#trending: Anthony Joshuas Kampf gegen Klitschko, Thomas de Maizières Kampf für eine „Leitkultur“ und Jörg Meuthens Kampf gegen Satire

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Guten Morgen! Was schert mich mein Geschwätz von gestern? Jörg Meuthen hat seine Meinung zu Satire am Wochenende komplett geändert. Diesmal geht es auch nicht gegen Erdogan, sondern gegen die AfD. Mit Anthony Joshua hat Wladimir Klitschko gegen einen Social-Media-Star verloren - und Thomas de Maizière sorgte mit seinen zehn "Leitkultur"-Thesen für hitzige Diskussionen. Willkommen in einer neuen #trending-Woche.

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#trending // News & Themen

Eins der Top-Themen des langen Wochenendes war der spektakuläre Boxkampf zwischen Anthony Joshua und Wladimir Klitschko. Der Fight, der Klitschkos Karriere beendet haben könnte – und auch RTLs Box-Ära – beschäftigte das Netz. Der Kampfbericht von Bild war im deutschsprachigen Raum der Artikel mit den meisten Interaktionen am gesamten Samstag: über 15.000. Nachberichte punkteten noch am Sonntag und Montag. Zum Beispiel das Porträt von sport1 mit der Headline „Wird Joshua jetzt der erste Box-Milliardär?„.

Auch in den sozialen Netzwerken gewann Joshua den Kampf. Sein Facebook-Post „I respect anyone that steps in the ring #AJBoxing“ sammelte 133.000 Likes, Reactions, Shares und Kommentare ein, Klitschkos populärster Post kam nur auf 73.000. Bei Instagram ist Joshua ohnehin deutlich erfolgreicher, hier holte er mit einem kurzen Video nach dem Fight 3,3 Mio. Views und 643.000 Likes. Spannend auch, wer Joshua gratulierte: Arnold Schwarzenegger, der auch am Ring saß, Gareth Bale, Lewis Hamilton und Rio Ferdinand holten zehntausende Reaktionen bei Facebook.

‪Onto the next one 🌎#AJBoxing ‬

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#trending // Social Web

Ein typischer Social-Media-Aufreger waren die zehn Thesen des Bundesinnenministers Thomas de Maizière zum Thema „Leitkultur“. Die Meinungen dazu waren vielfältig, die Kritik aber überwog. Die AfD beklagte z.B., dass die CDU bei ihr abschreibe, in einem erfolgreichen Post der Facebook-Seite „Hooligans gegen Satzbau„, die im Übrigen über mehr Pagelikes verfügt als die CDU, hieß es hingegen: „Wir sind Menschen mit einer je eigenen Geschichte, mit eigenem Päckchen, welches wir tragen. Wir akzeptieren uns, und wir halten uns an die hier geltenden Gesetze. Ist nicht das, die wirkliche leitende Kultur? Die, die in einem selbst steckt, und die wir gerne weitertragen und -leben wollen. Jeder für sich, mit anderen zusammen.“

Hitzig diskutiert wurde über die Grüne Jugend, die de Maizières Beitrag u.a. mit den Worten kommentierte „Vaterlandsstolz ist gefährlich. Auch das ist eine Lehre, die wir aus der Geschichte ziehen.“ Und: „Statt eine fiktive, ausgrenzende ‚Leitkultur‘ zu beschwören, sollten wir demokratisches Miteinander stärken. Den entsprechenden Welt-Artikel reichten neben der Grünen Jugend vor allem AfD-Ortsvereine herum – aus natürlich völlig unterschiedlichen Beweggründen. Am erfolgreichsten mit dem Thema „Leitkultur“ war auf Facebook aber der Cartoonist Ralph Ruthe: Sätze wie „Der Punkt ist doch: solange sich Leute an in Deutschland geltende Gesetze halten, wüsste ich nicht, wieso sie nicht in Deutschland leben sollten. Alle haben sich an das Grundgesetz zu halten – egal ob Flüchtling, Börsenmakler, Waffenproduzent oder Fußball-Manager. Wann wird DAS eigentlich mal ‚Leitkultur‘?“ sorgten für 12.000 Interaktionen.

#trending // Wahljahr 2017

Apropos AfD. Die legt sich derzeit mit dem Satiriker Christian Ehring an. In einem 5:28 Minuten langen Beitrag für „extra 3“ kommentierte Ehring u.a. den Satz der neuen AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel „Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte“ mit den Worten „Jawoll. Schluss mit der politischen Korrektheit, lasst uns alle unkorrekt sein. Da hat die Nazi-Schlampe doch recht.“ Laut Spiegel Online „erwägt“ die AfD nun Klage gegen Ehring.

Spannend dabei: AfD-Vorsitzender Jörg Meuthen. Der hatte in der Affäre Böhmermann vs. Erdogan noch per Pressemitteilung verlautbaren lassen: „Satire, so fragwürdig sie auch sein mag, zur Strafverfolgung freizugeben, ist ein Anschlag auf die Freiheit, die Europa auszeichnet.“ Nun, im Fall Ehring vs. Weidel klingt das plötzlich ganz anders: „Allerdings ist beileibe nicht alles, was in einer Satiresendung gesagt wird, auch wirklich Satire. Manches ist der blanke Hass.“ Und: „Der Norddeutsche ROTfunk als Mitglied der ARD sollte sich schämen, einen solchen Hetzer in seinen Reihen zu haben und großzügig mit Geldern zu alimentieren, die den Bürgern per GEZ-Zwangsgebühr – pardon, schimpft sich ja jetzt „Demokratieabgabe“ – abgepresst werden. Auf welches sittliche Niveau hat sich dieses Staatsfernsehen mittlerweile nur begeben?“ Abgesehen von Meuthens üblichem Angriff auf ARD und ZDF mit der üblichen unterirdischen Sprache bleibt aus Sicht der AfD wohl nur eine Folgerung aus den Fällen Böhmermann und Ehring: Was Satire ist, bestimmen immer noch wir!

#trending // Entertainment

Wer dieser Tage in die Amazon-Buch-Bestsellerliste blickt, könnte sich wundern: Ein Buch aus dem Jahr 2012 auf Platz 1? Wie kommt das dahin? Es geht um „Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher. Den Hintergrund hat MEEDIA schon in der vergangenen Woche aufgeschrieben. „Tote Mädchen lügen nicht“ – im Original „12 Reasons Why“ wurde von Netflix verfilmt und sorgt nun für viele Debatten. Im Buch und der Serie geht es um den Suizid einer 13-Jährigen. Die vielen Berichte und Warnungen von Behörden vor dem Stoff haben nun offenbar zum Gegenteil geführt: zu Neugier, die sogar ein über vier Jahre altes Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste bringt.

#trending // Worldwide

In den USA hieß der Star des Wochenendes Hasan Minhaj. Der „Daily Show“-Korrespondent sprach 25 Minuten lang beim „White House Correspondents‘ Dinner“, dem der Chef des Weißen Hauses ja bekanntlich fern blieb. Die komplette Rede sammelte allein auf der Facebook-Seite von CNN 11 Millionen Abrufe und über 360.000 Interaktionen ein. Wer keine 25 Minuten Zeit hat, sollte sich zumindest die eindrucksvollen und teilweise sehr ernsten drei Minuten anschauen, in denen Minhaj u.a. sagt: „Only in America can a first generation Indian-American Muslim kid get on this stage and make fun of the President — the orange man behind the Muslim ban“.

“Only in America can a first generation Indian-American Muslim kid get on this stage and make fun of the President — the…

Posted by CNN on Samstag, 29. April 2017

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Der Postillon – „Als Flüchtling registrierter Bundeswehrsoldat Franco A. wird nach Syrien abgeschoben“ (20.400 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Welt – „Vaterlandsstolz ist gefährlich, Leitkultur fiktiv“ (1.600 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung – „Das Brexit-Dinner

Google-Suchbegriff: 12 Years a Slave (100.000+ Suchen)

Wikipedia-Seite: Erster Mai (41.800 Views)

Youtube-Video: Come And Play – „Learn Colors Play Doh Balls Ice Cream Pororo Disney Frozen Mickey Mouse Paw Patrol Surprise Toys

Song (Spotify): Luis Fonsi – „Despacito – Remix“ (461.200 Stream-Abrufe aus Deutschland am Sonntag)

Musik (Amazon): Helene Fischer – „Helene Fischer“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „Rogue One – A Star Wars Story“ (Blu-ray)

Game (Amazon): „Mario Kart 8 Deluxe“ (Nintendo Switch)

Buch (Amazon): Jay Asher – „Tote Mädchen lügen nicht“ (Taschenbuch)

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Alle Kommentare

  1. Also, „Nazi-Schlampe“ sehe ich als üble Beleidigung unter dem Deckmantel der Satire. Satire sollte nicht alles dürfen.

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