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Lieber spät als nie: Verband der Lesezirkel rüstet nach und startet App-Angebot für digitale Lesemappen

Günther Hildebrand ist Vorsitzender des Verbandes Deutscher Lesezirkel
Günther Hildebrand ist Vorsitzender des Verbandes Deutscher Lesezirkel

Während die Digitalisierung mittlerweile fester Bestandteil der deutschen Medienbranche ist, will endlich auch der Verband deutscher Lesezirkel aufholen. "myLese" heißt das neue App-Angebot, das die Lesemappen ab sofort auch digital zur Verfügung stellt. Mit dem neuen Produkt ist der Verband auch auf Privatkunden aus. Die lange Entwicklungszeit hat aber Vorsprung gekostet. Längst haben Start-ups das Geschäftsmodell ins Digitale übertragen.

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Mal den Stern, mal den Spiegel oder die Hörzu – in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Friseur können sich Besucher die Wartezeit verkürzen, indem sie in Zeitschriften blättern. In der Regel geschieht das auf Papier. Für Kunden des Lesezirkel soll sich das zukünftig ändern. Denn die digitale Transformation macht auch vor ihrem Geschäft keinen Halt. Über eine neue App namens „myLese“, die seit April angeboten wird, sollen Leser digital auf Zeitschriften zugreifen können.

Die Geschäftskunden zahlen hierfür eine Gebühr an die Lesezirkel-Gesellschaften. Für die Besucher beziehungsweise Leser ist das Angebot nach wie vor gratis. Alles, was sie brauchen, ist ihr eigenes Smartphone oder ein Tablet sowie die App. „Wir sehen die digitalen Lesemappen als Ergänzung unserer Printmappen, mit denen wir seit Langem auf dem Markt sind“, erklärt der Verbandsvorsitzende Günther Hildebrand. Entwickelt wurde die App von zwei Verbandsmitgliedern aus Aachen und Vellmar. Geplant ist, auch Privatkunden digitale Lesemappen für Zuhause anzubieten. Wann dies möglich ist, wollte Hildebrandt allerdings noch nicht sagen. Die Nutzer zahlen dabei wie die Geschäftskunden eine Gebühr an den Lesezirkel. Der Preis für das Herunterladen der Zeitschriften steht noch nicht fest. Er dürfte aber kaum unter den digitalen Angeboten der Verlage liegen.

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Mit dem neuen App-Angebot haben sich die Leserzirkel erstaunlich viel Zeit gelassen, eigentlich sollte es bereits im vergangenen Jahr an den Start gehen. Damit ist auch kostbare Zeit vergangenen. Der Verband, der das analoge Geschäft am besten kennt, ist kein Pionier am Markt. Längst haben kleine Start-ups wie Sharemagazines das Potential erkannt und mit zahlreichen Verlagen eigene Konditionen ausgehandelt. An die Privatkunden richten sich digitale Angebote wie Blendle mit seinem Einzelverkauf oder Readly, das ein Flat-Modell anbietet.

Die Mitgliedsunternehmen des Leserzirkels konnten im vergangenen Jahr ihren Umsatz preisbedingt um knapp ein Prozent auf 183,9 Millionen Euro steigern. Davon entfielen 166,7 Millionen Euro auf die Vermietung von Zeitschriften. Der Rest entfiel auf Werbung. Dabei konnte der Verband einen prominenten Neukunden verzeichnen: Erstmals wirbt Aldi Süd als erster Discounter auf den Covern der Lesemappen. Belegt hat das Handelsunternehmen, jeweils im wöchentlichen Wechsel, die Magazine Stern und Bunte. Neu vertreten unter den 320 Zeitschriftentiteln des Verbands sind die zu Gruner + Jahr gehörende Zeitschriften Barbara, Chefkoch und Flow.

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