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Vermarktergipfel in Berlin: Media Impact-Chef Nienhaus stemmt sich gegen Visionen von Manfred Braun

Zeitungsmanager: Springer-Vertriebschef Christian Nienhaus (re.) und Funke-Geschäftsführer Manfred Braun
Zeitungsmanager: Springer-Vertriebschef Christian Nienhaus (re.) und Funke-Geschäftsführer Manfred Braun

Media Impact-Chef Christian Nienhaus hat sich gegen Überlegungen von Funke-Geschäftsführer Manfred Braun ausgesprochen, in Deutschland einen Supervermarkter in der Anzeigenvermarktung zu bilden. Nienhaus halte nichts von Monopolstrukturen. Er will mit dem zu Springer und Funke gehörenden Vermarkter weiterhin eigenständig bleiben. Auch Score-Chef Heiko Genzlinger ist gegen einen Mega-Zusammenschluss in der Vermarkter-Branche, um sich besser gegen Google oder den TV-Konzernen zu behaupten.

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Es waren gewagte Überlegungen. Ende vergangenen Jahres warb Manfred Braun, Geschäftsführer der Essener Verlagsgruppe Funke, für einen Schulterschluss der deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Gegenüber der Fachzeitschrift Werben & Verkaufen erklärte der Manager, dass sich in Deutschland ein Supervermarkter bilden sollte. Zunächst denke er an einen „Zusammenschluss innerhalb der Print-Gattungen“, mittelfristig aber „auch an elektronischen Medien“. Nur dadurch könnten die Medienhäuser den Wettkampf mit den großen TV-Konzerne wie ProSiebenSat.1 und RTL sowie Google aber auch gegenüber den Media-Agenturen bestehen, meinte der Funke-Geschäftsführer. Die Haltung der Verlage erinnere ihn an die deutschen Kleinstaaten vor 1871. „Wir müssen uns aus der Engstirnigkeit der Kleinstaaterei befreien“, appellierte Braun damals.

Doch die Konkurrenz scheint von Brauns Visionen wenig erbaut. Christian Nienhaus, Chef des Vermarkters Media Impact, sprach sich auf dem gestrigen Vermarktergipfel des Bundesverbands deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin gegen einen solchen Supervermarkter aus. Die Vermarkterbranche sei ein „Oligopol und bleibt ein Oligopol, was besser ist als ein Monopol“, betont Nienhaus. Auch Heiko Genzlinger, Chef des Regionalzeitungsvermarkters Score Media, stemmt sich gegen eine branchenweite Allianz in der Anzeigenvermarktung. „Ich sehe keinen Grund, warum es nur einen Vermarkter geben sollte“, betont der ehemalige Deutschland-Chef von Yahoo auf dem Vermarktergipfel. Braun dürfte mit seinem Vorstoß ohnehin am Kartellamt scheitern. Die Bonner Wettbewerbshüter hatten vor einigen Jahren die Anzeigenehe zwischen Axel Springer und der Funke Mediengruppe nur unter der Bedingung genehmigt, dass die Zeitungen der ehemalige WAZ-Gruppe von einem zweiten Anbieter vermarktet werden müssen. So ist Funke neben Media Impact auch an dem Vermarkter Score Media beteiligt.

Obwohl sich Nienhaus gegen einen gesellschaftsrechtlichen Schulterschluss in der Branche wendet, sieht der Manager jedoch die Notwendigkeit, dass die Vermarkter ihre Interessen bündeln sollten. Dies gelte vor allem in Bezug auf die neue EU-Datenschutzgrundverordnung. „Die Verbraucherschutzpolitiker der EU sind gerade dabei, den klassischen Vermarktern den Saft abzudrehen“, erklärte der MI-Chef. Das Problem: Die neue EU-Verordnung erschwere den Vermarkter den Umgang mit Daten von Usern, die auf Verlags-Webseiten surfen, ohne sich zu registrieren. Facebook und Apple seien hier im Vorteil. Sie können problemlos über die Daten verfügen, weil die Nutzer immer wieder die neuesten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) akzeptieren müssten. Kritisch sieht Nienhaus auch, dass die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) seit Jahresanfang die klassischen TV-Quoten und die Reichweite von Onlinevideo-Streaming in einem gemeinsamen Datensatz ausweist. Dadurch sei es für Media Impact als Print- und Online-Vermarkter viel schwieriger, sich gegen die Fernsehvermarkter zu behaupten.

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