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New York Times: Einfluss von Cambridge Analytica auf US-Wahlen viel kleiner als gedacht

Cambridge-Chef Alexander Nix weiß, wie er seine Firma in Szene setzt. Doch der Mythos ist nun geplatzt.
Cambridge-Chef Alexander Nix weiß, wie er seine Firma in Szene setzt. Doch der Mythos ist nun geplatzt. Foto: dpa

Mit gezielten Wählerprofilen soll das Daten-Unternehmen Cambridge Analytica Donald Trump im Wahlkampf zum Sieg verholfen haben. Die Firma habe die Persönlichkeit jedes einzelnen Amerikaners vermessen – so genau, dass sie jedem Wähler die Botschaften von Trump auf eine andere, individuelle Weise ausspielen konnte. Doch mittlerweile mehren sich die Zweifel am Einfluss des Unternehmens. Die Wähleranalyse war einem Bericht zufolge wohl wesentlich ungenauer als angenommen.

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Es war der Aufreger nach den US-Wahlen und ein Horror-Szenario für jeden Datenschützer: Die britische Firma Cambridge Analytica soll 200 Millionen psychologische Profile von US-Wählern erstellt und damit den Wahlkampf von Donald Trump maßgeblich mitbestimmt haben. Ein vermeintlicher Datenzauber, der das bis dato unbekannte Unternehmen um Alexander Nix weltweit in den Fokus rückte. Immer wieder prahlten der Chef und seine Manager mit der Wahlkampfmethode, zuletzt bei den Online Marketing Rockstars in Hamburg. Doch nun mehren sich die Zweifel: Der Großteil der Aussagen könnte kaum mehr als heiße Luft sein.

Mehrere Republikaner und ehemalige Mitarbeiter der Firma haben gegenüber der New-York-Times erhebliche Zweifel an dieser Methode geäußert. Die Möglichkeit, millionenfach derart genaue Wählerprofile zu erstellen, sei völlig „übertrieben“, heißt es. Mehr noch: Bei Trumps Wahlkampf sollen die Psycho-Profile nicht einmal zum Einsatz gekommen sein. Mitarbeiter von Cambridge Analytica waren zwar im Wahlkampfteam des Präsidenten eingespannt, jedoch nur als Lieferant von Know-How, um normales Marketing zu betreiben. Zwar habe die Firma ihr Modell getestet, dieses hat sich jedoch als wesentlich weniger effektiv als das bereits bestehende Werbesystem des „Republican National Congress“ herausgestellt.

Bevor sich die Firma Trumps Wahlteam angeschlossen hat, arbeiteten die britischen Experten für den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten und schärfsten Trump-Gegner Ted Cruz. Auch dort habe das Analyse-Modell der Firma nur moderate Erfolge erzielt. In einem initialen Test in Oklahoma wurden mehr als die Hälfte der vermeintlichen Cruz-Unterstützer falsch identifiziert.

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Übrigens: Auch die von Cambridge Analytica erwähnte Rolle für die Kampagne der Leave-Seite im Brexit gab es laut NYT nicht.

Folgt man jedoch der Darstellung des Cambridge-Chef Nix, dann habe sein Unternehmen einen Königsweg für den Erfolg von Wahlen gefunden. In Hamburg präsentierte er am vergangenen Freitag eine gänzlich andere Seite der Geschichte. Dass Trump ohne ihn die Wahl nicht gewonnen hätte, will er zwar nicht sagen. Aber klar ist für ihn auch: Seine Kampagnen können am Ende den entscheidenden Unterschied machen. Betont sicher gab er sich daher als er die Vorteile der Psycho-Analyse der Wähler präsentierte. „Ein anderes Marketing werden unsere Kinder nicht mehr kennen“, sagte Nix vor mehreren Hundert Zuschauern. Immer wieder rühmt er sich mit dem erfolgreichen Wahlkampf in Amerika.

Doch hinter der so sicheren Fassade steckte offenbar nicht mehr als reine PR, folgt man zumindest den Recherchen der New York Times. Die Macht und der Einfluss von Cambridge Analytica im Wahlkampf könnte damit viel geringer sein als behauptet.

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