Presserat beschäftigt sich mit Breitscheidplatz-Berichten und rügt Schleichwerbung bei Bravo Online

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Die Berichterstattung über den Terror-Anschlag vom Berliner Breitscheidplatz, das umstrittene Trump-Köpf-Cover des Spiegels und die Replik von Charlie Hebdo: Der Presserat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit harter Nachrichten-Berichterstattung und entschied überwiegend im Sinne der veröffentlichenden Medien. Allerdings sprachen die Berliner auch fünf Rügen aus. Bravo Online fiel wegen Schleichwerbeverstößen gleich doppelt negativ auf.

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Als kurz nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, die Aufarbeitung der medialen Berichterstattung begann, wurde lebhaft über ein Handy-Video diskutiert, das ein Reporter der Berliner Morgenpost unmittelbar am Tatort aufgenommen hatte und das von der Redaktion sowohl Online, wie auch via Facebook veröffentlicht worden war.

Auch im Beschwerdeausschuss des Presserates war das Material ein wichtiges Thema. Die Medienwächter kamen allerdings zu dem Schluss, dass die Darstellung weder unangemessen sensationell gewesen sei, noch seien Persönlichkeitsrechte verletzt worden. Ebenfalls als unbegründet bewertet wurde die Beschwerde gegen die identifizierbare Abbildung des getöteten Lastwagenfahrers sowie weiterer Opfer, deren Angehörige sich selbst an die Öffentlichkeit gewandt hatten.

Mit einer Missbilligung sanktioniert das Gremium hingegen die Darstellung der Leiche des Attentäters in einer Tageszeitung. „Über den Attentäter selbst durfte nach Ansicht des Presserats aufgrund der Dimension der Tat identifizierend berichtet werden, jedoch überschreitet die explizite Darstellung der Leiche in Nahaufnahme die Grenze zur Sensationsberichterstattung nach Ziffer 11 des Pressekodex“, heißt es in der Erklärung.

Ebenfalls ein Thema waren die umstrittenen Titelseiten des Spiegels und der Charlie Hebdo, in denen jeweils Donald Trump bzw. Angela Merkel mit blutigen Messern zu sehen waren. Zum Spiegel erklärte der Presserat:

Die Karikatur ist zwar provokant, aber ein zulässiger Beitrag im Rahmen der politischen Berichterstattung, der von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Die Redaktion setzt sich in Form einer satirischen Karikatur in überspitzter Art und Weise mit dem umstrittenen Agieren des US-Präsidenten und seinem Verständnis von Freiheit auseinander. Zu sehen ist, wie der US-Präsident den abgeschnittenen Kopf der Freiheitsstatue in der Hand hält. 21 Leser hatten sich beschwert und unter anderem kritisiert, dass die Darstellung Trumps diffamierend und ehrverletzend sei. Beide Vorwürfe treffen nach Ansicht des Presserats nicht zu.

Auch die Beschwerden gegen Charlie Hebdo wurden als unbegründet bewertet.

Bild Online wurde gleich zwei Mal gerügt. In beiden Fällen sahen die Medienwächter einen Verstoß gegen die Ziffer 8 des Pressekodexes – also eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten. So berichtete die Redaktion über den Unfall einer jungen Frau ein einer eindeutig identifizierbaren Art und Weise. Zudem störte sich der Presserat an der Berichterstattung über den Vergewaltigungs-/Mordfall von Freiburg. Dort hatte Bild Online zunächst ein privates Foto des Opfers unverpixelt veröffentlicht. Allerdings verpixelte die Redaktion das Bild später und entfernte es dann gänzlich aus den Beitrag. Offenbar lag keine Zustimmung der Angehörigen zur Veröffentlichung des Fotos vor.

Ebenfalls zwei Rügen kassierte Bauers Bravo wegen Verstöße gegen die Trennung von Werbung und Redaktion. In dem einen Fall störten sich der Presserat an insgesamt 20 Instagram-Postings, in denen sich das Jugendmagazin begeistert über den Gebrauch von bestimmten Produkten geäußert hatte. Allein 16 Postings sollen von Artikeln nur einer Kaffeehaus-Kette behandelt haben. „Dabei wurden Marken- und Produktnamen prominent herausgestellt. Die werbliche Besprechung der Produkte ging nach Meinung des Gremiums dabei deutlich über das Leserinteresse hinaus und ist gemäß Richtlinie 7.2 als Schleichwerbung zu werten.“ In einem anderen Fall störte sich der Presserat an einer nicht ausreichend gekennzeichneten Anzeige bei Bravo Online.

Ebenfalls wegen der mangelnden Trennung von Redaktion und Werbung wurde zudem das Top Magazin Rhein-Neckar gerügt.

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