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Neue Thomas Gottschalk-Talentshow „Little Big Stars“ bei Sat.1: die verhunzte Kinderüberraschung

Wieder eine Abend-Show, wieder mit Sofa, jetzt aber bei Sat.1: Showmaster Thomas Gottschalk ist zurück.
Wieder eine Abend-Show, wieder mit Sofa, jetzt aber bei Sat.1: Showmaster Thomas Gottschalk ist zurück.

Nach eher mäßigen Einschaltquoten bei der ARD und RTL hat nun Sat.1 dem immer wiederkehrenden TV-Entertainer mit "Little Big Stars" eine neue Sonntagabend-Show spendiert. Leider wird Thomas Gottschalks Suche nach talentierten Kindern, losgelöst vom Show-Konzept von Siegerehrung und Jury-Meinung, als Paradebeispiel für eine verhunzte Postproduktion in die Geschichte eingehen.

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„Muss das sein?“, fragte Thomas Gottschalk die versammelten Journalisten bei der Programmpräsentation von „Little Big Stars“ in Berlin, um die wichtigste Frage gleich vorweg zu nehmen. Seine Antwort, natürlich: ja. Auch, oder vor allem, weil „Little Big Stars“ keine Show im herkömmlichen Sinne sei – es geht um die Kinder und ihre Leidenschaft, losgelöst vom vielleicht abgehangenen Konzept um Wettbewerb und Jury-Meinung. „Hauptsache, es macht Spaß“, so Gottschalk. Da wollte und muste der herbstblonde Entertainer vom Dienst noch mal ran, mit inzwischen 66 Jahren und zuletzt so einigen Flops auf dem Show-Konto. Seine zu erörternde Frage laute daher: „Reicht das noch für den Einschaltimpuls?“

Diese Frage lässt sich eigentlich mit einem klaren „ja“ beantworten – nur: der Abschaltimpuls ist stärker. Die erste von drei „Little Big Stars“-Ausgaben dürfte als Paradebeispiel für verhunzte Postproduktionen in die Showgeschichte eingehen. Willkürliche Schnitte, offenbar eingespielte Lachsalven und demonstrativ gekünstelte Dialoge – die „größte Entertainment-Show sei ‚The Voice'“, so Sat.1-Senderchef Kaspar Pflüger bei der Programmpräsentation, war viel mehr eine konstruierte Kinderüberraschung.

Das ist nicht nur schade, weil der immer wiederkehrende TV-Entertainer Thomas Gottschalk tatsächlich eine gute Performance hingelegt hat. Sondern auch oder vor allem, weil Sender Sat.1 das vielversprechende Show-Konzept der erfolgreichen US-Vorlage „Little Big Shots“ fahrlässig verspielt hat. Zwar löst sich auch „Little Big Stars“ vom Korsett um Jury-Meinung und Siegerehrung, vertraut aber offenbar nicht vollkommen auf die Live-Qualitäten eines Thomas Gottschalk: Die Plaudereien auf der Gäste-Couch sind unterhaltsam, aber so arg gekünstelt, das es unangenehm ist. Etwa, wenn der fünfjährige Ali fragt, ob Gottschalk Gummibärchen habe. Es ist davon auszugehen, dass der Knirps weder die Naschschüssel von „Wetten, dass..?“ noch Gottschalk als Haribo-Testimonial kennt – zumal das Werbe-Engagement im Jahr 2014 endete. Oder wenn sich Ceyda auf die Couchlehne setzt und den großen TV-Entertainer „spontan“ interviewt, weil sie auch irgendwann mal ins Fernsehen gehen will. Die Lacher zu den konstruierten Pointen wirken wie eingespielt, die willkürlichen Schnitte machen eine Dramaturgie unmöglich und verknappen die Show zu einem einzigen Nacheinander – die Postproduktion hat im Netz sogar für scharfe Kritik und Mitleid für Gottschalk und den Kids gesorgt.

Dabei sind die talentierten Kids – von einem Zahlen-Genie über eine Kunstrad-Artistin bis zum Insekten-Gourmet – grundsympathisch und unterhaltsam. Thomas Gottschalk nimmt sich ungewohnt zurück, lässt die Kids mit ihrem unschuldigen und unverfrorenen Auftreten und ihrem Können glänzen. Leider bürstet die vorgetäuschte Live-Situation, die sowohl für die Kids als auch für Gottschalk elementar sind, fatal gegen den Show-Anspruch, ungekünstelt zu sein. Das unterstreicht auch Angelina Jordan Astar aus Norwegen. Zwar gelingt der Show-Kniff, dass ein Kind als Dolmetscher für den Couch-Talk einspringt – doch die Siegerin des norwegischen „Supertalent“ (2014) als überraschendes Gesangswunder zu präsentieren, eher nicht.

Was wohl als gediegene Sonntagabendunterhaltung geplant war, ist somit zu einer Scripted-Reality-Show verkommen. Zwar hatten die „Little Big Stars“ mit der Free-TV-Premiere von „50 Shades of Grey“ bei RTL oder dem ARD-„Tatort“ eine starke Konkurrenz. Doch dürften die enttäuschenden Quoten auch auf einen anderen Umstand zurückzuführen sein: „Little Big Stars“ ist eine Show, die eigentlich perfekt für einen gemeinsamen Fernsehabend von Eltern mit ihren Kindern geeignet ist – um 22.30 Uhr, wenn die Show zu Ende ist, liegen die Kids aber hoffentlich schon im Bett. Man könnte es den Eltern nicht verübeln, wenn sie es ihren Kids gleichtun.

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