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Auflage im freien Fall: Axel Springer trennt sich von Computer Bild-Chefredakteur Telzerow

Nach fünf Jahren: Die Wege von Axel Telzerow und Springer trennen sich
Nach fünf Jahren: Die Wege von Axel Telzerow und Springer trennen sich

In der Computer Bild-Gruppe von Axel Springer stehen offenbar tiefgreifende Veränderungen bevor. Nach Informationen von MEEDIA hat sich das Medienhaus von Chefredakteur Axel Telzerow getrennt. Wie ein Verlagssprecher auf Anfrage bestätigte, ist der 46-Jährige bereits freigestellt. Über eine Vertragsauflösung wird demnach verhandelt. Die Computer-Presse steht seit längerem branchenweit unter Druck.

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Wörtlich heißt es im Statement des Verlags: „Wir können bestätigen, dass Axel Telzerow freigestellt ist. Da wir uns in einem laufenden Verfahren befinden, bitten wir Sie um Verständnis, dass wir uns dazu nicht weiter äußern.“ Doch die Demission des Chefredakteurs ist nicht die einzige Maßnahme, mit der Axel Springer die kriselnde Computer-Gruppe zu retten versucht. Weiter heißt es: „Wir denken aktuell darüber nach, verschiedene Veränderungen in den Redaktionen der Computer Bild-Gruppe vorzunehmen, um der jeweiligen Marktentwicklung bei den Print- und Onlineangeboten besser gerecht zu werden. Die Überlegungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen.“

Axel Telzerow war seit Februar 2012 Chefredakteur der Computer Bild-Gruppe. Er übernahm den Job von Hans-Martin Burr. Zuvor war Telzerow stellvertretender Chefredakteur von Computer Bild. Vor seiner Zeit bei Springer war er u.a. Chefredakteur der Zeitschrift PC Praxis im Data Becker Verlag. 2014 übernahm Telzerow zusätzlich die Leitung des Online-Angebots computerbild.de. Im Mai 2016 wurde unter seiner Führung der Ableger Test Bild auf den Markt gebracht.

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Die Computer Bild hat in den jüngsten fünf Jahren fast 60% ihrer verkauften Auflage verloren. Aus 546.243 Exemplaren im ersten Quartal 2012 wurden nun 220.949. Gegenüber dem Vorjahr beträgt das Minus 19%. Auf ihrem Höhepunkt in den Jahren 1999 bis 2001 lag die verkaufte Auflage in vielen Quartalen noch über der Mio.-Marke.

 

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Alle Kommentare

  1. Die Gründe für den Niedergang sind die gleichen, die auch für andere Verlage in diesem Bereich gelten: Die Branche und als Primus vor allem die CoBi hatte zu ihren besten Zeiten Spezialisten und Fachredakteure, die über die Jahre bestimmte Themen und Kategorien betreut haben. Diese Kompetenz und nachhaltige Beobachtung von Märkten, Technologien bis hin zu den führenden Herstellern in den Bereichen wurde ersetzt.

    Damit ist Kompetenz in den Redaktionen zum Teil verloren gegangen, da nicht alle Fachredakteuere Ressort-Leiter wurden, sondern gegangen wurden. Also schreibt jedes Jahr ein anderer Freelancer oder Berufsanfänger Fachartikel und Tests.

    Die Qualität ist für Leser wie Hersteller zurückgegangen. Aber auch der Umfang der Artikel ist geschrumpft und bietet daher noch weniger Kompetenz.

    Das schlägt dann im schnelllebigen Zeitalter von YouTube und Blogger irgendwann auf die Auflage durch. Es ist nicht sexy über die CEBIT, IFA, GamesCom oder andere Events im Jahr in der nächsten Ausgabe erst zu berichten, wenn im Internet sich während der Messe die Berichte überschlagen.

    Auch die Themenauswahl bei allen Verlagen besteht aus Wiederholungen: Security & AntiSpam, Steuer, Windows-Tipps, Tests der Streaming-Dienste, Router und Bildbearbeitung lösen sich kontinuierlich ab. Apps finden nur am Rande statt. Vielleicht noch in Kombination mit Smartphone-Tests. Aber das war es dann auch schon. Das ist einfach nicht knackig genug.

  2. Bei ca. 120 Seiten, ist der gefühlte überwiegende Anteil Werbung und product replacement. Wer will das in der heutigen Zeit noch lesen. Ich jedenfalls nicht mehr und habe das ABO aufgekündigt.

  3. Alles was für den Springer Konzern Umsatz kostet kann ich nur begrüssen…der Niedergang erfreut mich. Und wenn schon Computerzeitungen nur die C`T weil der heise Verlag so ein schönes alternatives Medienformat hat wie „Telepolis“

  4. Es ist allgemein ein Unding. Man liest einen Testbericht, in dem Testbericht gewinnt ein Artikel ganz klar (obwohl jeder eigentlich weiss, das der Artikel nicht taugt).

    Kein Wunder – buchen genau diese Hersteller doch Seitenweise Werbung – so einem Kunden will man nicht vor den Kopf stoßen. Das hat schon ganz anderen Zeitschriften das Gnick gekostet.

  5. Da kommt wohl alles zusammen…

    PCs sind vom erklärungsbedürftigen, unzugänglichen Nerd-Artikel zum Alltagsgegenstand geworden – entsprechend ist das Wissen über sie weiter verbreitet. Viele Dinge, mit denen man sich früher rumschlagen mußte (Interrupts per Steckbrücke zuweisen o.ä.) haben sich durch modernere Technik erledigt. Vieles findet man heutzutage auch im Internet – im Zweifelsfalle sogar auf der CoBi-Seite. Der Markt ist gesättigt, die Zahl der Anbieter (und damit die der potentiellen Werbekunden wie Testmusterlieferanten) drastisch geschrumpft. Vor 20 Jahren gab es mindestens je ein Dutzend Sound-/Grafikkarten- und Hauptplatinenhersteller und fünf Anbieter x86-kompatibler Prozessoren. Die sind fast alle weg…

    Die zur CoBi gehörende Audio-Video-Foto-Bild ist ja noch stärker getroffen – deren Auflage schrumpfte über die Jahre auf ein Zehntel. Viele Leute halten Bluetooth-Coladosen für HiFi – und selbst, wer auf guten Klang Wert legt, braucht nur noch Lautsprecher und ’nen AV-Receiver. Cassettendeck, CD-Spieler etc. braucht keiner mehr. Entsprechend dünn ist auch hier die Zahl der Hersteller und Produkte. Bei beiden Blättern hat dem Vernehmen nach schon der Gründungs-Chefredakteur mit manchmal fragwürdigen Testmethoden und ruppigem Auftreten früh und nachhaltig potentielle Anzeigenkunden sauergefahren…

    Mit der CoBi-Beilage e-Home setzt man zwar auf den zukunftsträchtigen Smart-Home-Markt. Aber der zerfällt in eher zweifelhafte Bastel-Nachrüstlösungen mit hohem Frustpotential bei den Käufern sowie erklärungsbedürftige Installationssysteme, die der Elektriker verkauft und einrichtet.

    Zudem sehen die CoBI-Titel – wie die meisten Bild-Ableger – optisch einfach angestaubt und billig aus. Vermutlich ist das von der obersten Heeresleitung gewollt – macht’s aber nicht besser.

    Das dümmste Projekt unter Telzerow war sicher die „Testgarage“ – daß das so nicht funzt, hätte man wissen können. http://meedia.de/2015/11/26/nach-nur-vier-monaten-computer-bild-macht-us-startup-testgarage-com-dicht/

    Ironie der Geschichte – der letzte CoBi-Chef wurde nicht wegen schlechter Zahlen gefeuert, sondern weil er sich dagegen sträubte, die Titel aus Springer auszugliedern…

    Jetzt spekulieren wir mal, wie’s weitergeht: Bei Hüpfer ist ja seit ein paar Jahren Digitalstrategie das Zauberwort. Die radikale Variante wäre, das gedruckte Papier einzustampfen und nur noch Internet zu machen. Falls nicht, düfte die Audio-Video-Foto-Bild als eigenständiger Titel verschwinden. So oder so wird man bei der Gelegenheit Leute rausschmeißen, was den Akrienkurs vermutlich in die Höhe treibt…

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