Volle Konzentration auf deutsche Sendergruppe: Anke Schäferkordt gibt CEO-Posten bei der RTL Group ab

RTL-Co-CEO Anke Schäferkordt zieht sich aus der Führung des luxemburgischen Konzernes zurück – Bert Habets übernimmt.
RTL-Co-CEO Anke Schäferkordt zieht sich aus der Führung des luxemburgischen Konzernes zurück – Bert Habets übernimmt.

Anke Schäferkordt, Chefin der deutschen Mediengruppe RTL und Co-CEO der darüber stehenden Holding RTL Group, gibt ihren Chefposten im luxemburgischen Konzern ab. Die Personalie kommuniziert das Unternehmen einen Tag vor Veröffentlichung der Geschäftszahlen 2016. Schäferkordt wolle sich zukünftig auf ihre anderen Rollen innerhalb des Bertelsmann-Konzernes konzentrieren. Bei der RTL Group folgt ihr Bert Habets, Chef von RTL Niederlande.

Anzeige

Neben ihrem CEO-Posten bei der RTL Group werde Schäferkordt auch aus dem Verwaltungsrat ausscheiden, heißt es in einer Mitteilung. Zukünftig wolle sie sich „ganz auf die Führung der Mediengruppe RTL Deutschland“ sowie auf ihren Vorstandsposten innerhalb des Bertelsmann-Konzernes konzentrieren. Dieser ist Mehrheitsaktionär der RTL Group, dessen wirtschaftlicher Erfolg der vergangenen Jahre auf die deutsche RTL-Gruppe zurückzuführen ist.

Der Zeitpunkt der Personalie kommt überraschend. Am morgigen Donnerstag präsentiert der Konzern mit Hauptsitz in Luxemburg seine Jahresbilanz 2016. Wie in den vergangenen Jahren werden mindestens stabile Zahlen erwartet. Der Konzern gab zuletzt Wachstumserwartungen zwischen 2,5 und fünf Prozent heraus. Vergangenes Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Rekordumsatz von 6,03 Milliarden Euro und ein Ebitda von 1,167 Milliarden Euro. Dass Schäferkordts Rückzug von der Unternehmensspitze bereits am Mittwoch bekannt gegeben wurde, liegt an der Börsennotierung und der damit einhergehenden Pflicht zur Veröffentlichung. Die RTL-Aktien werden seit 2013 an der Frankfurter Börse gehandelt.

Ihre Rolle im Vorstand der RTL Group wird Bert Habets übernehmen. Er ist derzeit CEO der RTL-Gruppe in den Niederlanden. In Luxemburg wird er die Geschäfte gemeinsam mit Guillaume de Posch führen, der seinen Vorstandsposten behält. Auch CFO Elmar Heggen bleibt an Bord. Anders als Schäferkordt wird Habets seine bisherige Position nicht behalten. Einen Nachfolger für die Geschäftsführung in den Niederlanden wolle man aber zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.

Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender des Bertelsmann-Konzerns: „Ich bedauere, aber respektiere die Entscheidung von Anke Schäferkordt uneingeschränkt und freue mich sehr, dass sie weiterhin unsere größte Geschäftseinheit führen und ausbauen wird.“ Für diese lief es in den vergangenen Jahren äußerst gut. Die deutsche Tochter gilt als Cash-Cow des Konzerns. Der operative Gewinn der deutschen Mediengruppe lag im Geschäftsjahr 2015 bei 684 Millionen Euro. Bei Amtsantritt von Schäferkordt im Jahr 2005 waren das noch 240 Millionen Euro.

Unter Schäferkordts Ägide wurde vor allem die Fragmentierung des Fernsehmarktes vorangetrieben, die eigenen Sendermarken wurden um Angebote, die auf spezielle Zielgruppen zugeschnitten sind, erweitert. Ihr Motto: Bevor uns der Markt fragmentiert, fragmentieren wir uns lieber selbst. Auf Konzernebene in Luxemburg trieb die ehemalige Controllerin vor allem das Digitalgeschäft mit so genannten Multichannel Networks voran, das mittlerweile als dritte Geschäftssäule etabliert wurde. Das Neu-Geschäft wird branchenweit umstritten beäugt. Multichannel-Networks weisen hohe Wachstumsraten aus, auf die gerne verwiesen wird. Wie viel Potential langfristig im Geschäft steckt, muss sich aber noch zeigen. Im Geschäftsjahr 2015 waren die Multichannels noch nicht in den schwarzen Zahlen. RTL selbst hatte zuletzt eine Aufstockung an einer bereits bestehenden (Mehrheits-)Beteiligungen abgelehnt. Die Komplettübernahme des Netzwerkes Broadband TV hätte das gesetzte Investitionsvolumen von 250 Millionen Euro deutlich überschritten. Mittlerweile wird sogar ein Verkauf der Anteile geprüft, auch um sich auf kleinere Übernahmekandidaten zu konzentrieren. Über den Produktionsarm Fremantle Media hat RTL ebenfalls am heutigen Mittwoch weitere Investitionen in das MCN Divimove bekannt gegeben, das zukünftig stärker mit anderen Networks, die RTL im „Digital Hub“ bündelt, zusammenarbeiten.

Mediengruppe RTL: Schäferkordts Vertrag bis Ende 2019 verlängert

Für Schäferkordt ist nun der „richtige Zeitpunkt“ gekommen, „mich auf den weiteren Ausbau unserer TV- und Digitalgeschäfte in Deutschland sowie auf die strategische Weiterentwicklung von Bertelsmann zu konzentrieren“, lässt sie sich zitieren. Quasi als Bekenntnis zur Managerin wurde Schäferkordts Vertrag bei der Mediengruppe RTL verlängert. Wie der Konzern auf Anfrage von MEEDIA bestätigt, wird ihr Vertrag anstatt bis April 2018 nun bis Ende 2019 laufen. So lange läuft auch Schäferkordts Vorstandsvertrag in Gütersloh.

 

Anzeige
Anzeige
Anzeige