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„Überprüfe die Beweise“: Facebooks flaue zehn Gebote im Kampf gegen Fake News

Facebook und die Fake News: Eine Checkliste soll Nutzer nun für Falschinformationen sensibilisieren. Diese gibt es jetzt auch als gedruckte Anzeige
Facebook und die Fake News: Eine Checkliste soll Nutzer nun für Falschinformationen sensibilisieren. Diese gibt es jetzt auch als gedruckte Anzeige

Online-Nachhilfe für Offliner: In den großen überregionalen Tageszeitungen hat Facebook am heutigen Donnerstag ganzseitige Anzeigen geschaltet. Darin gibt das Social-Network den Print-Lesern Nachhilfe bzw. Tipps „zum Erkennen von Falschmeldungen“. Lustig: In der Bild steht die Anzeige genau neben einen Stück des Ombudsmanns Ernst Elitz der erklärt, wie die Redaktion Fakten in Syrien überprüft.

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Der Schritt von Facebook, in Sachen Fake News nun etwas offensiver und transparenter zu kommunizieren, überrascht nur auf den ersten Blick. Bereits vor Tagen analysierte Craig Silverman bei Buzzfeed, dass sich die Öffentlichkeitsarbeit des US-Konzernsdurch durch die Debatte über den Einfluss von Falschmeldungen während des US-Wahlkampfes zumindest in seinem Heimatland schon länger kooperativer zeige. Der Konzern sei auf den Weg zu einem professionellen Dialogpartner.

In den deutschen Anzeigen, die in der Bild, in der Süddeutschen Zeitung oder auch im Handelsblatt erschienen, heißt es:

Falschmeldungen können als solche erkannt werden. Wir bekämpfen deren Verbreitung und geben die dir hier die einige Tipps, wie du erkennen kannst, ob eine Nachrichtenmeldung wahr ist oder nicht

Die zehn Tipps lauten:

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1. Lies Überschriften kritisch
2. Sieh dir die URL genau an
3. Überprüfe die Quelle
4. Achte auf ungewöhnliche Formatierungen
5. Sie Dir Fotos genau an
6. Überprüfe die Datumsangaben
7. Überprüfe die Beweise
8. Sieh Dir andere Berichte an
9. Ist die Meldung ein Scherz?
10. Einige Meldungen sind bewusst falsch

Die Anzeige, die nicht im Facebook-Blau, sondern in Purpur/Lila gehalten ist, endet mit dem Aufruf: „Gemeinsam können wir die Verbreitung von Falschmeldungen eingrenzen“. Die „Gebote“ an die mehr als 30 Millionen deutschen Facebook-Nutzer mögen aller Ehren wert sein; von einem global agierenden Konzern, der Milliarden mit Werbung verdient, darf und muss man allerdings mehr erwarten als das vorliegende  Sammelsurium an allgemeinen Ratschlägen, die auch von einem Facebook-Nutzerstammtisch zusammengetragen worden sein könnte – die in der Liste veröffentlichten Tipps scheinen jedenfalls kaum geeignet, das Problem wirksam zu bekämpfen. Die jetzt per Zeitungsanzeigen losgetretene Mitmach-Offensive jedenfalls kann nur ein Teil der Maßnahmen sein. Facebook muss mehr eigene Expertise und ganz sicher auch deutlich mehr Mittel investieren, um gezielte Fake News-Kampagnen effektiv zu entlarven. Die aktuelle Aktion dürfte vor allem auf die Beschwichtigung der Politik zielen, die derzeit ein (vielfach umstrittenes) Gesetz vorbereitet, das Facebook empfindlich treffen könnte.

Die Anzeigen sind die gedruckte Verlängerung einer Online-Kampagne, die das US-Netzwerk bereits vor gut einer Woche startete. So lancierten Facebook einen Art Online-Crashkurs zum Erkennen von Fake-News. Damit auch genügend Nutzer die Tipps entdecken konnten, räumten die US-Amerikaner für die Info-Liste drei Tage die erste Position im Newsfeed frei. In 14 Ländern sollte jeder Nutzer maximal drei Mal auf die Aktion hingewiesen werden. Damit wolle man verhindern, zu aufdringlich zu wirken.

Um die Ecke gedacht, zahlt Facebook mit dieser Kampagne nun erstmals die Verlage für den Kampf gegen Fake News. Immerhin verdienen die Medienhäuser an den Anzeigen. Ansonsten scheint der US-Konzern noch immer auf der Suche nach weiteren redaktionellen Partnern zu sein, die ihm dabei hilft Falschmeldungen innerhalb des Netzwerkes zu erkennen. Mit Correctiv (wird auch in der Anzeige als Partner genannt) wurde eine Kooperation vereinbart, Focus Online signalisierte Interesse, während der Spiegel bereits abgewunken hat, G+J Geld für seine Mithilfe verlangt und die öffentlich-rechtlichen Sender schon eigene redaktionelle Sondereinheiten aufgestellt haben oder gerade fit machen.

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Alle Kommentare

  1. Diese „Tipps“ wirken in der Tat geradezu banal und lächerlich; zumal kein einziger dieser „Tipps“ ja konkrete Aussagen tätigt, wie man eine falscher von einer wahren Meldung unterscheidet. Wenn ich bspw. „die URL genau an(sehe)“, wie Tipp 2 empfiehlt – worauf genau soll ich dann bitte achten? Und woran bitte erkenne ich „ungewöhnliche Formatierungen“, und inwiefern sagt die Formatierung etwas darüber aus, ob der Textinhalt wahr ist oder nicht?
    Oder : Ja, manche Meldungen sind in Wahrheit einfach nur Scherze oder bewusst falsch, wie Tipps 9 und 10 richtig feststellen – man denke z.B. an „Postillon“-Nachrichten. Aber hilft der entsprechende Google-Tipp irgendwem? Entweder man bemerkt, dass Nachricht X nur ein Scherz bzw. Satire ist – oder eben nicht; der Hinweis alleine, dass manche Nachrichten Scherze oder bewusst falsch sind, hilft niemanden, und ist einfach nur banal.
    Und was soll ich tun, wenn weder Quellen noch Beweise genannt werden? Selbst bei Artikeln in den „Qualitäts-“ und Massenmedien sucht man häufig vergeblich nach Quellen und Beweisen. Auch in diesem Medien sind die Überschriften häufig geradezu haarsträubend irreführend und reisserisch, Tipp 1 bringt also auch herzlich wenig.

    Ich bin gerade fast ein wenig schockiert, dass ausgerechnet Google so einen Mumpitz veröffentlicht.

  2. Das klingt nach „harten“ Zeiten für die Regierungspolitik.
    Musste man solche irrelevanten Tips als kleinsten gemeinsamen Nenner mit der Politik abstimmen, damit deren Fakenews nicht zensiert werden?

  3. MEEDIA kann man nicht ernst nehmen…..ich lese in Zukunft lieber kritische Nachdenkseiten!

    Ich habe die Lügen satt……ihr seit für mich Lügner im Auftrag selbsternannter Eliten. Null cent….kaufe nix von dem Mainstream Schrott.

  4. Die Frage ist wohl wer die Fakenews Kapagne erfunden hat….man d geht es ein paar Dreckseliten doch nur um ihre schwindende Deutungshoheit.

    Ich bleibe lieber bei KenFM, kritische Nachdenkseiten….auch gerne mal was NeuRechtes….als mir den Propaganda Dünnschiss und die Drecks Kriegspropaganda der etablierten Mainstream…Medien anzutun…die eh nur im Arsch der Finanzeliten und Geheimdienste, Nato wühlen.

  5. Für die journalistischen Aktivisten von Correctiv ist alles Lüge, was die Legenden der Willkommenskultur in Frage stellt. Wer solche Partner hat, muss sich um die Meinungsfreiheit in diesem Land ernste Sorgen machen! Dass Meedia regelrecht nach „mehr Zensur” lechzt, ist bitter.

  6. Interessant, sonst erkauft die Politik sich die unkritische Berichterstattung der Medien ja über eigene, steuerfinanzierte Anzeigen aus den Ministerien oder schiebt den privaten Medien über Anzeigen GEZ-Gelder zu.

    Facebook hat wahrscheinlich gefragt, „was sollen wir machen?“

    Antwort aus der Politik, schaltet ein paar Anzeigen bei UNSEREN Medienpartnern.

    Nach der Wahl wird dann endlich die informelle Absprache umgesetzt und die Zeitungen direkt an den GEZ Zwangsgebühren-Topf gehängt

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