Gut der Hinweis das Hinterbänkler sich im Sommerloch häufiger mal blamieren (ich glaube einer wollte mal Atombomben für Deutschland…) oder sonst oft nur Schnappi, Kalli der Kaiman oder Elsa die Kuh beliebte Themen im Sommer sind.

    Trump hatte im Wahlkampf bei ich glaube CNBC angerufen und darauf hingewiesen das es nicht ok wäre, wenn eine Brücke 15mal mehr kostet als geplant. Seine Bauprojekte sind alle fertig geworden und wohl auch erfolgreich verkauft worden.

    Das die Presse nicht gut funktioniert erkennt man an den hohen Prozenten der FDP bei 20jährigen. War die FDP nicht gegen Mindestlohn ? Wollte die FDP nicht abschaffen das man kostenlos beim Sozialgericht (Abfindung ? Kündigungs-Schutz ? Hartz4-Maßnahmen…) klagen kann ? Ist die FDP für die Rückkehr der 1-Euro-Jobs und Praxis-Pauschale ? Usw…

  3. Die Heute-Show wird mir sehr fehlen. Die beabsichtigten Sendungen mit Dunja Hayali machen den Urlaub der anderen Damen mehr als wett.

  4. In diesen Shows (sic!) reden alle durcheinander und man versteht dadurch keinen. Deshalb ist die lange Sommerpause für mich gar kein Problem – politische Willensbildung durch Talk-Shows halte ich auch für gar nicht möglich. Bedingt durch die Sendezeit bleibt jedes Thema ausschließlich an der Oberfläche – mir reicht das jedenfalls nicht. Ist so ähnlich wie „Gerechtigkeit“ – was heißt das konkret und für wen?

  5. Die Alimentierung mit Rundfunkgebühren scheint hier leistungsavers zu wirken. Die erste kräftige Gebührenerhöhung nach Umstellung auf die Haushaltsabgabe wird ja schon vorbereitet.

    Klar hat jeder Anspruch auf eine angemessene Sommer- und Erholungspause – ganz ausdrücklich auch Welke und Co. Aber gleich eine volles viertel Jahr? Ich erkenne hier auch einen Grundversorgungs-Bedarf an Informationen von, zum und über den Wahlkampf 2017 durch die öffentlich-rechtlichen. Das Sommerloch könnte dieses Jahr nicht zuletzt aufgrund der Bundestagswahl deutlich kleiner ausfallen.

  6. Ich wünsche den genannten drei Damen und Herren einen schönen Urlaub!

    Und bitte: Bleibt wo ihr seid, kommt nie, nie wieder. Danke!

    P. S.: Nach inkrafttreten treten des Netzwerkdurchsetzungsgesetz wäre dieser Kommentar zweifellos als perfider Hasskomentar einzustufen und müßte von meedia.de gelöscht werden.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige