Anzeige

Wettstreit der Karrierenetzwerke: Wie LinkedIn in Deutschland mehr Nutzer anlocken will

Jörg Bueroße ist Redaktionsleiter bei LinkedIn
Jörg Bueroße ist Redaktionsleiter bei LinkedIn

Xing gegen LinkedIn - in Deutschland herrscht ein scharfer Wettbewerb der beiden Karriere-Netzwerke um neue Mitglieder. Das zum US-Multi Microsoft gehörende Angebot LinkedIn will zur Wissensplattform werden, um auch mit Themen jenseits von Job und Karriere mehr Aufmerksamkeit von Nutzern zu bekommen. Dafür sorgt seit Herbst vergangenen Jahres der Redaktionsleiter und ehemalige Focus Digital-Vorstandschef Jörg Bueroße. Der Journalist will daher die bislang zweiköpfige Redaktion in diesem Jahr personell verstärken.

Anzeige
Anzeige

Erst das zur Burda gehörende Karrierenetzwerk Xing, jetzt auch der Wettbewerber LinkedIn. „Wir überlegen derzeit, einen Video-Talk mit hochkarätigen Influencern und Wirtschaftsgrößen aufzubauen, analog zu unseren Aktivitäten in den USA. Ob und wann das Format kommt, ist aber noch nicht entschieden“, sagt Jörg Bueroße, Redaktionsleiter des zu Microsoft gehörenden Jobnetzwerks LinkedIn. Erst gestern hatte die Xing Klartext-Chefredakteurin Jennifer Lachman ihr neues Bewegbild-Format gestartet. Jetzt könnte bald LinkedIn folgen.

Xing gegen LinkedIn – beide Karrierenetzwerke kämpfen seit Jahren darum, neue Mitglieder zu gewinnen. Noch liegt Xing mit zwölf Millionen Mitgliedern hierzulande klar in Führung. Doch LinkedIn greift an. „Wir zählen in der Region Deutschland, Schweiz und Österreich 9 Millionen Mitglieder und unsere Mitgliederzahl wächst stetig“, betont Bueroße. Xing versucht vor allem mit ausgewählten Texten namhafter Autoren Debatten rund um Beruf und Karriere anzustoßen, die Mitglieder interessieren könnten. Der US-Konkurrent LinkedIn schlägt hierzulande einen anderen Weg ein. Er regt seine Nutzer an, eigene Blogbeträge zu verfassen. Zur Themenwahl stehen fünf Kanäle: darunter Technik und Internet, Unternehmen und Märkte, Job und Karriere sowie Marketing und Verkauf. Dahinter steht eine klare Strategie: „LinkedIn wandelt sich zu einer Wissensplattform. Mitglieder im deutschsprachigen Raum nutzen das Karrierenetzwerk nicht nur dazu, um einen neuen Job zu finden. Es soll ihnen auch dazu dienen, um relevante Informationen für ihr Geschäft, neue Märkte und Business-Partner zu finden“, sagt Bueroße. Diese Strategie treibt LinkedIn hierzulande seit Mitte 2016 voran. Damals hatte das Unternehmen seine Pläne für die Publishing-Plattform vorgestellt.

Treiber dieser Entwicklung ist Bueroße. Er ist seit Herbst vergangenen Jahres Redaktionsleiter von LinkedIn für die deutschsprachigen Märkte. Der 56-Jährige ist im Mediengeschäft kein Unbekannter. Er war Vorstandschef der Focus Digital AG, beriet Bild Digital als Produktmanager und war Geschäftsführer bei Giga Digital Television. An seiner Seite bei LinkedIn steht Sara Weber, die sich früher als freie Autorin bei Brand Eins, Deutschlandradio, Spiegel, Zeit und Süddeutscher Zeitung einen Namen gemacht hat. Noch besteht die Redaktion aus nur zwei Mitgliedern. In diesem Jahr soll sie jedoch personell verstärkt werden. Bislang reicht das zweiköpfige Team aus, um die Blogbeiträge der Nutzer aufzuwerten. Dabei geben die beiden Profi-Schreiber den Mitgliedern Tipps, wie ihre Artikel leserfreundlicher werden: Dazu zählen mal knackige Überschrift, mal ein prägnanterer Einstieg oder mehr Meinungsstärke, um die nicht journalistischen Stücke für das LinkedIn-Publikum aufzupeppen. „Wir redigieren keine Beiträge unserer Mitglieder, wir helfen ihnen lediglich, sie lesbarer zu machen oder unterstützen sie bei der Bildauswahl“, beschreibt Bueroße seine Arbeit. Besonders gute Artikel wandern in die „Favoriten der Redaktion“ – und erhalten hierdurch im Netzwerk mehr Aufmerksamkeit, denn darum buhlen auch die Nutzer. Sie wollen stärker auffallen, um einen Job zu bekommen oder um über einen Wechsel des Arbeitgebers die Karriereleiter aufzusteigen.

Anzeige

Um das Angebot für die Nutzer attraktiver zu machen, schreiben auch hochkarätige Industriekapitäne oder Politiker Beiträge für LinkedIn – und zwar kostenlos. Dazu gehören in den USA die gescheiterte Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton oder der britische Milliardär Richard Branson. Auch im deutschsprachigen Raum haben sich mittlerweile zwölf hochkarätige Autoren versammelt – der jüngste Zugang: Dieter Zetsche. Der Daimler-Chef veröffentlichte erst vor wenigen Tagen seinen ersten Beitrag. Thema: Wie 3-D-Karten das autonome Fahren beeinflussen. Vor allem stehen jedoch Recruiting-Themen auf der Agenda – beispielsweise aus der Feder von Personalvorständen großer börsennotierter Industriekonzerne. Doch für die Top-Elite der deutschen Industrie ist die Arbeit nicht selbstlos. Sie werben hierdurch auch indirekt für ihr Unternehmen, um geeignete Jobanwärter für wichtige Positionen anzulocken.

Finanziert wird LinkedIn vor allem über den Verkauf von Anwerbe-Lösungen an Unternehmen. „Wir erzielen rund 80 Prozent unserer Umsätze mit Marketing- und Rekrutinglösungen, dass wir Firmen den Zugriff auf unsere Nutzerprofile ermöglichen. Sie haben dadurch die Chance, gezielt Personal zu suchen“, erklärt Bueroße. Die Leistung nehmen derzeit 29 der 30 DAX-Konzerne in Anspruch, ebenso aber auch viele namhafte Mittelständler wie Carl Zeiss, die Hager Group oder Red Bull. Weitere Erlösquellen sind unter anderem Marketing Solutions sowie das im Dezember vergangenen Jahres eingeführte On-Demand-Weiterbildungsangebot LinkedIn Learning. Doch um den Verkauf von Produkten bei LinkedIn muss sich Bueroße nicht kümmern. „Die Redaktion – und das habe ich in meinem ganzen Berufsleben nicht erlebt – ist völlig unabhängig vom Sales-Bereich. Als Redaktionsleiter muss ich mir keine Sorgen machen, ob genügend Anzeigen geschaltet werden. Denn wir verkaufen keine Werbung.“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*