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Techreporter-Legende Walt Mossberg geht mit 70 Jahren in den Ruhestand

Walter Mossberg
Walter Mossberg

Es ist eine Nachricht, die Gadget-Fans rund um den Globus nicht lesen wollen: Die ausführlichen Testberichte des wohl bekanntesten Tech-Journalisten gehören bald der Vergangenheit an. Am Wochenende kündigte Walt Mossberg, Mitbegründer des Techportals re/code, seinen bevorstehenden Ruhestand an. Im Juni ist Schluss, erklärte der inzwischen 70-Jährige in einem Blog-Post. Ob die Reporter-Legende mit dem Journalismus ganz abschließt, bleibt offen. "Ich bin für etwas Neues bereit", lockt Mossberg.

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Die Tech-Industrie verliert ihren vermutlich genauesten Chronisten. Was Walt Mossberg seit Anfang der 90er-Jahre über neue Technologiegeräte schrieb, gilt als Ritterschlag – oder folgenschwerer Verriss.

Mossbergs Einschätzungen sind so weitreichend, dass hochrangige Konzernchefs vor dem heute 70-Jährigen zitterten. „Unser Freund Walt Mossberg schreibt nicht mehr gut über uns! Ihr solltet Euch alle schämen, was Ihr Apple angetan habt“, faltete etwa Steve Jobs seine Belegschaft, die 2008 am fehlerhaften Cloud-Service MobileMe gearbeitet hatte, gnadenlos zusammen – und feuerte den Teamleiter.

AllThingsD zur führenden Digitalkonferenz gemacht 

Mossbergs Wort ist die Goldwaage der Technlogiebranche. Umso schwerer wiegt der Verlust eines Reporterveteranen, der 1970 beim Wall Street Journal anheuerte und sich in seinen 47 Dienstjahren als Starkolumnist etablieren sollte. Ab 2007 berichtete Mossberg über die neuen Trends in der Tech- und Internetlandschaft in AllThingsD, einem viel beachteten Blog-Ableger des Wall Street Journals.

Das Technologieblog ging aus der vier Jahre zuvor gestarteten Digitalkonferenz All Things Digital hervor, auf der Branchengrößen mit Mossberg und der renommierten Techreporterin Kara Swisher diskutierten. Als Höhepunkt gilt das Zusammentreffen von Steve Jobs mit seinem langjährigen Rivalen Bill Gates 2007.

Neustart mit re/code

Vor allem durch exzellente Kontakte Kara Swishers gelang es AllThingsD immer wieder, Scoops über Übernahmen, Kündigungen und andere Breaking News zu landen. All sich das Wall Street Journal mit Mossberg und Swisher nicht über die Fortsetzung der Zusammenarbeit einigen konnten, folgte 2013 mit 66 Jahren für Mossberg noch einmal der Schritt ins Unternehmertum.

Die AllThingD-Fortsetzung re/code wurde von Mossberg und Swisher gegründet, eineinhalb Jahre später aber schon wieder vom Digitalverlag Vox Media, der auch The Verge publiziert, übernommen. Weitere zwei Jahre später zieht Mossberg nun unter seine journalistische Tätigkeit für re/code einen Schlussstrich.

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Ruhestand mit 70: „Der richtige Zeitpunkt, um zurückzutreten“

„Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und auch nicht unter Druck getroffen. Es gab keinen Druck von meinem Arbeitgeber oder eine schlimme gesundheitliche Diagnose. Es erscheint mir einfach der richtige Zeitpunkt, um zurückzutreten“, schreibt Mossberg bei re/code und The Verge und nennt als Zeitpunkt dafür bereits Juni.

Spekulationen über die Zeit danach öffnete Mossberg dann aber doch zumindest einen Spalt die Tür, ohne freilich konkret zu werden: „Ich bin bereit für etwas Neues“ – wenn auch als Pensionär.

„Ich sehe den Ruhestand als eine weitere Neuerfindung, eine neue Chance, neue Dinge zu tun und eine neue Version von mir selbst zu sein“. Dass Mossberg so ganz ohne Kritiken von neuen Gadgets auskommen wird, erscheint noch kaum vorstellbar. Auch Apple-Chef Tim Cook bedankte sich bei Mossberg in einem Tweet.

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