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Neuer Politik-Podcast bei Spiegel Online: „Stimmenfang“ will Wutwählern auf den Zahn fühlen

Yasemin Yüksel (l.) und Sandra Sperber gehen für Spiegel Online auf „Stimmenfang“
Yasemin Yüksel (l.) und Sandra Sperber gehen für Spiegel Online auf "Stimmenfang"

Spiegel Online hat die erste Folge des neuen Politik-Podcasts „Stimmenfang“ veröffentlicht. Zum Auftakt fühlen Sandra Sperber und Yasemin Yüksel den so genannten Wutwählern auf den Zahn. Der Podcast ist eine gelungene Bereicherung, braucht aber womöglich noch ein bisschen Zeit, bis er seine eigene Stimme findet.

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Audio-Podcasts sind eigentlich ein tolles Medium. Es gibt keine Längen-Beschränkungen, man kann sie streamen oder runterladen, abonnieren und sie eignen sich hervorragend zum Nebenbeihören beim Joggen, Gassigehen oder beim abendlichen Abwasch. Warum also eigentlich eigentlich? Das Format gilt in vielen Medienhäusern leider als Nischenthema. Vermutlich weil sich im Zweifel mit schnell konsumierbaren Texten oder Videos mehr Reichweite erzielen lässt.

Außerdem ist die Vermarktung von Podcasts formatbedingt schwierig. Meist wird zu Beginn ein Sponsor genannt, das war es dann. Die Refinanzierung ist damit für private Medienhäuser nicht eben leicht und so kommen die meisten gehaltvollen Podcasts in Deutschland von den öffentliche-rechtlichen Sendern, die per se keine Geldprobleme haben, oder es handelt sich um Privat-Initiativen.

Dass man sich bei Spiegel Online dem Format Podcast im Superwahljahr nähert, ist daher zuallererst einmal zu begrüßen. Und schon in der ersten Folge von „Stimmenfang“ wird vieles richtig gut gemacht. Die Länge ist mit rund 15 Minuten angenehm, allerdings darf es auch gerne ein bisserl mehr sein. Podcast-Hörer sind mittlerweile durchaus längere Formate gewöhnt, so etwa ab einer halben Stunde aufwärts. Inhaltlich setzt sich die erste Folge von „Stimmenfang“ mit dem Phänomen Wutwähler auseinander. Die Autorinnen haben dafür zornige Lesermailschreiber um Telefon-Interviews gebeten. Fünf Leser waren bereit, mitzumachen.

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Das Stimmungs- und Stimmenbild ist recht beeindruckend, wenn auch wenig überraschend. Merkel muss weg, SPD und CDU sind nicht mehr zu unterscheiden, einem selbst gehe es dabei aber eigentlich gut usw. Man kennt diese Aussagen. Auch das Gespräch mit einem AfD-Politiker beim so genannten „Merkel muss weg“-Mittwoch vor dem Kanzleramt, ist nett anzuhören, bringt aber keine neuen Erkenntnisse. Ein Gespräch mit einem Parteienforscher oder Soziologen wäre hier vielleicht interessanter gewesen.

Die vielen O-Töne machen Stimmenfang „lebendig“ und gut hörbar, die ganze Atmo geht aber so ein bisschen auf Kosten des Inhalts. Macht aber nix, ist ja die erste Folge. Immerhin hat Spiegel Online mit einem Lohnsteuerhilfeverein gleich einen Werbepartner für das Projekt Podcast gefunden. Ein Projekt, dem eine weitere Zukunft zu wünschen ist.

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Alle Kommentare

  1. Habs mir angehört. Kein schlechtes Format, nüchtern aufbereitet und die „Wutbürger“ kommen recht lange, und wichtig für diese, „unzensiert“ zu Wort.
    Interessant für mich war, dass außer dem AfD Mann, der Woche für Woche vor dem Kanzleramt sein „Merkel muss weg“ skandiert, alle anderen die Revolution vom Sofa aus bewerkstelligen wollen. Da werden seitenlange Kommentare im Internet verfasst und Emails an Politiker geschrieben. Digitale Revolution eben…..:-) Drängt sich der Verdacht auf, dass der „Wutbürger“ ganz schön bequem ist.

  2. Der Spiegel … immerhin empfindet man es als „Bereicherung“. Die Worthülsen sagt schon alles aus.

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