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Das erstaunliche Desinteresse der AfD-Anhänger am politischen Schicksal von Frauke Petry

Via Video-Botschaft gab Frauke Petry ihren Verzicht auf die Kandidatur als Spitzenkandidatin der AfD bekannt
Via Video-Botschaft gab Frauke Petry ihren Verzicht auf die Kandidatur als Spitzenkandidatin der AfD bekannt

Während sich die Medien noch am überraschenden Rückzieher von AfD-Chefin Frauke Petry von einer Kandidatur als Spitzenkandidatin abarbeiten, haben sich die Partei-Anhänger im Social-Web längst anderen Themen zugewandt. Obwohl diese zumeist höchst engagierte Facebook-Nutzer sind, scheint sie das Schicksal ihrer Front-Frau gar nicht sonderlich zu interessieren. Warum ist das so, und was bedeutet es?

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Für das politische Deutschland war der Verzicht von Petry die Überraschungs-Meldung des Tages, die vor allem interessante strategische Konsequenzen hat, mit denen sich viele Medien noch immer beschäftigen. So analysiert beispielsweise Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart in seinem Morning Briefing vom Donnerstag: „Die AfD ist um ein Drama reicher. Nach dem Putsch gegen ihren Gründer Bernd Lucke kündigte nun Parteichefin Frauke Petry ihren Verzicht auf die Spitzenkandidatur an. Sie bemängelt in einer Videobotschaft exakt jene Methoden – Hinterzimmer-Absprachen, Intrigen und Rufmordkampagnen – denen sie selbst ihren Aufstieg verdankt. Die Revolution frisst ihre Kinder, hat man früher gesagt. Im Fall der AfD frisst sie nun auch das Enkelkind.“

Seiner Einschätzung nach laufe der Wahlkampf für Angela Merkel „damit runder als rund, ohne dass sie bisher kämpfen“ müsse. Für die Süddeutsche, wie auch die FAZ ist die Petry-Meldung die Top-Story des Tages, denen sie auch einen politischen Kommentar widmen. Immerhin sei die Entscheidung der Parteivorsitzende keine Vorentscheidung im Machtkampf innerhalb der Partei, sondern „ein taktisches Manöver“, wie es im Leitartikel von FAZ-Mann Justus Bender heißt.

Die Beobachter scheinen sich einig: Der vermeintliche Petry-Rückzug ist Teil eines spannenden Partei-Krimis, bei dem es um viel Macht und die künftige Ausrichtung der Alternative für Deutschland geht. Das spiegelt auch die Titelseite der B.Z.

Doch das scheint die AfD-Fans, -Wähler und -Unterstützer erstaunlich wenig zu beeindrucken. Die Spannung des Führungs-Thrillers fesselt sie nicht sonderlich. Diese Interpretation lassen zumindest die aktuellen Zahlen aus dem Social-Web zu. Wie die #trending-Analyse von MEEDIA zeigt, erzielte Petrys Video-Statement auf Facebook bis Mitternacht rund 92.000 Views. Die Zahl der Interaktionen lag bei rund 3.700. Das reichte nicht einmal, um unter die 20 stärksten Petry-Posts der jüngsten 30 Tage zu kommen. Die vermeintliche Galionsfigur der neuen Rechten hat bei einer Meldung in eigener Sache keine Strahlkraft. Selbst die Medien punkteten mit der Story kaum. Die meisten Likes und Shares sammelte noch Spiegel Online ein – etwa 2.300.

Allerdings: Auf größeres Interesse als die eigenen Probleme stieß bei den AfD-Anhängern offenbar die Schwäche der politischen Konkurrenz: Die Umfrage-Ergebnisse der Grünen bescherten nämlich der Welt mit 13.900 Interaktionen den zweiten Platz unter den deutschsprachigen Artikeln des Mittwochs – und das unter anderem wegen zahlreicher Shares von AfD-Ortsvereinen.

Wenn sich von solchen Zahlen Rückschlüsse auf die gesamte Parteibasis schließen ließen, dann gäbe es zwei mögliche Interpretationen:

So könnte es sein, dass sich die Facebook-Interaktionen oftmals vergleichbar mit Börsenkursen verhalten. Vom Wertpapierhandel kennen wir den Effekt, dass das Ende eine Entwicklung (Quartalszahlen, Rückzieher von CEOs etc.) für keine große Kurs-Bewegungen mehr sorgt, weil das Resultat bereits abzusehen war und damit in den Kurswert schon eingepreist ist.

Eine zweite Deutung fußt auf der Annahme, dass es sich bei der Alternative für Deutschland weniger um eine Ideologie handelt, deren Anhänger ein gemeinsames politisches Ziel verfolgen, sondern viel mehr um eine Protestbewegung. Die AfD-Fans eint die Wut auf die etablierten Parteien, linke „Gutmenschen“ oder allgemein das Establishment. Das würde wiederum bedeuten, dass der Richtungsstreit innerhalb des Vorstandes viele Wähler nicht sonderlich beschäftigt. Sie suchen einfach eine Plattform um ihren Unmut organisiert zu artikulieren. Das würde auch erklären, warum der vermeintliche Niedergang der Grünen die Facebook-Community der AfD so viel mehr beschäftigte und begeisterte, als die folgenschwere Video-Botschaft der eigenen Vorsitzende.

Beide Interpretationen belegen einmal mehr, wie sehr sich ein Teil der AfD-Anhänger bereits von der traditionellen Medien und ihren Einschätzungen und Analysen abgewandt haben. Deren Inhalte scheinen nur noch interessant, wenn sie Munition für die Verachtung des politischen Gegners liefern.

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Alle Kommentare

  1. Merkels Wahl ist leider zu sicher. Da macht man sich nicht zum Lafontaine oder Scharping wo erst Kanzlerkandidat Schröder dann Helmut Kohl besiegte.

    Es gibt ähnlich lautende Studien über Vereine und junge Leute und Partizipation und wenig Lust auf starre Strukturen. Vielleicht sind Wahlveranstaltungen quasi ZDF-Zuschauer-Treffen. Die Vereins-Mächtigen 50-jährigen und Ältere interessiert es nicht aber wenn man Leute bezahlen muss welche Wahlplakate aufhängen weil man keine Freiwilligen mehr hat, ist man keine Volkspartei mehr. Wie ist es bei ADAC, freiwilliger Feuerwehr oder anderen Vereinen mit Jugend und Beteiligung oder erodiert denen die Mitmach-Basis weg ?

    Eine wirklich alternative Partei hätte sich kostenlos digitale Beteiligung programmieren lassen und jeder Bürger könnte an jedem Parteitag (die werden stundenlang im TV übertragen !) und VW/DAX-Hauptversammlung konstruktiv und demokratisch per Tablett teilnehmen und das Land endlich mal voran bringen.
    Hat die FDP dem Bürger bei T2 geholfen ? Warum sollten die also Staats-Zilliarden verwalten sollen ? Alternativ müsste sich alternativ verhalten. Davon sehe ich nicht viel: Analoge Parteitage und Hinterzimmer haben die alten Parteien auch.

    Kommentator: „Probleme kann man auch herbeireden. Deutschland geht es politisch besser denn je und mit dem hoch schreiben der AfD lenkt man nur von eigenen Erfolgen ab.“

    Es gab immer eine Rezession. Keiner ist vorbereitet.
    Millionenfache Dauer-Arbeitslosigkeit und Abverkauf aller DAX-Konzerne an China durch Tesla-3 ist vorhersehbar. Denn die Disruption ist dreifach:
    – Elektro-Auto mit viel mehr Reichweite als 150 km. Strompreis-Explosion. Strom-Mangel. Strom-Abschaltungen.
    – Autonomes Fahren: Es bringt die Zalando-Pakete zur Post und ein paar Touristen zum Flughafen und von dort ein paar Geschäftsreisende zum Hotel und sucht sich dann eine Ladestation. Man weiss gar nicht mehr wo Parkplätze sind weil das Auto nach dem Absetzen/vor dem Abholen dort seine Zeit verbringt. Jeder Berliner Bonze und Handwerker wird damit 30-60 Minuten Parkplatz-Suche pro Tag einsparen und daher sofort Tesla3 kaufen und Luxus-Autos überschwemmen den Gebraucht-Markt welcher total zusammenbricht wie damals der Trabbi.
    – Car-Cloud: Man bucht oder fährt Teslas oder Mitfahrmöglichkeiten per Handy und kann sich damit den Preis schnell zurückverdienen.
    Ab September rollt Tesla3. Dezember sind viellicht die letzten frohen Weihnachtsfeiern der Auto-Branche (und Tankstellen). Praktisch wie beim Trabbi nach dem Mauerfall ! Keine Presse scheint sich zu erinnern obwohl die ganze Branche und 24-teiligen TV-Serien-Planungen und vielleicht auch Sport-Saisons (Sommerpause) auf der Auto-Werbung der Konzerne basieren und diese Firmen bald China gehören.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/die-chinesen-haben-die-milliarden-schon-um-vw-zu-kaufen-14579238.html
    Wenn der Tesla3 so gut ist kaufen die Leute keine neuen Autos sondern warten auf gute E-Autos mit Smart-Car-Funktionen ! Ein Android-Handy wirft man alle 1-2 Jahre weg. Bei Autos ist das nicht üblich (8 Jahre, also ca. 100 Monate Durchschnitts-Alter in Deutschland) aber das Wort „Update“ oder gar „Verbesserung“ kennen viele deutsche Firmen nicht und mussten – wie Griechenland – gerettet werden.

  2. Also, mich wundert es auch, dass man dies hier wieder kommentieren darf. Liegt das am Mut des jeweiligen Autors? Entscheidet das jemand im Mutterkonzern? Ich hatte mich hier schon fast wieder verabschiedet. Ist ja eigentlich eh nicht meine Blase.

    Man kann in diesen Verzicht auf die Spitzenkandidatur (Verzicht worauf eigentlich; in Sachsen wird sie ja wohl die Landesliste anführen und gewählt werden, oder?) natürlich alles mögliche hineingeheimnissen. Ich denke auch, dass das bei der Reaktion der Fans schon „eingepreist“ war – selbst ich war von dem Text des Ex-Focusredakteurs über das Team Pretzell/Petry (auch hier auf Meedia zu lesen) unangenehm überrascht.

    Tatsache ist aber, dass wir hier eine hochschwangere Frau haben, die natürlich auch Verantwortung für ihr ungeborenes Kind hat, welche nicht nur diesen knallharten Machtkampf vor sich hat (gehabt hätte?), sondern auch persönlich angegriffen wird (Mobbing beim Einkaufen, Mobbing ihrer Kinder in der Schule, abgefackeltes Auto etc.). Irgendwann ist auch mal gut. Der Respekt vor der Meinung Andersdenkender ist essentiell in einer Demokratie, Köln wird zeigen, wie weit wir in Deutschland davon mittlerweile entfernt sind. Und da kann ich jedem hier nur einen Blick in den Spiegel an der Wand empfehlen. Der Osang-Text neulich im Spiegel hat mir da jedenfalls mal richtig gut getan.

    Im Übrigen fordere ich von Polizei und Justiz, dass der in Köln zu erwartende schwere Landfriedensbruch auch entsprechend dem StGB im Sinne der Generalprävention möglichst mit Höchststrafen geahndet wird. So geht es ja nicht weiter, nicht wahr? Wir leben doch nicht Ende der 1920-er Jahre, zum Teufel.

  3. Wahnsinn!

    Dieser meedia Post darf doch tatsächlich kommentiert werden. Der letzte über Kai Diekmann zum Beispiel nicht. Ein Schelm wer dabei Böses denkt.

    K. Einer sagt:
    20.04.2017 um 12:51

    Lieber Bernd Becker…

    Gegen den (19%) Bernd Höcke hätte sie eh nur verlieren können. Rechte Hetzer wie er oder Rudolf Augstein oder Martin Walser, haben unserem Land schon genug geschadet und werden das auch weiterhin tun… schließlich ist der „braune Bernd“ Merkels bester Wahlkampfhelfer…

    Seine Mutter hat den Höcke damals Björn taufen lassen. Aber egal.

    Der ist Beamter!

    Mich würde es nicht wundern, wenn der mittlerweile vom Verfassungschutz sehr fürstlich bezahlt wird. Anders ist es doch nicht zu erklären, wie resistent dieser Mann und sein Adjudant auf Kritik reagieren und fleissig weiter Anhänger aus dem NPD nahen Lager um sich scharen. Höcke und auch dem sehr schweigsame Gauland muss doch klar sein, das eine AfD mit Höcke auf bundesweiter Ebene keine wirkliche Chance hat.

    Wie sagt Obelix immer so schön äh würde sagen

    „Die spinnen, die von der AfD!“

  4. Die Frage ist doch eher, sollte man die AfD Wähler zurückholen wollen? Schließlich handelt es sich auch zum Großteil um rechte.
    Außerdem sind die Wahlergebnisse der Volksparteien immer noch sehr gut, die Wahlbeteiligung hoch und die Zufriedenheit steigend.

    Probleme kann man auch herbeireden. Deutschland geht es politisch besser denn je und mit dem hoch schreiben der AfD lenkt man nur von eigenen Erfolgen ab.

  5. Lieber Bernd Becker…

    das die hochschwangere Frau Petry lieber auf Amt und Mandat verzichtet und sich lieber um ihre Geburt und ihr Baby kümmern will, ist doch löblich.

    Da gibt es im Bundestag schon genügend andere „Karriereweiber“, die sich andersherum entschieden haben…

    Gegen den (19%) Bernd Höcke hätte sie eh nur verlieren können. Rechte Hetzer wie er oder Rudolf Augstein oder Martin Walser, haben unserem Land schon genug geschadet und werden das auch weiterhin tun… schließlich ist der „braune Bernd“ Merkels bester Wahlkampfhelfer…

    Der langsame, unaufhaltsame Untergang der Islam-Grünen erfreut viele Menschen in Deutschland… nicht nur AfD-Anhänger…
    Die „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ Partei hat es auch mehr als verdient…

    Mit ihren beiden letzten Thesen haben sie vollkommen recht:
    Die AfD wird von vielen nur gewählt, weil die Systemparteien noch schlechter sind. Ein Akt der puren Verzweiflung.

    Die Systemmedien sind für aufgeklärte AfD Anhänger ebenso unglaubwürdig, wie uninteressant.

    Die Wahrheit ist schließlich nur einen Mausklick entfernt…

    1. Die „Wahrheit“ ist bei den meisten politischen Fragestellungen nicht eindimensional und lässt sich selten aus einer Quelle speisen. In Mainstream-Medien allein findet man sicherlich nicht immer gleich die richtigen Antworten, in Ihren „alternativen Medien“, die nur einen Mausklick entfernt sind, aber schon gar nicht. Ist Ihnen vielleicht mal in den Sinn gekommen, dass diese Medien noch viel mehr von teilweise dubiosen Einzelinteressen gesteuert sind? Da werden alternative Wahrheiten geschaffen wie etwa das Leugnen der vom Menschen stark beeinflussten Klimaerwärmung, obwohl weltweit fast alle renommierten Wissenschaftler absolut das Gegenteil bewiesen haben – von einzelnen Querschlägern mit Profilneurose oder im Auftrag der großen Ölkonzerne mal abgesehen.

      In diesen tollen, alternativen Medien werden dann auch einzelne Politiker oder Parteien wie die Grünen zu Sündenböcken erklärt und mit ähnlich dämlichen Zitaten wie dem von Ihnen gerne verwandten belegt. Doch so oft Sie dieses Zitat auch wiederholen: Es handelt sich um eine strunzdumme Einzelaussage irgendwelcher demonstrierender Linksalternativer, die mit Sicherheit genauso wenig repräsentativ für die Grünen sind wie dümmlich krakelende Pegida-Demonstranten für die AfD.
      Also, ab und zu mal sachlich zu bleiben, würde Ihnen in Ihrer Argumentation auch nicht schaden, sonst klingt das selbst gewählte Etikett „aufgeklärter AfD-Anhänger“ nicht sehr glaubwürdig.

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