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Von „hochspannend“ bis „mutlos“: Das Medienecho zur neuen Schweighöfer-Serie „You Are Wanted“ bei Amazon

Die Pressestimmen zu Matthias Schweighöfers Amazon-Serie „You Are Wanted“ fallen durchwachsen aus
Die Pressestimmen zu Matthias Schweighöfers Amazon-Serie "You Are Wanted" fallen durchwachsen aus

Heute startet die Amazon-Serie "You Are Wanted" von und mit Matthias Schweighöfer in über 200 Ländern. Das Medienecho ist dementsprechend groß: Von einem "Ausrufezeichen hinter deutsche Thrillerfiction" (Quotenmeter) bis zu einem "Paradebeispiel der Erwartungsökonomie" (Tagesspiegel) ist die Rede. Insgesamt kommt der Hacker-Krimi, der "streckenweise dann doch stärker an einen Tatort erinnert" (Süddeutsche Zeitung), nicht allzu gut weg.

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Von „You Are Wanted“ erhoffe sich Amazon Prime Video, „dass sie alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt“, so Christoph Schneider (Geschäftsführer Amazon Prime Video in Deutschland) im Interview mit MEEDIA. Ein Blick auf die Pressestimmen offenbart: Die sechsteilige Thriller-Serie, in der Matthias Schweighöfer zur Marionette eines mächtigen Hackers wird, scheint den Erwartungen nicht unbedingt gerecht zu werden.

So schreibt etwa Joachim Huber vom Tagesspiegel, dass „‚You Are Wanted‘ glänzt und übertreibt“:

„You Are Wanted“ ist ein Paradebeispiel der Erwartungsökonomie. Eine Story, fokussiert auf die männliche Hauptrolle, die wiederum auf ihren Star fokussiert ist. Das müsste funktionieren. Die Amazon-Serie ist ambitioniert genug, kein allzu starkes Gefälle zum Umfeld zuzulassen. (…) Die Serie wird zur Schussfahrt, auch dank einer sehr respektablen Cliffhanger-Dramaturgie. „You Are Wanted“ wird atemlos, der Zuschauer kriegt den Mund nicht zu. (…) Amazon Prime Video riskiert es.

Bei Harald Staun von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist die Serie gnadenlos durchgefallen:

Bei „You Are Wanted“ fehlt nicht nur der Stahlträger, es fehlen ganze Etagen. Dafür gibt es Treppen, die ins Nichts führen, und Wände, die spektakulär zusammenbrechen. Drinnen gibt es dafür jede Menge überflüssige Möbel und gebügelte Tischdecken. Wenn man so will, ist es am Ende doch eine typische Amazon-Serie: Man hat so etwas noch nie gesehen

Auch Katharina Riehl von der Süddeutschen Zeitung ist nicht überzeugt:

Während ARD und ZDF den Serienboom bislang sehr öffentlich-rechtlich – also weitgehend frei von erzählerischen Risiken – begleitet haben, verheißen Amazon und Netflix ein radikal anderes Fernsehen. Genau das ist „You Are Wanted“ aber nicht. (…) Ziel sei es, in Deutschland die am meisten abgerufene Serie in der Geschichte des Streamingdienstes zu werden, sagt Schneider. Das schafft man nur, wenn man sich mit seinen Darstellern und seiner Geschichte an ein großes Publikum richtet. Das ist vermutlich der Grund, dass You Are Wanted streckenweise dann doch stärker an einen Tatort erinnert als an das von Schweighöfer bemühte House of Cards.

Für Jörg Isringhaus von der Rheinischen Post kommt die Serie zu „mutlos“ daher (kostenpflichtig):

So weit, so vorhersehbar wie irgendwann schon mal gesehen. Tatsächlich gelingt es Regisseur Schweighöfer kaum, den konfektionierten Erzählraum gewohnter deutscher Serienkost zu durchbrechen, den Zuschauer zu fordern und ihn mitzunehmen auf einen irren Ritt, wie es etwa die Amazon-Hacker-Serie „Mr. Robot“ exerziert. Abgesehen vom fulminanten Start kommt „You Are Wanted“ oft zu betulich und mutlos daher, als würde Schweighöfer seinem Publikum zu wenig zutrauen. So wird, wie gerne im deutschen Fernsehspiel, zu viel geredet und zu viel erklärt.

Matthias Schweighöfer setzt mit seiner sechsteiligen Miniserie „You Are Wanted“ ein Ausrufezeichen hinter deutsche Thrillerfiction. (…) In den ersten beiden Episoden von „You Are Wanted“ kündigt sich Matthias Schweighöfers erstmaliger Ausflug ins Genre- und Fernsehfach als hochspannende deutsche Antwort auf das britische TV-Phänomen „Black Mirror“ an. Sollte die Serie dieses Niveau bis zum Ende durchhalten, appellieren wir jetzt schon einmal an die Schöpfer von „You Are Wanted“, doch bitte jetzt schon über das nächste Projekt nachzudenken.

Auch Carsten Heldböhmer von stern.de ist angetan:
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Die Serie ist richtig gut geworden. Das liegt auch daran, dass „You Are Wanted“ anders vorgeht als die meisten Thriller. Anstatt das Tempo mit vielen hektischen Schnitten von Anfang an hoch zu halten und dem Publikum ein verworrenes Handlungsdickicht vorzusetzen, das nach und nach entworren wird, wählt Schweighöfer den umgekehrten Weg. Er baut die Geschichte ganz langsam auf (Schnitt: Andreas Menn) und führt die Figuren erst einmal in aller Ruhe ein. Umso mehr fiebert der Zuschauer mit, wenn der Held plötzlich aus der Bahn geworfen wird.

Für Frank Preuß vom Hamburger Abendblatt ist die Serie noch „ein sehr vorsichtiger Ausflug“:

In seiner Berechenbarkeit fesselt so auch das Geschehen nicht wirklich. Zwar taumelt Franke von einem Schrecken zum nächsten, es mangelt nicht an erzählerischem Tempo. Doch der Hacker, der sich „Gott“ nennt und offenbar mehrere Opfer als Marionetten für sich tanzen lässt, bleibt diffus und ohne erkennbares Motiv: Man interessiert sich nicht wirklich für ihn. Keine gute Voraussetzung, um sechs Teile durchzuhalten. Fazit: Die erste deutsche Serie bei einem Streamingdienst – ein noch sehr vorsichtiger Ausflug. Da muss mehr kommen.

Es rächt sich, dass „You Are Wanted“ die One-Man-Show von Matthias Schweighöfer ist. Es war keine so gute Idee, den Atlas zu spielen, auf dessen Schultern alles lastet. Das merkt man dem Handlungsgerüst, der Dramaturgie, den Dialogen (der LKA-Ermittler: „Ich will in ihren Kopf!“, der Hacker: „Stell dir einfach vor, ich bin Gott“) und der Schauspielführung an. Matthias Schweighöfer hat Mühe, seiner Figur all die Facetten zu geben, die sie braucht.

Nein, You Are Wanted spielt nicht in einer Liga mit Hacker-Shows wie Mr. Robot. Aber dass eine Serie sich mit fortschrittlicher Technologie auseinandersetzt und sich dann auch noch die Mühe macht, diese Technologie wirklich verstehen zu wollen, das macht schon Spaß. Hinzu kommen die durchaus ansehnliche schauspielerische Leistung von Matthias Schweighöfer und eine Verschwörungsstory voller Cliffhanger, die You Are Wanted zu solidem Popcorn-Bingewatching-Material machen.

Auch Adam Soboczynski von Zeit Online erkennt Potenzial:

In der ersten deutschen Serie des Streamingdienstes Amazon Prime Video You Are Wanted, die ab Freitag läuft, ist jedenfalls deutlich das Bemühen zu besichtigen, sich vom Rollenkorsett des schnuckeligen Trottels zu lösen (…) Die zwei ersten Folgen waren für Rezensionen vorab zu sehen, und sie entfalten ein klassisches Thrillerszenario. Sie sind streng plotgetrieben, wie es sich gehört, mit wenig Raum für Charakterentfaltung, was auch nur stören würde. (…) Man möchte die dritte und vierte Folge sehen. Trotz aller berechtigten Kritik an der etwas dick aufgetragenenen Familienrührseligkeit ist dies bei der derzeitigen Serienflut selten genug.

Elmar Krekeler von der Welt hat die Serie nicht abgeholt:

Kennen wir schon? Kennen wir schon. Ein Mann wird aus der Mitte der Gesellschaft und aus seinem Anzug geschleudert, verschrammt, verlottert und verliert das Vertrauen zu allem. Es passiert in „You are wanted“ wirklich nichts wirklich Neues.

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