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„Rach der Restauranttester“ – das lau aufgewärmte Comeback des einstigen RTL-Erfolgformats

Hoffnungsloser Fall für Restauranttester Rach: der China King in Hamburg
Hoffnungsloser Fall für Restauranttester Rach: der China King in Hamburg

Am gestrigen Montag feierte Christian Rach seine Rückkehr als „Der Restauranttester“ bei RTL. Das war eine Heimkehr in das Format, das Rach stets am besten passte. Nach vielen Irrwegen, u.a.ins ZDF und mit angeklebten Bärten, macht Christian Rach wieder das, was er am besten kann. Doch der Zauber ist verflogen.

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Rachs erster Fall in der neuen Staffel war ein besonders schwerer: Im Restaurant China King in Hamburg stimmte so ziemlich gar nix. Die Küche war dreckig, die Chefin und Köchin war eigentlich Gynäkologin und konnte als Vietnamesin nicht chinesisch kochen (wie sich später herausstellte, konnte sie überhaupt nicht kochen). Der Kellner wollte eigentlich als Opernsänger Karriere machen und hatte keine Lust.

Nicht nur Christian Rach war war von Beginn an klar, dass hier Hopfen und Malz verloren war. Trotzdem oder gerade deswegen stürzte sich Rach in die unmögliche Aufgabe, den China King zu retten. Rach kochte selbst, entwarf im Handumdrehen ein neues Konzept als „Asia Cuisine“, stellte einen Koch, eine Servicekraft und eine Geschäftsführerin ein und krempelte die Einrichtung um. Das kann er wirklich gut: Aus dem Handumdrehen Restaurant-Konzepte entwerfen und umsetzen. Rach schaut sich eine versiffte Drecksbude an und und macht daraus in kurzer Zeit ein vorzeigbares Restaurant.

Problem: Die Besitzer stören. Und so beschied Rach der völlig überforderten Frauenärztin, sie solle sich am besten ganz raushalten aus ihrem Restaurantbetrieb, weil keine Ahnung vom Kochen und von sonst auch von nix. „Deine Mütze kannst du von mir aus aufbehalten“, erklärte Rach der verdutzten Frau mit Lederkappe auf dem Kopf. Ansonsten solle sie nach der Arbeit in ihrer Praxis ins Restaurant kommen und schön tun. Den Rest würden die von Rach engagierten Kräfte erledigen.

Von Anfang an war klar, dass das nicht klappen würde. Die Chefin schmiss als erste Amtshandlung nach Rachs Abzug gleich mal den von ihm eingestellten Koch wieder raus, weil die Chemie nicht stimmte. Rach war verzweifelt. Sein schönes Konzept wieder kaputtgemacht von der ignoranten Chefin. Natürlich hatte Rach wie immer in allem recht. Aber wie er und sein Team die China King Inhaberin entmachteten und zur Statistin im eigenen Betrieb degradierten, war auch nicht die feine Art. Im Prinzip hätte man der Frau raten müssen, den Laden dichtzumachen und sich auf ihre Arztpraxis zu konzentrieren. Aber dann hätte RTL ja keine Rach-Folge im Kasten gehabt.

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So gesehen hatte dieses Comeback zwar alles, was eine typische Rach-Folge ausmachte, hinterließ aber auch einen leicht schalen Beigeschmack. Rach rettete nicht das Restaurant, er stellte nur einmal mehr unter Beweis, wie er aus dem Nichts einen Gastro-Betrieb aufziehen kann.

Abgesehen davon ist es natürlich auch ein bisschen arm von RTL, das olle Erfolgsformat nun noch einmal aufzuwärmen. Das liegt natürlich daran, dass Rach und der Sender mit allen Versuchen, dem Konzept-Koch ein neues Format zu verpassen scheiterten. In zwei Staffeln versuchte sich Rach an einer Restaurantschule, er deckte vermeintliche und echte Missstände auf und zuletzt klebte er sich bei der Suche nach „Deutschlands Lieblingsrestaurants“ vor lauter Verzweiflung auch noch in Wallraff-Manier falsche Bärte an. Zwischendurch war er mal beim ZDF, wo die beiden Versuche mit „Rach tischt auf“ und „Rach und die Restaurantgründer“ ebenfalls konzeptionell in die Hose gingen. Die Quoten waren zudem überschaubar. Mit seinen Restaurantkonzepten hat Rach ein besseres Händchen, als mit neuen TV-Formaten. Im Zweifel waren die Wiederholungen von alten „Restauranttester“-Folgen stets unterhaltsamer als diese immer neuen Variationen des Original-Restaurantester-Formats. Ein schlechtes Zeichen.

Zur Hoch-Zeit des „Restauranttesters“ hatte RTL neben Rach noch den Schuldenberater Peter Zwegat („Raus aus den Schulden“) und die „Super-Nanny“ Katharina Saalfrank im Programm. Alle Formate funktionierten exzellent, aber das ist die Vergangenheit. Neulich wurde bereits Peter Zwegat für ein Special mit „Naddel“ traurig reanimiert, jetzt schickt der Sender den Restauranttester in eine neue Runde. Rach ist immer noch ein guter Typ und es gibt wirklich schlechteres Fernsehen. So richtig schmecken will sein neuerlicher Auftritt aber nicht. Im Fernsehen ist es halt wie in der Küche: Frisch gekocht ist besser als lau aufgewärmt.

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Alle Kommentare

  1. Ich habe das Gefühl, hier spricht ein zu Distanzierter. Natürlich ist die Menge aufregender Neuigkeiten begrenzt, wenn die 66. Folge von irgendetwas aufgelegt wird. Aber ist es *deswegen* langweilig? Ist Innovation das einzige Bewertungskriterium?

    Mit dem Argument kann man auch die Tagesschau, Borussia Dortmund, Steven Spielberg, und Ludwig van Beethoven für gestrig und langweilig erklären.

    Wenn man aber ein Konzept mag, kann man sich auch an erneuten Anwendungen erfreuen, selbst wenn nicht alles auf den Kopf gestellt wird. Der Rezensent hat’s ja selbst erkannt, dass das Aufdenkopfstellen das Ergebnis eher schlechter gemacht hat. Zwanghafte Suche nach dem Anderen, bloß weil es anders ist, ist ganz sicher nicht das Patentrezept.

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