Corinna Schumacher scheitert vor Gericht mit Geldentschädigungs-Klage gegen Funke-Magazin die aktuelle

Lebten jahrelang in der Öffentlichkeit: Corinna und Michael Schumacher
Lebten jahrelang in der Öffentlichkeit: Corinna und Michael Schumacher

2015 berichtete Funkes Klatschtitel die aktuelle über eine neue Liebe im Hause Schumacher und zeigte auf dem Cover Corinna Schumacher, Ehefrau des Ex-Formel-1-Stars Michael. Protagonistin der Geschichte aber war nicht sie, sondern Tochter Gina Maria. Mutter Corinna klagte vor dem Landgericht Hamburg, forderte 50.000 Geldentschädigung – und verlor. Der Zeitschrift drohen aber weitere Zahlungen.

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„Corinna Schumacher – eine neue Liebe macht sie glücklich.“ So lautete im August 2015 die Titel-Überschrift des Regenbogenblattes die aktuelle. Passend zur Zeile druckte die Funke-Zeitschrift ein Foto der Ehefrau von Ex-Formel-1-Star Michael Schumacher. Das Foto, aufgenommen im Sonnenschein, zeigte sie lächelnd. Hat sich Corinna von ihrem Mann, der sich bei einem Ski-Unfall 2013 schwer verletzte und dessen Gesundheitszustand seitdem unklar ist, getrennt und einen neuen Mann gefunden?

Nein, hat sie nicht. Obwohl die Zeitschrift Corinna auf den Titel druckte, war mit der neuen Liebe nicht sie gemeint, sondern auf Tochter Gina. Weil sie einen neuen Freund gefunden habe, sei Mutter Corinna so glücklich. Das hatte die aktuelle auf ihrem Titel auch angedeutet – mehr oder weniger.

In der rechten Spalte der Titelseite, wo andere Themen aus dem Heft angeteasert werden, zeigte die Redaktion das Foto eines Reiters auf seinem Pferd. Daneben stand: „Ihre Tochter hat ihn beim Reiten kennengelernt.“

Dass diese Art des Blattmachens juristisch nicht unbedingt sattelfest ist, war auch dem Verlag bewusst. Als Corinna nach Erscheinen der Ausgabe zur Unterlassung aufforderte, ließ man es nicht auf einen Prozess ankommen. Funke unterschrieb, der Titel durfte nicht weiter verbreitet werden. Vor Gericht ging es trotzdem. Am Landgericht in Hamburg reichte Familienanwalt Felix Damm Klage ein. 50.000 Euro forderte die Familie für den mindestens latent irreführenden Titel – die Geldentschädigung bekam sie nicht. Am Freitag verkündete das Gericht – bei finanziellen Entscheidungen gegen Peoplemagazine sonst nicht gerade zimperlich – in einem Urteil, das noch nicht schriftlich vorliegt und auch noch nicht rechtskräftig ist, die Klageabweisung. Punktsieg für Funke, denn erst die Zahlung von üppigen Geldentschädigungen ist für Verlagsmanager erfahrungsgemäß wirklich ärgerlich hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz.

Es war womöglich der Reiter auf der Seite, der dem Medienhaus 50.000 Euro gespart hat. Denn Geldentschädigungen wegen Verletzungen der Persönlichkeitsrechte kommen nur dann in Frage, wenn das Blatt einen zwingenden Eindruck hinterlässt und die Richter keine andere Form der Wiedergutmachung eines entstandenen Schadens sehen. Dies war hier wohl der Fall. Der Titel, so die Ansicht des Gerichts, verleitete nicht zwingend zum Gedanken, dass sich Corinna getrennt hat.

Titelseiten und der „zwingende Eindruck“ – die aktuelle muss wohl in zwei anderen Fällen zahlen

Die Freude über die positive Nachricht für Funke und seine Yellow-Redaktion bleibt aber womöglich nur von kurzer Dauer. Denn ebenfalls am Freitag befasste sich das Landgericht erneut mit Titelseiten von die aktuelle. Wieder ging es um Schumacher-Cover. So berichtete das Funke-Magazin im Frühjahr 2016 gleich zwei Mal innerhalb kürzester Zeit in fragwürdiger Weise über den ehemaligen Spitzensportler. Im Februar zitierte die aktuelle einen „Insider“ mit den Worten „Er ist nicht mehr unter uns“ und fragte dazu: „Wann bricht die Familie endlich ihr Schweigen?“. Die Schumachers und Anwalt Damm werfen den Blattmachern vor, man habe den Eindruck erwecken wollen, Schumacher sei tot. Das Zitat hatte die aktuelle nicht exklusiv, sondern vielmehr abgeschrieben – aus einem französischem Sportmagazin, in dem sich der „Insider“ als Rennfahrer erwies, der angeblich mit Schumacher befreundet ist.

Etwa einen Monat später zitierte die aktuelle dann aus einem „erschütternden“ „Kranken-Brief“, der – so die Kläger – den Anschein erwies, dass es sich um ein offizielles Dokument handele. Tatsächlich aber war das Schreiben anonym. Das Magazin rätselte dazu, wer wohl sein Verfasser sein könnte. Im Blattinnern hatte die Redaktion geschrieben, Schumacher sei in seinem Körper eingesperrt, hänge an lauter Kabeln, und Infusionen hielten ihn am Leben. Die Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte seines Mandaten würden hier eindeutig verletzt, argumentierte Damm. Das Blatt habe den Eindruck erwecken wollen, als sieche Schumacher vor sich hin. Alles was man geschrieben hat, seien aber unwahre bzw. unbelegte Tatsachenbehauptungen.

Insgesamt 150.000 Euro fordert Schumacher als Entschädigung für diese Veröffentlichungen, hinter denen sein Anwalt Damm ein System zur Steigerung der Auflage sieht. Die aktuelle berichte in einer besonderen Form der Hartnäckigkeit über Michael Schumacher und seine Familie und missachte dabei journalistische Standards. Eine eigene Recherche habe es nicht gegeben, auch sei die Familie mit den Inhalten dieses Briefes nicht konfrontiert worden. Für Kläger-Anwälte wie Damm sind Geldentschädigungen oft das einzige Mittel, Medien von weiterer juristisch nicht haltbarer Berichterstattung abzuhalten. Opfer und ihre Anwälte erhoffen sich durch möglichst hohe Strafen einen Hemmungseffekt. Weil dieser offensichtlich nicht eintritt, wie die immer wiederkehrenden Rechtstreitigkeiten der Schumachers zeigen, fordern ihre Anwälte generell strengere Urteile mit höheren Summen, die Rechtsverletzer empfindlich treffen sollen.

Im Fall der beiden aktuelle-Titel gab die Kammer ihre Neigung zu erkennen, die Forderung in Teilen zu bestätigten. Zumindest im ersten Fall, in dem der „Insider“ zitiert wird, sei man sich sicher. Es werde der „zwingende Eindruck“ erweckt, dass die Familie den Tod Schumachers verschweige, so die Vorsitzende Richterin Simone Käfer.

Wie sooft bei bei juristischen Auseinandersetzungen rund um die Schumachers, ging es auch am Freitag wieder um die Frage, inwiefern die Medien überhaupt die Möglichkeit und das Recht zur die Berichterstattung über den Gesundheitszustand des Familienvaters haben. So sei die umstrittene Berichterstattung grundsätzlich immer im Gesamtkontext zu betrachten, argumentierte Funke-Anwalt Gero Himmelsbach. Die Familie habe über 20 Jahre lang ein öffentliches Leben geführt und sogar ihre Hochzeit im Fernsehen vermarktet. Nach dem Unfall habe man dann ein „Schweigekartell“ gebildet, erhalte gleichzeitig aber das öffentliche Leben Schumachers aufrecht, in dem man ihm Social-Media-Accounts oder eine Homepage einrichtet, um an seine sportlichen Leistungen zu erinnern. Dies passe nicht zusammen, kritisierte Himmelsbach. Da das öffentliche Interesse gegeben sei, habe man auch deshalb auf dem Titel die Frage gestellt, wann die Familie ihr Schweigen endlich breche.

In der Reaktion des Anwaltes auf den Vorwurf der unzureichenden Recherche wurde die Methodik der Yellowpress erneut deutlich. So habe man im Falle des „Kranken-Briefes“ auf eine Anfrage bei der Familie und Management verzichtet, weil die Antwort bereits gekannt habe. So sei eine Recherche „völlig sinnlos“ gewesen, weil Managerin Sabine Kehm ausschließlich kommuniziere, dass man nicht kommuniziert, so Himmelsbach. Der Fall zeigt erneut: Die Fronten sind verhärtet, und sie werden es wohl noch lange bleiben.

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