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„Habe dieses Spiel klar verloren“: Hoeneß macht Medien für Gefängnisstrafe verantwortlich

Uli Hoeneß: Musste wegen  Steuerhinterziehung knapp zwei Jahre in Haft verbringen
Uli Hoeneß: Musste wegen Steuerhinterziehung knapp zwei Jahre in Haft verbringen Foto: dpa

Und wer ist mal wieder Schuld? Richtig: die Medien. Bei einem Dinner in Liechtenstein servierte Bayer-Präsident Uli Hoeneß eine ganz neue Sicht auf seinen Steuer-Prozess, das Urteil und seinen Gefängnisaufenthalt. So wäre er nur wegen der Medien in Haft gelandet: „Ich bin der einzige Deutsche, der Selbstanzeige gemacht hat und trotzdem im Gefängnis war. Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen.“

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Diese Einschätzung ist alleine schon deshalb erstaunlich, weil sich noch heute eine Vielzahl von Gerüchten und Mutmaßungen um den sehr kurzen Prozess und mögliche Absprachen zwischen Anklage und Verteidigung ranken.

Die Wut von Hoeneß auf die Medien ist lediglich insofern nachvollziehbar, dass es Journalisten der Nachrichtenmagazine stern und Focus mit ihren Recherchen waren, die den Fall erst publik machten, beziehungsweise den Bayern-Präsidenten dazu zwangen, sehr überhastet eine Selbstanzeige zu stellen.

Das Gala-Dinner fand unter dem Moto „meet the president“ in Vaduz statt und war als Fragestunde konzipiert. Die Teilnehmer zahlten Pro Kopf 375 Schweizer Franken. Sein Honorar spendet Hoeneß an die Bayern-Hilfe e.V. Der Blick war offenbar auch vor Ort und dokumentierte die Aussagen des Fußball-Funktionärs. So führte Hoeneß aus, dass er in diesem Spiel „klar gegen die Medien verloren“ habe. „Täglich waren 10 bis 12 Journalisten vor unserem Haus. Das wollte ich meiner Familie nicht mehr zumuten. Wir hätten ja Revision am Bundesgerichtshof machen können. Das wäre ein Jahr gegangen, dann wäre es vielleicht zurück ans Landesgericht gegangen. Dann wäre vielleicht wieder ein Jahr vergangen. So wäre ich vielleicht jetzt noch im Gefängnis.“

Der Vereinschef ist noch immer nur auf Bewährung frei. Immerhin wurde er im Jahr 2014 zu dreieinhalb Jahre verurteilt. Das Gericht legte ihm dabei die Hinterziehung von rund 28 Millionen Euro zur Last; es gab jedoch Spekulationen, dass die tatsächliche Summe auch höher gewesen sein könnte. Seinen Gefängnisaufenthalt hält Hoeneß trotzdem für falsch: „Mein wirtschaftliches Ergebnis bei der Bank Vontobel von 2001 bis 2010 war minus drei Millionen Euro. Ich habe über 40 Millionen Strafe gezahlt, inklusive 18 Millionen Zinsen und 2 Millionen Kirchensteuer. Trotzdem entschied ich mich, ins Gefängnis zu gehen. Theater gab’s nur, bis ich im Gefängnis war. Nach dem zweiten oder dritten Hausbesuch hat mich die Presse danach in Ruhe gelassen.“

Überhaupt scheint der Bayern-Boss nicht gut auf Journalisten zu sprechen zu sein. Denn auch, als es um die erste Garde der Profi-Mannschaft des FC Bayern ging, regte sich der 65-Jährige auf. So würden nur die Medien ein Theater machen, „wie wenn wir ein Altersheim hätten“.

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