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„Beleidigt“, „unerträglich“, „selbstzufrieden“: Wahlanalyse und Wahlkampf bei „Anne Will“

Zwischen Wahlanalyse und Wahlkampf: die „Anne Will“-Runde vom 14. Mai
Zwischen Wahlanalyse und Wahlkampf: die "Anne Will"-Runde vom 14. Mai

Der letzte Stimmungstest vor der Bundestagswahl ging für SPD in die Hose. Am Abend der NRW-Wahl diskutierten die Parteispitzen, aber auch Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lozenzo, bei "Anne Will" über die Konsequenzen und mögliche Koalitionen – und landeten schnell im Bundestagswahlkampf. Mit den meist harmonischen Polittalks der vergangenen Wochen scheint es nun vorbei zu sein.

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Es ist ein Abend, an dem Gewinner und Verlierer klar feststehen: Nach dem überraschenden CDU-Sieg bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, dem Scheitern der Schulz-SPD und dem Rücktritt von Hannelore Kraft gab es bei „Anne Will“ viel zu diskutieren. Unter dem Motto „Kraftprobe in NRW – Weichenstellung für den Bund?“ ging es in einem lebhaften Polittalk vier Stunden nach dem Schließen der Wahllokale um die Konsequenzen für die Bundestagswahl im September.

„Das ist ein ganz bitterer Abend für uns, da gibt es auch nichts zu beschönigen“, bilanzierte zunächst SPD-Familienministerin Manuela Schwesig (42) und zollte Ministerpräsidentin Kraft Respekt für ihren angekündigten Rückzug: „Sie ist eine starke Frau in einer schwierigen Stunde.“ Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin (62) nannte „politische Fehler in NRW“, vor allem in der Schulpolitik, als Grund für das schlechte Abschneiden seiner Partei.

FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki (65) freute sich dagegen über das zweistellige Ergebnis in NRW, genauso wie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (65) über den Wahlsieg. „Das ist ein Abend für uns zum Freuen, aber nicht, um sich zurückzulehnen.“ Schwesig nannte ihren Sitznachbarn später dennoch „selbstzufrieden“.

Die beiden Vertreter der Volksparteien waren sich immerhin darin einig, das Ergebnis der NRW-Wahl nicht zu hoch zu hängen. Es sei dabei vor allem um landespolitische Themen gegangen. „Die Bundestagswahl ist noch weit hin, aber wir haben einen guten Rückenwind“, meinte Bouffier. Er machte auch die inhaltliche Unschärfe von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz für die vergangenen Wahlschlappen der Sozialdemokraten verantwortlich.

Nach der Analyse der „kleinen Bundestagswahl“ gingen die Gäste, darunter niemand von den Linken und der AfD, schnell in Wahlkampfmodus über und redeten teilweise wild durcheinander über innere Sicherheit, Verteidigungskosten, Energiepolitik oder schnelles Internet. „Thematisch springt man in dieser Sendung quer durch den Gemüsegarten“, bemerkte ein Twitterer.

Gastgeberin Will hatte vor allem Probleme, den sich in Rage redenden Trittin zu unterbrechen, nahm es aber mit Humor: „Ich kriege morgen wieder Ärger von meiner Mutter, sie habe nichts verstanden. Und das am Muttertag.“

Nach dieser persönlichen Anekdote loteten die Talkgäste, darunter auch Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo (58), mögliche Koalitionen in Schleswig-Holstein, NRW und im Bund aus. Dabei wurde schnell deutlich: Einfach wird es nicht.

FDP-Mann Kubicki nahm der CDU in Nordrhein-Westfalen krumm, einen Wahlkampf gegen die Liberalen geführt zu haben, wozu Bouffier lapidar meinte: „Sind Sie jetzt beleidigt?“ Auch mit Trittin legte sich Kubicki, der in Schleswig-Holstein an diesem Montag zu Sondierungsgesprächen mit den Grünen zusammenkommt, an: „Dieser Trittin ist unerträglich.“

„Beleidigt“, „unerträglich“, „selbstzufrieden“: Schon das Vokabular macht deutlich, dass es spätestens jetzt vorbei sein dürfte mit den meist harmonischen Polittalks der vergangenen Wochen. Da waren sich die Gäste bei außenpolitischen Themen wie der Türkei, Trumps USA und der Frankreich-Wahl noch weitgehend einig. „Morgen wird der Bundestagswahlkampf eröffnet“, meinte Ministerin Schwesig.

Bei „Anne Will“ gab es einen ersten Vorgeschmack.

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