Breitbart-Boykott: Wie Unternehmen ihre Anzeigen auf Breitbart entfernen wollen – und warum das nicht so einfach ist

Werbenetzwerke wie Taboola geben weiterhin Werbung auf Breitbart aus. Für Marken ist das ein Problem.
Werbenetzwerke wie Taboola geben weiterhin Werbung auf Breitbart aus. Für Marken ist das ein Problem.

Immer mehr Unternehmen wollen keine Werbung mehr auf rechten Webseiten wie Breitbart.com zeigen, damit ihre Marke nicht in Verbindung mit rassistischen Inhalten gerät. Doch nicht immer ist das so einfach, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Grund dafür ist das komplexe System, über das die Werbung auf die Webseiten gelangt.

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Werbetreibende sind darauf bedacht, ihre Anzeigen im richtigen Umfeld zu platzieren. Die rechtsextreme US-Seite „Breitbart News“ gehört für viele Firmen nicht dazu. Schließlich sind auf der Seite auch rassistische und aufhetzende Inhalte zu finden, mit der keine Marke in Verbindung gebracht werden möchte.

Immer mehr Unternehmen boykottieren die Webseite daher. Laut der Twitter-Initiative „Sleeping Giants“, die Werbekunden dazu auffordert, Seiten wie Breitbart.com auf eine schwarze Liste zu setzen, haben sich mittlerweile über 1.500 Marken dem Breitbart-Boykott angeschlossen – darunter Visa, Nestle und BMW. Der Nebeneffekt: Breitbart gehen dadurch Werbeeinnahmen verloren, durch die sich das Portal finanziert.

Doch so einfach, wie es scheint, ist es nicht. Auch wenn Unternehmen das Portal auf eine schwarze Liste setzen, erscheint ihre Werbung dort zum Teil trotzdem. Grund hierfür sind die Werbemechanismen, die sich bei Online-Anzeigen mittlerweile eingebürgert haben. Viele Marken verhandeln nicht mit der Seite selbst über die Werbung, sondern lassen dies von Drittunternehmen tun, die sich darauf spezialisiert haben. Damit können sie mit weniger Mitteln auf wesentlich mehr Seiten werben. Auch ihre Zielgruppe können sie dadurch besser erreichen. Das Problem: Sie verlieren auch die Kontrolle darüber, wo ihre Werbung angezeigt wird.

Auch wenn Werbende Breitbart mit allen Mitteln blocken wollen, wird ihre Werbung auf der Seite trotzdem ausgespielt – zum Beispiel über das Kommentarsystem der Website. Dieses stammt vom kalifornischen Unternehmen Disqus. Dafür, dass Breitbart das System verwenden kann, spielt Disqus Werbung auf der Seite aus. Hat ein Unternehmen bei Disqus Werbung gebucht, wird diese also womöglich auch bei Breitbart angezeigt.

Disqus hat inzwischen auf die Beschwerden der Unternehmen reagiert und die Werbung auf Breitbart zurückgezogen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Doch das Problem besteht bei etlichen anderen Werbeverteilern weiterhin.

Einige dieser Unternehmen, die Werbung für Marken auf Webseiten verteilen, haben Breitbart mittlerweile aus ihrem Kundenstamm entfernt. Darunter etwa AppNexus, das als größter unabhängiger Ad-Tech-Anbieter der Welt gilt, oder das Werbe-Netzwerk Omnicom. Doch die Anbieter Taboola, Google und Facebook verteilen die Werbung auch weiterhin auf Breitbart, was von der Nutzergemeinschaft durchaus kritisch gesehen wird. Unter dem Hashtag #DeleteTaboola rufen etliche Nutzer etwa dazu auf, das Werbenetzwerk zu boykottieren.

Die Problematik der fehlenden Kontrolle vieler Unternehmen über ihre Werbeanzeigen im Netz ist keine neue – und nicht nur in den USA existent. Auch in Europa wollen Werbetreibende nicht mit rechtsextremen Inhalten in Verbindung gebracht werden. Jüngst beschwerten sich zahlreiche Unternehmen etwa, dass Google ihre Anzeigen bei der Videoplattform Youtube auch bei homophoben Videos ausgespielt hat. Der Konzern hat sich am Montag deshalb öffentlich entschuldigt.

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Alle Kommentare

  1. Kann auch nach hinten los gehen, wenn z.B. die Leser von Breitbart entscheiden diese Marken in Zukunft einfach nicht mehr zu kaufen.

    Gleichzeitige können manche Marken durch den Boykott auch nichts gewinnen. Ein böser Konzern wie Nestle der in Afrika das Grundwasser abpumpt, reinigt und in Flaschen gefüllt an die Bewohner von Slums verkauft in denen es keine Trinkwasserversorgung gibt wird durch den Werbeverzicht bei Breitbart bestimmt nicht besser…

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