Facebook und die Fake News: Wieso Verlage mit ihrer Distanz zum US-Konzern richtig liegen

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Facebook stößt auf der Suche nach Unterstützern im Kampf gegen Fake News bei klassischen Medienhäusern größtenteils auf Ablehnung. Kaum ein Verlag will dem US-Konzern, der das Geschäft mit Content so sehr erschwert, helfen – schon gar nicht zum Nulltarif. Das ist richtig so. Der milliardenschwere Konzern muss selbst Geld in die Hand nehmen, um sein stetig wachsendes Netzwerk sauber zu halten.

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Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Start scheint das Internet seine hässliche Fratze vielerorts öfter zu zeigen als seine freundliche. Hass und Fake-Inhalte dominieren in jüngster Zeit die Diskussionen über die Verantwortlichkeiten von sozialen Netzwerken – Plattformen, auf denen Nutzer mittlerweile rund um die Uhr Zeit verbringen und die fester Bestandteil des sozialen Lebens geworden sind. Eine Vergiftung dieser Lebensbereiche kann schon alleine deshalb niemand wollen – am wenigsten die sozialen Medien wie Facebook selbst, auf die sich nach dem umstrittenen US-Wahlkampf mit seinem Sieger Donald Trump und kurz vor der Bundestagswahl in Deutschland der Druck weiter erhöht.

Deshalb ist man längst alarmiert im Silicon Valley und lässt keine Gelegenheit aus, um auf die Ernsthaftigkeit im Umgang mit den Themen Hass und Fake unter Beweis zu stellen. Man gibt sich bemüht, Maßnahmen zu demonstrieren – mit bislang mäßigem Erfolg. Erst wird gestritten, was Fake News überhaupt sind und dann wird erkannt, dass das Phänomen kein Neues ist, sich durch das Internet, seine schnellen Verbreitungsmöglichkeiten und fehlenden Kontrollmechanismen aber zu einem großen, derzeit unkontrollierbarem Problem ausweitet. Und letztlich ist da die Diskussion, wer im Kampf gegen falsche Informationen überhaupt in der Verantwortung und damit in der Pflicht steht. Was ihre eigenen Plattformen angeht, sind es – ob sie es wollen oder nicht – die Konzerne selbst.

Es geht also vor allem um die Frage des „Wie“. Wie schafft es Facebook, die Authentizität und Glaubwürdigkeit seiner Plattform aufrechtzuerhalten, ohne die eigenen Ansprüche zu verraten? Löschen, nur weil etwas nicht der Wahrheit entspricht oder einzelne Fakten angezweifelt werden, will man nicht. Das ist eine gute Entscheidung. Das Urteil darüber, was wahr ist und was nicht, sollte keinem Konzern der Welt vorbehalten sein. Die Entscheidung obliegt im Zweifel der Justiz, wie ihr auch die Entscheidung über Hate Speech zukommen sollte. Die Politik wäre gut beraten, ihr Fehlverhalten im Kampf gegen Hate Speech nicht auch noch im Falle von Fake News zu wiederholen. Die Suche nach der Wahrheit darf nicht weiter bürokratisiert werden, die Entscheidung über Zensur hat keine Vertriebsplattform wie Facebook zu treffen.

Anders als Hass und Beleidigungen landen Lügen oder falsche Behauptungen (in der Regel) nicht vor dem Strafgericht. Wer Lügen rechtlich verbieten will, muss zivilrechtlich selbst dafür sorgen. Das ist zeitaufwändig und teuer, die Masse der Fake News wäre damit ohnehin nicht zu bändigen. Facebook will und muss dem also vorweggreifen. Der bisher eingeschlagene Weg: Journalisten sollen zweifelhafte Inhalte überprüfen –  halten sie einen Beitrag für unauthentisch, wird dies alsbald von Facebook kenntlich gemacht. Der Gedanke ist raffiniert. Facebook will die Arbeit an jene auslagern, die Profis in Recherche sind und zugleich die größte Angst davor haben, dass Facebook selbst über Inhalte bestimmen könnte. Der Plan aber geht nicht auf. Wieso auch?

Die Medien müssen dafür sorgen, ihre eigenen Plattformen frei von erfundenen Fakten zu halten. Oft genug versagen derzeit noch die angewandten Kontrollmechanismen, die es zu reparieren gilt. Facebooks Not können sie zudem nutzen, um ihre Stellung als Anlaufstelle für seriöse Informationen zu stärken. Die unübersehbare Hilflosigkeit der Social Media-Plattformbetreiber zahlt prinzipiell ein auf das Image der freien Presse, „Qualitätsinhalte“ mit hoher Faktenzuverlässigkeit zu verbreiten. Und die Medien haben gelernt, auf professionelle Schwarmintelligenz zu setzen. Neben den Entscheidungen einiger Medienhäuser, auf eigene Spezialeinheiten setzen, gibt es folgerichtig auch Kompromisslösungen wie internationale Zusammenschlüsse etlicher Medienmarken. Diesen können Web-Konzerne wie Facebook und Google zwar beitreten, bestimmen können sie aber nichts.

Eine Anti-Fake-News-Kooperation für Facebook wäre auch ein falsches Signal nach innen. Zwar ist das Verhältnis zwischen Facebook und Medien in den vergangenen Jahren ein besseres geworden, von Freundschaft ist man aber noch weit entfernt. Facebook – oder auch Google – gratis mit Rechercheleistungen zu unterstützen, während man gleichzeitig bemängelt, dass geschätzt 85 Prozent der digitalen Werbeausgaben bei Social Networks landen, wäre scheinheilig. Facebook drehe dem Journalismus „langsam, aber sicher den Geldhahn zu“, kritisiert Gruner+Jahr-CEO Julia Jäkel heute in der FAZ. Die Bedürftigkeit könnte für Unternehmen wie G+J zu einer Möglichkeit werden, Facebook zum (gut) zahlenden Kunden zu machen. Betont wird dabei die Gefahr, in gewisse Abhängigkeiten zu geraten. Wegreden lässt sich diese nicht, auch wenn es mittlerweile Beziehungen gibt, die weitaus diskussionswürdiger sind. Es wäre das Mindeste, das Recherchegeschäft für Facebook wie Content Marketing zu behandeln und es gesellschaftsrechtlich von Redaktionen zu trennen. Nur dann gilt: Ein Versagen Facebooks im Kampf  gegen Fake News wäre auch ein Versagen der Medien.

Dass Facebook bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen, zeigt die jüngste Förderung des US-Konzerns. Gemeinsam mit Mozilla und einigen weiteren Web-Unternehmen macht CEO Mark Zuckerberg 14 Millionen US-Dollar frei, um Fake News wissenschaftlich auf den Grund zu gehen. Auch an anderen Stellen nimmt der Konzern Geld für die Bildung von Medienkompetenz in die Hand. Das alles ist löblich und wichtig, aber indirekt. Ein hochprofitables Unternehmen wie Facebook mit mehr als 1,6 Milliarden Nutzern kann nicht hoffen, dass sich marktwirtschaftliche Medienunternehmen benehmen wie stiftungsfinanzierte Journalismusprojekte und eine Plattform, die den Journalismus an so vielen anderen Stellen regelmäßig vor neue Herausforderungen stellt, von seinen eigenen Problemen befreit. Und auch das Engagement, dem sich in Deutschland das gemeinnützige Recherchebüro Correctiv verpflichtet hat, ist ein gut gemeint aber ein viel zu kleiner Ansatz. Jüngst haben die Journalisten 100.000 Euro Stiftungsgelder zugesagt bekommen, um ihr Rechercheteam auszubauen. Fake News als globales Problem brauchen aber große Lösungen.

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Alle Kommentare

  1. Es wird soviel über »Fake News« debattiert. Das Grundproblem ist aber, es fehlt an einer genauen Definition. Und damit auch, unter welchen Paragraphen des Strafgesetzbuches eine Fake News fallen würde. Die vorläufige Beurteilung obliegt, so viel ich weiß, in Deutschland, das sich Rechtsstaat nennt, der Staatsanwaltschaft. Und eine Richter prüft dann, ob die Staatsanwaltschaft richtig lag – nach Anhörung des Beschuldigten, der Anspruch auf Beistand eines Rechtsanwalts hat.
    Aber weiter mit der Definition von Fake News. Fallen darunter nur komplette »Lügen« (Wahrheitsgehalt 0%) oder würden darunter auch »Halbwahrheiten« fallen, d. h. wie würden Texte bzw News beurteilt, die zwar 100% Tatsachen enthalten, abergezielt und absichtlich andere wichtige Tatsachen zum selben Sachverhalt verschweigen, das heißt gezielt Desinformation betreiben, um Stimmung zu machen, ohne zu Lügen?
    Gerade die gezielte Desinformation, ist doch sehr verbreitet. Und zwar nicht in den sozialen Netzwerken, sondern in Politik, Medien, Organisationen und Wirtschaft.
    Nehemn wir mal die »Fake News«: Maas stellt sie generell als negativ hin, als böse, hinterhältige Mittel der Verbreitung von Hass und Volksverhetzung. Und will eine private Zensur durchsetzen, mit staatlichen Repressalien, falls diese nicht funktioniert. Das Strafbarkeit einer Handlung nur durch Gerichte festgelegt werden kann, verschweigt er, ebenso, dass es ein großer Eingriff in das Grundrecht der freien Meinungsäußerung ist. Und viele Medien springen ohne zu hinterfragen, auf den Zug auf, weil Fake News ja was »Böses« sind, was es zu bekämpfen gilt, kehren die massive Grundrechtsbeschneidung unter den Tisch und machen bewußt oder unbewusst mit bei der Anti-Facebook-Stimmungsmache. Facebook wird gebrandmarkt, weil es zwar T….. blockiert, sich aber sonst an das »Recht der freien Rede«, das in den USA (noch?) großzügiger gehandhabt wird, hält. Und es kann nicht sein, das ein Forenbetreiber (viel mehr ist ja Facebook nicht) den Wahrheitsgehalt der Äußerungen in seinem Forum überprüfen muss, bevor er etwas veröffentlicht. Das wäre ein Riesenaufwand, das Ende von vielen Foren und damit das Ende von freier Meinungsäußerung und freiem Meinungsaustausch im Internet.
    Vor allem, weil Maas jetzt vorsieht, das jeder, ohne Gericht, die Nutzerdaten von ihm missliebigen Posts (Bewertungsportale) bei Forenbetreibern anfordern kann.

    Diese tägliche, teils offizielle, Desinformation durch Politik, Medien, Organisationen und Wirtschaft halte ich für wesentlich bedrohlicher als Fake News, die sich durch soziale Netzwerke verbreiten, denn besonders Politiker und Organisationen (Lobby-Verbände) können durch gezielte Desinformation Stimmung in Ihrem Sinne machen, das sich dann auf die Rechtslage auswirken könnte.

    In Sachen Facebook und Fake-News kann es nur eine Lösung geben: Wenn einem ein Post nicht gefällt, soll er Anzeige erstatten. Die Staatsanwaltschaft kann dann prüfen, ob es sich wirklich möglicherweise um eine Straftat handelte und per einstweilige Verfügungen die Sperrung erwirken. Und nur wenn die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, sollten die Nutzerdaten nach Gerichtsbeschluss an die Staatsanwaltschaft herausgegeben werden.
    Und in einem Rechtsstaat hat jeder Anspruch auf einen fairen Prozess.

  2. Die Lösung ist doch ganz einfach. Facebook hat kein Interesse FakeNews auszusperren. Alles was Aufmerksamkeit schenkt ist doch toll für FB. Warum sollte Hr. Zuckerberg denn auf die Schlagzeilen verzichten? Aber wir, wir sollten auf das Lügenportal verzichten. Nicht nur, dass Werbetreibende auf YouTube keine Werbung im Umfeld von Radikalen machen wollen, sollten die Unternehmen genauso auf Werbung bei FB verzichten. Zudem besteht das gesamte Konzept nur noch aus MLM und Werbespam gepaart mit FakeNews und Menschen die vor lauter Langeweile nur noch Überflüssiges durch die Gegend posten.
    Ob es so clever ist sich, seine Produkte oder was auch immer in diesem Umfeld zu präsentieren bedarf keiner besonderen Analyse mehr.

  3. Den „Medien“ kann man die Lösung auf einem Silbertablett servieren, aber sie werden sie in ihrer Arroganz und Dummheit verweigern.

    Der real existierende Journalismus ist nicht das, wofür er sich hält.

  4. Die meisten und grössten Fakenews verbreiten noch die Medienkonzerne….sie stecken im dreckigen Arsch der Eliten….und für diese dreckigen wiederlichen Drecks und Finanzeliten….hetzt man Kriege herbei und betreibt Kampagnen. Ekelhaft…..und jetzt wo immer mehr Leute bescheid wissen über die Dreckseliten versucht diese zu zensieren und freie, alternative Medien anzugreifen….die reinste Scheindemokratie….in wahrheit haben wir schon Plutokratie….die Puppenspieler lassen Politiker hüpfen…wie sie es brauchen und stört einer wird er vernichtet.
    Keiner hat das recht zu bestimmen was Wahrheit oder Lüge ist….das ist Orwell!

    Ich weiss um die Interessen der Herrschenden und Reichen….ich weiss wie das läuft mit den Medien….das hat nicht…..überhaupt nichts mehr mit Journalismus zu tun…den gibt es heute nur noch ganz selten.

    Trump ist in meinen Augen ein Kriegstreiber……und Umweltfrevel…aber er hat recht mit seinen Ansichten zu den Medien.

  5. Zitat: „Das Urteil darüber, was wahr ist und was nicht, sollte keinem Konzern der Welt vorbehalten sein. Die Entscheidung obliegt im Zweifel der Justiz, wie ihr auch die Entscheidung über Hate Speech zukommen sollte.“

    Die Justiz orientiert sich an jenen Gesetzen, welche durch unsere Abgeordneten ….. – sorry, Fehler – durch die EU Komission vorgegeben werden, bzw durch den Justizminister Maas (in notwendiger Abstimmung mit der Kommission) auf den Weg gebracht werden. Was wahr ist, unterliegt also einem EU- demokratischen Prozeß.

    Eine notwendige Bejahung der EU ist ebenso wahr wie der sich vollziehende Klimawandel. Das dürfte irgendwann zu rechtlichen Konsequenzen führen.

    Der Grund könnte darin liegen, daß ein medial-politisches Framing

    https://de.wikipedia.org/wiki/Framing_(Kommunikationswissenschaft)

    nicht in der erwünschten Weise seine Wirksamkeit entfaltet hat, weil Facebook sich für Framing nicht so richtig instrumentalisieren läßt. Facebook ist so etwas wie ein gigantischer Stammtisch, so ähnlich wie Samisdat, an dem unkontrolliert alles mögliche Zeugs palavert wird.

    Selbst in den Wänden der Gefängniszellen finden sich Zeugnisse von Widerstand eingeritzt. Mit freilich geringen Folgen

    Große Konsequenzen wird man erst dann begrenze können, wenn man die Krakseleien, also Facebook aus der öffentlichen Wahr- Nehmung wieder entfernt haben wird.

    Virulent wird das Problem für uns ohnehin erst dann, wenn es wirtschaftlich enger wird. Weil wir beispielsweise zukünftig nur noch Elektro Autos bauen werden, die – das ist nun wahr – unsere Zukunft darstellen sollen.

    Wahrheit ist eine Kategorie, die der naturwissenschaftlichen Beweisführung nicht zugänglich ist. Wahrheit gehört in den Bereich der menschlichen Wertung.

    Sicher ist heutzutage nur, daß nichts mehr sicher ist. Wir haben unser Fundament, die Orientierung nicht etwa verloren, sondern: aufgegeben.

    Genau das wird durch Facebook sichtbar. Aber auch, wenn es nicht sichtbar wäre, würde sich an der Orientierungslosigkeit wenig ändern.

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