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Barbara Digital, Chat-Bots von Brigitte und Chefkoch: Wie Gruner + Jahr seine Digitalaktivitäten feiert und wachsen will

Gruner + Jahrs Mann fürs Digitale: Chief Digital Officer Arne Wolter
Gruner + Jahrs Mann fürs Digitale: Chief Digital Officer Arne Wolter

Es ist der Stolz eines jeden deutschen Verlagshauses: das Digitalgeschäft. Von Bilanzpressekonferenz zu Bilanzpressekonferenz präsentieren CEOs und Verlagschefs immer größere Umsatzsprünge – so auch bei Gruner + Jahr. Fast um 40 Prozent hat das Geschäftsfeld 2016 zugelegt. Der Trend soll sich fortsetzen. Digital-Chef Arne Wolter erklärt, wie er das schaffen will.

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Wolter referiert auf einem grünen Fransenteppich, der wohl so etwas wie eine kleine Rasenfläche simulieren soll. Knapp zwei Meter über ihm an der Decke ist eine Schaukel befestigt, die normalerweise dort runterhängt, wo er gerade steht. Für seinen Vortrag wurde sie um eine Balkenkonstruktion gewickelt. Der Beamer steht auf einem improvisierten Stapel von Kisten. In der großzügigen Loft-Kulisse erinnert nichts an einen der größten Zeitschriftenverlage Deutschlands. Es soll auch nichts daran erinnern. Das „Greenhouse“ von Gruner + Jahr ist die Kreativ-Insel für digitale Ideen. Hier, mitten im Hamburger Schanzenviertel, will man sich frei machen von den Zwängen und Strukturen eines Konzerns, sich einfach mal in die Schaukel schwingen und über coole und digitale Produkte und Projekte nachdenken. Der Ort für die Präsentation von Gruners Digitalgeschäft ist gewiss nicht zufällig gewählt.

Wie viele andere Verlage versucht auch Gruner + Jahr seine Digitalaktivitäten hervorzuheben. Man will zeigen, dass man nicht nur Zeitschriften druckt, sondern auch das Internet versteht und die Digitalisierung mitgestalten kann. Nachdem das Verlagshaus vom Baumwall, das seit 2014 vollständig zum Bertelsmann-Konzern gehört, das Digitalgeschäft lange Zeit vernachlässigt hat, zeigt man sich nun auf einem guten Weg. Um 36 Prozent ist es im vergangenen Jahr gewachsen, in Deutschland allein um 48 Prozent. Rund ein Viertel der Gesamtumsätze sollen mittlerweile aus dem Digitalen kommen, im 4. Quartal 2016 sei man sogar zum ersten Mal profitabel gewesen, erklärt Chief Digital Officer Wolter. Diese Entwicklung wolle man fortsetzen – 20 bis 30 Prozent Wachstum sollen 2017 drin sein.

Die Strategie Gruner + Jahrs ist zu einem gewissen Teil relativ simpel, wenn auch in der Praxis ein täglicher Kampf. Man setzt klar auf die Maximierung der Reichweite. Um 15 Prozent habe man die Vermarktungserlöse vergangenes Jahr steigern können – das ist ordentlich. Angesichts der deutlich größeren Reichweitensteigerungen der großen hauseigenen Portale wie stern.de, Brigitte.de oder Schöner Wohnen wirkt es aber fast schon wieder ernüchternd. Auch bei Gruner + Jahr wird deutlich, wie schwierig das Geschäft mit digitaler Displayvermarktung ist.

Barbara Digital startet am 19. April

Deshalb werde man den Ausbau neuer Geschäftsfelder forcieren. Dazu gehören die E-Commerce-Tätigkeiten von Schöner Wohnen genauso wie der Ausbau des digitalen Content-Marketing-Geschäfts. Als Beispiel nennt Wolter eine Art Multi-Channel-Network für „Food-Tuber, „Club of Cooks“, wie auch die Digitalisierung einer im Jahr 2015 stark gestarteten Print-Marke: Barbara. Seit Anfang des Jahres baut der Verlag bereits ein kleines Redaktionsteam auf. Bei Barbara Digital wird man wohl auch mit neuen Werbeformen experimentieren. Details sparte Wolter aus, nannte als Starttermin des neuen Woman-Portals aber den 19. April.

Bei der Gründung neuer, digitaler Portale wird sich Gruner 2017 voraussichtlich zurückhalten. Im Greenhouse würde man zwar regelmäßig an Ideen tüfteln, viele aber auch wieder verwerfen, so Wolter. Dazu zählt auch eine digitale Plattform für Millennials. Verlagshäusern, die sich hier besonders aktiv zeigen, wünscht Wolter „good Luck“. Am Baumwall sieht man offenbar einen bereits gesättigten Markt, bzw. zweifelt ob es überhaupt einen Markt gibt. Der Trend aus Amerika lasse sich nicht nach Deutschland übertragen, sagt er. Wer glaubt, die Zielgruppe sei mit Informationen unterversorgt, liege falsch. Zudem würde die Zielgruppe aufgrund sinkender Geburtenraten immer kleiner. Wolter will sich lieber darauf konzentrieren, bestehende Marken auszubauen. Darunter fällt auch der digitale Auftritt von Neon, den man enger mit stern.de verzahnen wolle. Eine Absage erteilte Wolter gegenüber Paid Content, was derzeit keine strategische Priorität habe.

Chefkoch und Brigitte chatten bald im Facebook-Messenger

Dabei sein will man hingegen bei neuesten Entwicklungen wie Chat-Bots oder Sprachangeboten. So werde man in diesem Jahr mit Chefkoch und Brigitte gleich zwei Marken in Facebooks Messenger bringen. Auch wenn es noch keine eigenen Vermarktungsmodelle gibt, gehe es darum, die Nutzerbindung zu intensivieren. Gleiches gilt für Angebote wie Amazons Alexa. „Nicht dabei zu sein, ist auch keine Lösung“ ist hier Wolters Motto. 20 Prozent der Suchanfragen würden derzeit über Sprachsteuerungen gesucht, die Tendenz sei steigend. Darauf will man vorbereitet sein.

Abseits der journalistischen Marken wolle man auch im Vermarktungsgeschäft und über Beteiligungen und Akquisitionen weiter wachsen. Drei bis fünf Investments könnten in diesem Jahr durchaus drin sein, kündigt Wolter an. Mit Angaben zum möglichen Investitionsvolumen hielt sich Gruners erster Digital-Mann aber zurück.

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