„Ohrfeige für alle Freien“ – Freitag-Verleger Augstein wehrt sich gegen DJV-Vorwürfe, eine Autorin im Stich gelassen zu haben

Reskis (r.) Klage gegen  Augstein wird am 29. September 2017 vor dem LGH verhandelt
Reskis (r.) Klage gegen Augstein wird am 29. September 2017 vor dem LGH verhandelt

Die freie Autorin Petra Reski, Expertin für Mafia-Themen, fühlt sich von der Wochenzeitung Der Freitag im Stich gelassen. Als sie wegen eines dort erschienen Artikels von einem Geschäftsmann auf Unterlassung verklagt wurde, ließ die Zeitung sie auf den Kosten sitzen. Der DJV bezeichnet dies als "Ohrfeige für alle Freien". Freitag-Verleger Jakob Augstein widerspricht. Er hält es für richtig, dass die Autorin ihre Rechtskosten selbst trägt, da sie "ihre Vorwürfe nicht belegen konnte".

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In der Sache geht es um den Artikel „Die Bosse mögen’s deutsch“ aus dem Freitag vom 17. März 2016. Darin beschrieb Pera Reski Deutschland als wichtige Basis für die kriminellen Aktivitäten der Mafia, mit besonderem Schwerpunkt auf Ostdeutschland. Dort könnten „die Verbrecher fast ungestört walten“, wie es im Inhaltsverzeichnis des Freitag heißt. Der Artikel selbst wurde aus dem Online-Archiv entfernt.

Grund ist die Klage eines Geschäftsmanns aus Leipzig, der im Text mit seinem Namen genannt wurde. Das Landgericht Leipzig gab dem Kläger recht. Wie die FAZ in einer Rekonstruktion des Falles schreibt, wurde Petra Reski am 24. Februar 2017 auf Unterlassung der Verbreitung verurteilt und das Urteil gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 5.000 Euro für vorläufig vollstreckbar erklärt. Die FAZ verweist darauf, dass es Praxis ist, dass eine Zeitung einer Autorin oder einem Autoren rechtlich beisteht, wenn es Ärger gibt. „Der Freitag aber hat gar nicht erst versucht, seiner Autorin beizuspringen, sondern den Artikel ohne Rücksprache mit ihr gleich von der Internetseite gelöscht“, schreibt die FAZ, „damit übernimmt Augstein nicht nur ungeprüft die Entscheidung aus Leipzig, sondern diskreditiert auch die zuvor von der Zeitung geschätzte Autorin und teilt mit, was eine freie Mitarbeit beim Freitag bedeuten und kosten kann.“

Freitag-Verleger Jakob Augstein sagte der FAZ dazu: „Redaktionen sind keine Rechtschutzversicherung für mangelhafte Recherche.“ Für den Deutschen Journalisten Verband (DJV) kommentierte Hendrik Zörner den Fall: „Kein Wort darüber, dass Petra Reski seit Jahren über die Mafia recherchiert, dass sie als Expertin auf diesem Gebiet gilt. Augsteins Satz ist eine Ohrfeige für alle Freien.“

Auf Nachfrage von MEEDIA erklärt Jakob Augstein: „Wenn wir Artikel von Autoren in der Zeitung drucken, müssen wir uns auf gewissenhafte Recherchen verlassen. Wenn es dennoch zu rechtlichen Problemen kommt, stehen wir selbstverständlich zu unseren Autoren. Das haben wir in der Vergangenheit so gehalten und werden es auch künftig tun.“ Der Fall Petra Reski sei jedoch besonders gewesen. Sie habe in ihrem Text einen Klarnamen genannt, von dem sie gewusst habe, dass sie ihn nicht nennen durfte. „Wir haben den Fehler begangen, diesen Namen abzudrucken.  Ganz ausdrücklich: das war unser Fehler, den wir  sehr bedauern“, so Augstein. Gegenüber der Gegenseite habe Der Freitag die Kosten übernommen. Dass Frau Reski ihre Rechtskosten selbst zahlen muss, hält der Verleger nach wie vor für richtig. „Sie hat ihren Prozess verloren – weil sie ihre Vorwürfe nicht belegen konnte“, so Augstein.

Die Tatsache, dass OK-Vorwürfe (Organisierte Kriminalität) schwer zu belegen sind, entbinde einen nicht von der der journalistischen Sorgfaltspflicht, so Augstein weiter. Immerhin hatte derselbe Kläger laut FAZ bereits in einem weiteren Fall vor der Veröffentlichung des Freitag-Artikels Recht bekommen. Damals hatte er dagegen geklagt, dass er in dem MDR-Beitrag „Provinz der Bosse – Die Mafia in Mitteldeutschland“ identifizierbar dargestellt worden sei. Frau Reski bezog sich in ihrem Freitag-Text auf jenes Urteil zur MDR-Dokumentation. Sie hat also offenbar gewusst, dass die Nennung des Namens rechtlich heikel sein muss.

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Alle Kommentare

  1. Also, wenn die Redaktion ihr das abnimmt und zur Veröffentlichung frei gibt, ist sie dran und nicht die Autorin. Das Blatt gehört doch nicht ihr, einer Freien Mitarbeiterin.

    Alles andere ist Unsinn.

  2. Herr „Schweini…“ hat mit seinem Post recht: Es ist völlig unprofessionell von Augsteins und seinen „Freitag“-Redakteuren, den Mafia-Text nicht juristisch auf eventuelle Schwachstellen zu prüfen, gemeinsam mit der sicherlich (über)engagierten Autorin – und mit einem akribischen Justiziar. Alle investigativen Redaktionen sichern sich so ab. Der „Freitag“ müsste für diese Unterlassung der Chefredaktion selbst voll haften.
    Die fahrlässige Praxis von Augsteins „Freitag“-erinnert an den Born-Fälscher-Skandal von Stern-TV, bei dem sich der damalige Chefredakteur Günther Jauch auch eine genauere Prüfung der zweifelhaften Born-„Enthüllungen“ ersparte. So rutschen 14 total (!) gefälschte Filme durch – und der erfahrene Jauch will nichts bemerkt haben??
    Wenn jetzt ausgerechnet auch noch Jürgen Todenhöfer als „Prüfer“ beim „Freitag“ mitmischt, dann wird das dort nicht der letzte Reinfall gewesen sein.

    1. Der Freitag ist ja in der Vergangenheit nicht wirklich als Enthüllungsblatt in Erscheinung getreten. Frau Reski hat da vermutlich bei dem Honorar eher ne Drittverwertung von bereits Vorhandenem angestrebt und nicht damit gerechnet das da juristisch was passieren könnte.
      Bei all dem was man über ihre Selbstinszenierung als (bedrohte) Mafia-Enthüllerin so weiß, und was sie, wenn man das alles ernst nehmen könnte dann auch wirklich selber wissen sollte, sehe ich da in erster Linie sie in der Verantwortung vernünftig und unangreifbar zu recherchieren. Aber das scheint wohl eigentlich noch nie so richtig ihr Ding gewesen zu sein.

      1. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wenn Reski als windig gilt, hätte der Freitag erst recht genau hinschauen müssen.

  3. oehm…er heißt Domenico Giorgi und ist aus Erfurt abgetaucht. Das Lokal hat jetzt einen anderen klangvollen Namen: Pavarotti….und wird von Armeniern betrieben…..Giorgi lebt jetz in Weimar.
    Für mich bietet sich ehe folgendes Bild.
    Entweder ist Jakob Augstein massiv unter Druck geraten, denn nicht von ungefähr hat er seine Herausgeberschaft vom FReitag Ende Dezember 2016 an Herrn Jürgen Todenhöfer abgetreten. Oder – für mich wahrscheinlicher – Augstein ist selbst Pate, irgendwo muss er ja seine Millionen arbeiten lassen…

  4. Es empfiehlt sich doch sehr, den ausführlichen FAZ-Artikel zu lesen. – Im übrigen ist es völlig unprofessionell, solch einen kitzligen Text nicht vorher gemeinsam mit der Autorin juristisch wasserdicht zu machen.

    1. Ihr Wunschdenken ist leider ziemlich praxisfern. Nicht jede Redaktion kann sich ne Dok.abteilung leisten. In der Zusamenarbeit mit Freien ist Vertrauen ein wichtiger Aspekt und für langfristige Kooperation das größte Kapital. Das Frau Reski da jetzt solche Wellen schlägt und die Schuld auf andere schiebt, lenkt von ihrer eigenen Verantwortung ab und ist der Versuch zu retten was nicht zu retten ist – nämlich das sich Redaktionen, die sich eine aufwändige juristische Prüfung im Vorhinein nicht immer leisten können, zukünftig genau überlegen werden, ob sie von dieser selbsternannten investigativen Mafiajägerin noch Texte abnehmen.

      1. Wieso Dok-Abteilung? Das sollte ein erfahrener CvD schon erkennen. Namensnennung ist doch immer das erste, worüber man bei der Abnahme stoplert. Und so wie das Thema hier überall skizziert wird, ist das hier eindeutig, dass der Name da nicht hingehört. Da haben eben beiden Instanzen gepennt: Autorin und abnehmender Redakteur.

  5. Jetzt würde man doch gerne wissen, wer dieser Mann ist, der bereits 2x zur Mafia gezählt wurde, zweimal vor Gericht hingegen Recht bekam? Ich mein, diese Info diskreditiert ihn ja nicht, da kann man den Namen ja ruhig nennen?

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