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Hölle-Preis für die Süddeutsche Zeitung: Freischreiber kritisiert „Enteignung“ freier Autoren

Freischreiber-Vorsitzender Benno Stieber: Hölle-Preis 2017 für die SZ
Freischreiber-Vorsitzender Benno Stieber: Hölle-Preis 2017 für die SZ

Den Negativ-Preis der Branche hat der Freischreiber-Vorstand in diesem Jahr an die Süddeutsche Zeitung vergeben. Hintergrund: Seit Jahresanfang gibt die SZ Texte ihrer freien Autoren an den Schweizer Tagesanzeiger weiter, ohne die Autoren dafür zusätzlich zu honorieren. Damit werden freie Autoren schlichtweg enteignet, so die Kritik. Den Himmel-Preis erhielt SZ-Verlagserbe Konrad Schwingenstein.

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Der frühere Vorsitzende von Freischreiber, Benno Stieber, sagte in seiner „Laudatio“ an die SZ: „So viel Kaltschnäuzigkeit hat den Hölle-Preis wahrlich verdient. Vielleicht findet sich auch ein mutiger betroffener Autor, der gegen diese Bedingungen klagt. Ich denke, Freischreiber würde das unterstützen.“

Der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung hatte schon vor der Preisverleihung nach Angaben der Freischreiber deutlich gemacht, dass auch ein Hölle-Preis nichts an den Vertragsbedingungen ändern werde – die Regelung würde auf keinen Fall rückgängig. SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach blieb der Preisverleihung fern.

Wie auch schon im Vorjahr wurde mit dem Himmel-Preis keine Redaktion, sondern eine Einzelperson bedacht. Der Preisträger in diesem Jahr war der Süddeutsche-Verlagserbe und Mäzen Konrad Schwingenstein. Schwingenstein investiert seit Jahren in Projekte, die den digitalen Journalismus vorantreiben. Zuerst gründete er Torial, eine Plattform, auf der sich freie Medienleute ein Profil erstellen können. Dann folgte die Torial Academy, die neben Workshops einen Debattenraum für den Journalismus der Zukunft anbietet sowie Piqd als Plattform für handverlesenen Journalismus. „Konrad Schwingenstein schafft mit seinen Investitionen eine lesens- und schreibenswerte Zukunft“, so Vorstandsmitglied Katharina Jakob.

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Nominiert für den Himmel-Preis war neben Schwingenstein auch die Verlegerin Sandra Uschtrin. Anwärter auf den Hölle-Preis gab es gleich fünf: Die dpa wegen miserabler Honorare, Travel House Media für Bettelbriefe an Autoren, der Verlegerverband BDZV für die Kündigung der gemeinsamen Vergütungsregeln kurz vor in Kraft treten des Verbandsklagerechts und Der Freitag für den Umgang mit der freien Journalistin Petra Reski.

Bei seinem Jahrestreffen in Frankfurt wählte Freischreiber auch einen neuen Vorstand. Der Vorsitzende Benno Stieber, der dem Vorstand seit der Gründung vor neun Jahren angehört hatte, trat nicht mehr an. Carola Dorner, freie Journalistin aus Berlin, wurde zu seiner Nachfolgerin gewählt. Der Verband hat rund 700 Mitglieder.

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