Anzeige

Freischreiber nominieren Jakob Augsteins Freitag und Süddeutsche Zeitung für den Höllepreis

Reskis (r.) Klage gegen  Augstein wird am 29. September 2017 vor dem LGH verhandelt
Reskis (r.) Klage gegen Augstein wird am 29. September 2017 vor dem LGH verhandelt

Symbolisch in Sack und Asche gehen muss nach Willen der Journalistenvereinigung Freischreiber alljährlich ein Verlag, der für externe Autoren besonders schlechte Bedingungen geschaffen hat. Dafür gibt es den Höllepreis, dessen Nominierungen 2017 am Montagabend publik gemacht wurden – darunter mit dem Freitag von Jakob Augstein und der Süddeutschen Zeitung zwei durchaus überraschende Kandidaten.

Anzeige

Der Bundesverband freier Journalistinnen und Journalisten wird den diesjährigen Preisträger am 29. April in Frankfurt küren. Im Rennen um den Höllepreis, eine Art Goldene Zitrone der Branche, sind 2017 vier Medienfirmen sowie der Zeitungsverlegerband BDZV. Neben dem Freitag und der SZ könnte es auch die Deutsche Presse-Agentur sowie die Jalag-Schwester Travel House Media aus der Ganske Gruppe treffen.

Zur Begründung der Nominierung des Verlegerverbands heißt es: „Der BDZV hat sich mit seiner Kündigung der Gemeinsamen Vergütungsregeln für freie hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen einen Platz in der publizistischen Hölle verdient.“ Dem Freitag wird zur Last gelegt, die Autorin Petra Reski in einem Gerichtsverfahren wegen eines von ihr verfassten Beitrags zur Mafia nicht unterstützt und auf den Folgekosten der Klage sitzen gelassen zu haben. Zudem hatte Verleger Jakob Augstein die freie Mitarbeiterin öffentlich bloßgestellt und erklärt: „Redaktionen sind keine Rechtschutzversicherung für mangelhafte Recherche.“ Das Verhalten des Spiegel-Erben war Anfang des Monats nicht nur von Gewerkschaftsseite, sondern auch von MEEDIA kritisiert worden. Die Freischreiber merken hierzu an: „Was sich Autoren wünschen, ist dies: eine Redaktion und einen Verleger, die sich nicht verdünnisieren, wenn mal was schiefgeht.“

Der Süddeutschen Zeitung wirft der Berufsverband vor, die externen Autoren bei einem Artikelaustausch-Deal mit dem Schweizer Verlag Tamedia mit „Null“ beteiligt zu haben. Dadurch müssten Freischaffende, die zuvor nach Abdruck eines Teextes in der SZ diesen noch dem Schweizer Tagesanzeiger (gehört Tamedia) anbieten konnten, Einkommensverluste hinnehmen. Zudem sei Autoren mit Konsequenzen gedroht worden, wenn einer entsprechenden Vertragsklausel nicht zustimmten: „Alle, die ihn nicht unterschreiben würden, seien bis auf Weiteres für die Mitarbeit gesperrt, so die telefonische Auskunft gegenüber freien Mitarbeitern, die mit der Unterschrift zögerten.“

Zur Nominierung der Deutschen Presse-Agentur heißt es: „‚Es ist allseits bekannt, dass die dpa Hungerlöhne zahlt‘, sagt ein freier Journalist über die Deutsche Presse-Agentur. Der Kollege weiß das aus eigener Erfahrung, regelmäßig arbeitet er in Redaktionsschichten für die Nachrichtenagentur. 120 Euro für acht Stunden – das ist der übliche Satz für Freie, egal ob in einem der dpa-Landesdienste oder zum Beispiel bei den Kindernachrichten. Aufträge für Artikel lehnt er ab, denn die sind noch schlechter honoriert. So erhalten freie Journalisten, die etwa für die Agentur Termine wahrnehmen und darüber berichten, keinen Stundensatz, sondern sie werden nach geschriebener Zeile bezahlt. In der Regel gibt es bei der dpa 1 Euro pro Zeile. Das sieht dann so aus: Der Journalist verbringt zum Beispiel vier Stunden bei einer Gerichtsverhandlung, schreibt darüber einen Bericht von 30 Zeilen und erhält 30 Euro – für sechs Stunden Arbeit.“

Der Ganske-Tochter Travel House Media nehmen die Freischreiber „Bettelbriefe“ übel, die der Verlag an Autoren verschickte. Darin habe es geheißen, dass die Rückzahlungsforderungen für das Verlagshaus „von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung“ seien, obwohl die VG Wort die Zahlungen stets ausdrücklich unter Vorbehalt geleistet habe.

Wie man so etwas transparent und fair lösen könne, habe der Uschtrin-Verlag gezeigt. Verlegerin Sandra Uschtrin habe die ihr widerrechtlich zugeflossene Summe nach dem entsprechenden BGH-Urteil anstandslos und in voller Höhe zurückerstattet. Zur Begründung schrieb sie: „Ich habe damit kein Problem. Denn dieses Geld steht den Autorinnen und Autoren zu, ohne Wenn und Aber. Und weil die VG WORT mir (und allen anderen Verlagen) dieses Geld in diesen Jahren nur unter Vorbehalt ausgezahlt hat, habe ich es selbstverständlich nicht ausgegeben und kann es jetzt problemlos zurückzahlen. Ich kann AutorInnen nur raten, keine Verzichts-/Abtretungserklärung zu unterschreiben.“ Dafür erhielt sie die Nominierung zum Himmelpreis, der ebenfalls am 29. April verliehen wird. Ebenfalls für den Himmelpreis vorgeschlagen ist die August Schwingenstein Stiftung für ihre Verdienste um den Medienwandel.

 

Anzeige
Anzeige