Wie das Recherchebüro Correctiv das Sexleben einer AfD-Politikerin enthüllte und sich einen Shitstorm fing

Correctiv-Chef David Schraven und ein herbeifantasierter „Sexskandal“
Correctiv-Chef David Schraven und ein herbeifantasierter "Sexskandal"

In Nordrhein-Westfalen ist der Wahlkampf für die bevorstehende Landtagswahl am 14. Mai in der heißen Phase. Das als gemeinnützig anerkannte Recherchebüro Correctiv enthüllte nun kurz vor der Wahl, dass eine AD-Politikern auf der Landesliste im Internet als Hobby-Prostituierte unterwegs war und machte daraus einen "Sexskandal". Der Shitstorm kam wie bestellt aber er traf nicht die AfD-Politikern ...

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Einer der beiden Autoren des Artikels über das Sexleben der AfD-Politikerin ist immerhin Correctiv-Gründer und Geschäftsführer David Schraven. Er und seine Organisation mussten viel Kritik einstecken für die Veröffentlichung „EXKLUSIV: Spitzenfrau der AfD in Nordrhein-Westfalen arbeitete als Prostituierte“. Auch zahlreiche Journalisten äußerten sich negativ:

Bei Facebook geht es in Sachen Kritik an dem Correctiv-Text noch eine ganze Spur härter zur Sache. Der Text beschreibt detailliert, welche Dienst die AfD-Politikerin auf welchen Sex-Seiten im Internet angeboten hat. Die ursprüngliche Überschrift, die aus der Privatsache einen „Sexskandal“, machte wurde zwischenzeitlich geändert. Mittlerweile hat sich Correctiv-Chef Schraven in einem weiteren Beitrag zu der Kritik geäußert. Schraven schreibt:

Mir geht es nicht darum, eine Frau zu kritisieren, weil sie als Prostituierte gearbeitet hat. Das ist ein Job, den Leute ergreifen können oder nicht. An dem Job ist nichts Illegales oder Verwerfliches. Es geht auch nicht um die sexuellen Vorlieben der AfD-Kandidatin. Die gehen uns nichts an.

Dass er trotzdem darüber berichtet, begründet Schraven damit, dass die AfD ein Frauenbild aus den 50er Jahren durchsetzen wolle und sich gegen Gleichberechtigung und gegen die Emanzipation auch von Sexarbeiterinnen einsetze. Woher er diese Erkenntnisse hat, bleibt vorerst im Dunkeln. Immerhin hat die AfD mit Alice Weidel gerade eine bekennende homosexuelle Frau zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl gemacht, was sich nur schwer  mit einem Frauenbild aus den 50er Jahren in Deckung bringen lässt. Auch dezidierte Einlassungen von AfD-Politikern über die Emanzipation von Sexarbeiterinnen sind nicht geläufig.

Den Hauptgrund für eine Veröffentlichung des Privatlebens sieht Schraven aber darin begründet, dass die Politikern mit ihrem Intimleben nicht hausieren gegangen ist:

Aber selbst das alles wäre noch kein Skandal, wenn (Name entfernt, die Red) bei der Kandidatenkür für die AfD-Liste für den Landtag offen über ihre Sexarbeit gesprochen hätte. Wenn sie erklärt hätte, dass sie als Teilzeit-Prostituierte Geld verdient hat. Sie hat das Gegenteil getan. Sie hat genau diese Tätigkeit verschwiegen. Sie hat gesagt, sie habe eine Ausbildung als Heilpraktikerin und habe gut zehn Jahren lang für einen Versicherungskonzern im Direktvertrieb gearbeitet.

Ja, wenn sie das mal erzählt hätte! Ob Correctiv nun von jedem potenziellen Landtags- oder Bundestagskandidaten eine Schlafzimmerbeichte einfordern will? Ansonsten muss man als Politiker oder Politikern nach dieser Logik wohl damit rechnen, dass Leute wie die Correctiv-Schnüffler das Intimleben an die Öffentlichkeit zerren, sollte der öffentliche Unterhosen-Appell verweigert werden. Schraven argumentiert außerdem damit, die AfD-Frau habe sich erpressbar gemacht, indem sie ihr Intimleben „verschwiegen“ habe. Das ist stets ein beliebtes Argument für die Veröffentlichung von allerlei Intimdetails und rechtfertigt in der Logik Schravens vermutlich auch den sehr hohen Detailgrad seines Textes. Da bleibt für potenzielle Erpresser nun wirklich gar kein Spielraum mehr. Well done! (Ironie)

Aber das Argument mit der Erpressbarkeit ist fishy. Die Frau kandidiert ja nicht als Bundeskanzlerin, sondern steht auf dem zehnten Listenplatz einer rechten Partei für eine Landtagswahl. Wenn man nur genau schnüffelte, würde man womöglich auch in den Nachttischschubladen des einen oder anderen SPD oder CDU-Politikers Intimes ausgraben können, was diese „erpressbar“ machen würde. Damit das Argument der „Erpressbarkeit“ zieht, braucht es dann doch eine etwas andere Fallhöhe als diese.

David Schraven hat sich in seinem Text dafür entschuldigt, zunächst die Vokabel „Sexskandal“ verwendet zu haben. Er hätte sich besser für den ganzen Text entschuldigt und diesen offline gestellt. Das wäre die zweitbeste Möglichkeit gewesen. Die beste wäre gewesen, er hätte den Text gar nicht erst veröffentlicht. Über die Boulevardmethoden einer Bild-Zeitung braucht sich Correctiv in nächster Zeit jedenfalls nicht mehr aufzuregen.

Update: Der Name der AfD-Politikerin wurde nachträglich aus dem Text entfernt.

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Alle Kommentare

  1. (gelöscht, bitte unterlassen sie nicht nachprüfbare Beschuldigungen, Red.)

  2. Im Gegensatz zu den meisten Bankern, Medienleuten und Politikern sind Huren anständige Menschen die ihr Geld ehrlich erarbeiten.

    Wen interessiert das heute??? Wir leben nicht mehr in den 60ern Leute…

  3. Ich will mit Prostituierten, Nutten oder Pornodarstellerinnen nichts zu tun haben.
    Dennoch wähle ich AFD

  4. Wahnsinn, „wie konnte sowas nur passieren“, die Antwort ist einfach, Schraven ist Teil der, man muss es so nennen, Verschwörung von kapitalstarken Globalisten, Parteienstaat, Medien und Antifa.

    Alle internen Höcke Kritiker sollten hier genau hinsehen, es gibt tatsächlich diese Kräfte, die mit ALLEN Mitteln die einzige echte Opposition, die die Deutschland nicht preisgibt, vernichten wollen.

    Frieden ist mit diesen Leuten nie wieder möglich !

  5. Was ist denn am Frauenbild der 50er Jahre schlimm? Ja, es hat Zeiten gegeben, in denen sich deutsche Frauen den GIs prostituiert haben. Sogar Elvis hat das besungen. Damals hätte man aber gewiss nicht so indiskreten Quatsch geschrieben. Correktiv mag die Experiementierbude der WAZ Gruppe sein, aber auch dabei sind gewisse Standards einzuhalten. Wenn man Prostitution enthüllt, dann niemals mit Klarnamen. Wenn man dann noch mit Pro-Sexarbeit Geschwafel das ganze aufbuzzt, und Nebenstreitpunkte hingarniert, dann ist das nicht lustig. Dann ist es eine Schreibe, die jemanden aus den Kreisen des seriösen Journalismus verabschiedet.

    Die Schreibe von Correktiv über die AfD ist so gottverdammt schlecht, eines ums andere mal, dass man sich fragt, ob das bei Schraven Methode hat. Man denke an die „Analyse“ des Programmentwurfs Marke Clickbait Non-Sequitur. Bitte AfD Kritik, bitte, aber auf diesem Niveau geht das nicht mehr.

  6. Wie wäre es wenn David sich mit De Meziere und d.Sachsensumpf mal beschäftigt? Das nenne ich Gründe für Erpressung. Aber da sind seine Auftraggeber nicht interessiert, oder?

  7. Correctiv (Schraven) stellte sich einst im Medienausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags wortwörtlich so vor: „Wir wollen verhindern, dass die Arbeiter im Ruhrgebiet Populisten wählen“, auf die Spenden-Ströme angesprochen (Soros, ÖR, Leitmedien, parteinahe Stiftungen), ließ Schraven keine Diskussion zu – „wir sind unabhängig“ (Basta). Interessant in diesem Zusammenhang: In der Diskussion um Fake-News wollte Schraven noch nicht einmal eingestehen, dass auch die NICHT-Berichterstattung des WDR über die Kölner Silvesternacht fragwürdig war (er blaffte mich an: „fragen Sie den WDR“). Alles protokolliert. LG Joachim Paul (MdL).
    Mein Beitrag: https://www.alternative-rlp.de/internet-und-soziale-medien-correctiv-im-dienst-der-etablierten-in-medien-und-politik-kommentar
    Correctiv hat mit seiner „Recherche“ die Maske fallen lassen, was einst hoffnungsvoll stimmte, ist nun dahin. Auf die kritische Diskussion bin ich gespannt, sie freut mich.

  8. Noch schlimmer ist, dass ein von der Bundesregierung installiertes Denunziantenteam ein Schwarzbuch AfD heraus bringt. Es geht immer noch um eine legitime, demokratische Partei. Das ist so widerlich, dass es mich würgt…

  9. Dass die Geschichte mit Sex-Skandal betitelt wurde, finde ich auch problematisch, dafür hat sich Herr Schraven ja aber entschuldigt.
    Abgesehen davon finde ich es völlig gerechtfertigt, Lebensläufe von potentiellen Abgeordneten zu überprüfen und auf Unstimmigkeiten aufmerksam zu machen. Dass die AfD darüber hinaus auch noch ein veraltetes Frauenbild propagiert, finde ich nebensächlich, aber auch korrekt (das wird ja hier im Kommentar hinterfragt, kann man aber in vielen AfD-Politker Auftritten beobachten).
    Ich finde diesen Kommentar leider wesentlich skandalöser und deutlich weniger nuanciert als den bekritisierten Artikel. Unterhosen-Appell? Schlafzimmerbeichte? Correctiv-Schnüffler? Das sind doch völlig unangebrachte Begriffe, die statt sachlicher Argumente oder Logik die Leser auf die Seite des Autoren zu ziehen versuchen.
    Man kann den Correctiv Artikel ja kritisieren, aber es sollte nicht auf solcher Polemik basieren.

    1. „Abgesehen davon finde ich es völlig gerechtfertigt, Lebensläufe von potentiellen Abgeordneten zu überprüfen und auf Unstimmigkeiten aufmerksam zu machen.“

      Sie sind nichts weiter als ein kleiner Voyeur, der gerne im Privatleben anderer herumschnüffelt. Zur Info: Auch Politiker (egal welcher Partei) haben ein Recht auf Privatsphäre!

      Und es hat Sie auch gar nichts anzugehen, was ein anderer Mensch in seinem Schlafzimmer tut!

      1. Wenn es um die Verteidigung von Privatsphäre geht, bin ich ganz bei Ihnen. Wenn PolitikerInnen z.B. Tinder benutzen oder was auch immer im Schlafzimmer treiben (solange alles im legalen Bereich ist), ist das ihre Privatsache. Es geht hier aber um Arbeit und einen unehrlichen Lebenslauf.
        Ich finde auch nichts Schlimmes oder Verwerfliches an Sexarbeit. Was ich schlimm finde, ist Vertuschung. Die Politikerin hat dieses Problem selbst verursacht, indem sie einen halbwahren Lebenslauf veröffentlicht hat. Es ist mir auch völlig gleichgültig, ob diese Peron nun der AfD angehört oder irgendeiner anderen Partei. Bei allen potentiellen Abgeordneten sollte von JournalistInnen überprüft werden, ob die Angaben, die sie machen, korrekt sind. PolitikerInnen verheimlichen ja auch gerne mal das ein oder andere in ihren Finanzoffenlegungserklärungen. Das sollte meiner Ansicht nach auch öfter untersucht werden. Das hat nichts mit Voyeurismus zu tun.

  10. „Immerhin hat die AfD mit Alice Weidel gerade eine bekennende homosexuelle Frau zur Spitzenkandidatin… was sich nur schwer mit einem Frauenbild aus den 50er Jahren in Deckung bringen lässt.“

    Falsches Beispiel. Alice Weidel kann bis heute nicht erklären, wie sie ihren beiden Kindern mal beibringt, dass sie einer Partei dient, die ihr eigenes Familienkonstrukt nicht als Familie bezeichnet wissen will und die sämtliche staatliche Förderungen dieses Konstruktes sowie alle Aufklärungsmaßnahmen beenden will.

  11. Eine ganz miese Nummer des angeblich „ersten gemeinnützigen Rechercheteams in Deutschland“, kurz vor der wichtigen NRW-Wahl eine AfD-Spitzenfrau zu outen. Das vom US-Milliardär gesponserte Team recherchiert selbstverständlich ganz gemeinnützig, aber nicht bei den Mächtigen und Etablierten im Land, sondern nur einer kleinen Oppositionspartei, so wie die DDR-Medien früher gegen die Opposition agitierten. Eine Schande für die Presse, die diesen correctiv-Müll auch noch übernimmt.

  12. [*quote*]
    Aber das Argument mit der Erpressbarkeit ist fishy. Die Frau kandidiert ja nicht als Bundeskanzlerin, sondern steht auf dem zehnten Listenplatz einer rechten Partei für eine Landtagswahl. Wenn man nur genau schnüffelte, würde man womöglich auch in den Nachttischschubladen des einen oder anderen SPD oder CDU-Politikers Intimes ausgraben können, was diese „erpressbar“ machen würde. Damit das Argument der „Erpressbarkeit“ zieht, braucht es dann doch eine etwas andere Fallhöhe als diese.
    [*/quote*]

    Warum denn nicht graben? Es sind nicht alle Politiker gekauft oder einfach nur dumm. Nein, manche werden erpreßt.

  13. Niemand kann sich entschuldigen!

    Man kann nur den Geschädigten *** um Entschuldigung bitten ***.

    Das ist etwas komplett anderes und sollte endlich in die Köpfe der Täter, wie z.B. dieser kollektivistischen Menschen-Verfollger und Heuchler aber auch der Journaille, die so einen Unsinn schreibt.

  14. Dem linken Moralpöbel ist eben jedes Mittel recht zur Bekämpfung demokratischer Kräfte …

  15. Schön, dass man das kommentieren kann.

    Also, dass die AfD frauenfeindlich ist, davon lässt ja der Eine oder Andere (auch im Privaten) nicht ab. Dass die Vorsitzende eine Frau ist: Geschenkt. Und das die AfD angeblich nur einfache Lösungen anbieten: Auch geschenkt. Dabei weiß doch jeder Hobbyhandwerker schon, warum kompliziert, wenn es auch einfach geht. Und das man Grenzen nicht sichern kann (außer durch einen Schießbefehl, s. den Intelligenzbolzen vom Mannheimer Morgen), davon lässt man ja offenbar auch nicht ab. Dass das selbst die Balkenstaaten geschafft haben: Geschenkt. Und dass ein deutscher Oberleutnant offenbar rechtsradikal ist (Beweis ein eingraviertes Hakenkreuz) ist ja offenbar auch wesentlich wichtiger als die Tatsache, dass das Bamf selbst einen Deutschen als Asylbewerber anerkennt und ihm das Recht auf Familiennachzug zubilligt. Ist er eigentlich der einzige Asylbewerber mit einer Doppelidentität? Egal, oder?

    Na ja, heute ist ja der Tag der Pressefreiheit. Man lobt sich mal wieder für unabhängige, gründlich recherchierte Fakten. tatsächlich sind die Widersprüche derart offensichtlich, dass man das zahlende Publikum schon für sehr blöd halten muss. Oder man ist selbst nicht der Hellste.

  16. Schöner Kommentar zu der ganzen Geschichte, Herr Winterbauer.

  17. „Dass er trotzdem darüber berichtet, begründet Schraven damit, dass die AfD ein Frauenbild aus den 50er Jahren durchsetzen wolle und sich gegen Gleichberechtigung und gegen die Emanzipation auch von Sexarbeiterinnen einsetze. Woher er diese Erkenntnisse hat, bleibt vorerst im Dunkeln. “

    Das hätte man in der Tat mit Quellen belegen können. Die gibt’s ja, z.B. das Wahlprogramm des noch vergleichsweise „gemäßigten“ AfD-Landesverbandes Berlin: „Die AfD fordert eine Ausweitung des Sperrgebiets für die legale öffentliche Prostitution auf ganz Berlin“.

    Generell stellt die AfD aber das Thema Prostitution im Moment nicht ganz so weit nach vorne ubd hängt es nicht so an die große Glocke. Das zöge auch nicht, denn die bigotte „konservative“ Wählerschaft dürfte wohl zu den besten Kunden des Gewerbes gehören.

    1. Dann schau mal wer alles ein Frauenbild aus den 50er Jahren durchsetzen will und sich gegen Gleichberechtigung und gegen die Emanzipation auch von Sexarbeiterinnen einsetzt:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Appell_gegen_Prostitution
      u.a. Alice Schwarzer, Maria Böhmer, Margot Kässmann, die sechs Bundessprecherinnen der kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen, Rita Süssmuth und viele, viele mehr…
      Das sind dann wohl alles AfD Unterstützer.

      1. Da gibt es ja noch einige Recherchearbeit für Correctiv, ob nicht einige der Damen irgendeine Art von Sex hatten, die Herr Schraven nicht ok findet.

    2. Die Forderung der AfD Berlin bezieht sich ausschließlich auf die Straßenprostitution. Das steht so auch explizit im Programm drin.

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