Facebook-Kooperation: Auch der Guardian steigt bei Instant Articles aus

Das Guardian-Gebäude in London
Das Guardian-Gebäude in London

Die Enttäuschung über das uneingelöste Versprechen der Instant Articles geht weiter: Nach der New York Times, Cosmopolitan, Forbes und Quartz zieht nun auch die britische Traditionszeitung The Guardian bei der Facebook-Kooperation den Stecker. Wie die Marketing-Publikation Digiday berichtet, hat der Guardian sein Experiment mit dem schnellladenden Artikelformat beim weltgrößten sozialen Netzwerk wegen Erfolglosigkeit beendet. Auch bei Apple News fließen künftig keine Artikel mehr vom Guardian ein.

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Bereits bei der Verkündung des neuen Artikelformats auf Facebook vor zwei Jahren war der Aufschrei groß: Was hatten Verlage eigentlich von den Instant Articles, außer dass ihre Leser in den sozialen Netzwerken schneller Zugriff auf die Artikel hatten, dabei aber direkt im Facebook-Universum blieben?

Verlage erhofften sich zum Start vor knapp zwei Jahren höhere Reichweiten und Werbeeinnahmen, Facebook eine höhere Verweildauer. Scheinbar großzügig überließ Facebook Medienanbietern die kompletten Werbeeinnahmen – falls sie die Anzeigen selbst akquiriert hatten; im Fall einer Werbevermarktung über den drittwertvollsten Internetkonzern der Welt blieb eine Gebühr von 30 Prozent bei Facebook hängen.

Instant Articles: New York Times, Cosmopolitan, Forbes und Quartz schon wieder auf Rückzug

Doch die Rechnung geht offenbar nicht auf. Ausgerechnet mit der New York Times verabschiedete sich vor einigen Wochen ein Prestigepartner, der zum Launch dabei war. So hatte die New York Times zunächst angefangen, ihr Instant-Articles-Engagement zurückzufahren und nun gar komplett gestoppt.

Man habe erkannt, dass die Monetarsierung der eigenen Mobil-Seite mehr bringe, erklärte Kinsey Wilson, Produkt- und Technologiechef  der New York Times, den Rückzug, dem andere Verlage folgten. Auch Cosmopolitan, Forbes und Quartz haben sich  aus finanziellen Gründen wieder aus Instant Articles zurückgezogen, berichtete Digiday vor einer Woche.

Auch The Guardian zieht sich bei Instant Articles und Apple News zurück

Und die Liste der Instant Article-Verweigerer wird um einen prominenten Abgang größer. Wie die amerikanische Marketing-Publikation am Wochenende berichtete, hat nun auch The Guardian, der im vergangenen Jahr noch jeden Artikel auf Facebook über Instant Articles publiziert hatte, sowohl beim Facebook-Format als auch Apple News den Stecker gezogen.

„Wir haben umfangreiche Versuche mit Facebooks Instant Articles und Apple News durchgeführt, um zu erwägen, wie gut sie zu unseren  journalistischen und geschäftlichen Zielen passen. Nach der Auswertung haben wir uns dazu entschieden, unsere Artikel-Veröffentlichungen auf beiden Plattformen zu stoppen“, teilte ein Guardian-Sprecher gegenüber DigiDay mit.

Vielmehr bestehe das Ziel, Leser in das „vertraute Umfeld“ des Guardian zu bringen, um so eine tiefere Bindung zum Leser aufbauen, erteilte die 196 Jahre alte britische Tageszeitung dem Lesertransfer zu Facebook eine deutliche Absage.

FAZ-Digitalchef von Blumencron: „Instant Articles bringen leider kaum zusätzlichen Traffic und schon gar kein Geld“

Für FAZ-Digitalchef Mathias Müller von Blumencron ist der Rückzug des Gurdian von Instant Articles unterdessen keine Überraschung:  „Instant Articles an den Konzern zu verschenken, macht schlicht keinen Sinn“, twitterte von Blumencron. „Instant Articles bringen leider kaum zusätzlichen Traffic und schon gar kein Geld.“

Unisono hatte sich der 56-Jährige vor wenigen Wochen gegenüber MEEDIA geäußert: „Wir machen mit Instant Articles derzeit nur Facebook noch interessanter – und daran haben wir verständlicherweise kein ausgeprägtes Interesse. Es ist nicht unsere Aufgabe und auch nicht unser Interesse, den Börsenwert von Facebook zu steigern und damit das Vermögen von Mark Zuckerberg und seinen Leuten“, erklärte der FAZ-Digitalchef im Februar.

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