„Alkoholrückfall“-Bericht war nicht OK! – Jenny Elvers erstreitet 35.000 Euro Geldentschädigung von Klambt

Fand die Berichterstattung über ihre Person gar nicht OK!: Jenny Elvers erstreitet vor dem LG Köln 35.000 Euro Geldentschädigung
Fand die Berichterstattung über ihre Person gar nicht OK!: Jenny Elvers erstreitet vor dem LG Köln 35.000 Euro Geldentschädigung

2013 berichtete das OK! Magazin auf seiner Titelseite über einen "Alkoholrückfall" der Schauspielerin Jenny Elvers. Eine Reporterin will bei der Interviewpartnerin eine "Fahne" bermerkt haben. Zeugen dafür gibt es keine, Belege erst recht nicht. Dreieinhalb Jahre später erlangt Elvers nun Genugtuung. Das Landgericht Köln verurteilte Klatsch-Blatt sowie Reporterin zu 35.000 Euro Geldentschädigung.

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Für Boulevardjournalisten wäre es das gefundene Fressen gewesen: Eine Schauspielerin, etwa ein Jahr zuvor öffentlich im Fernsehen abgestürzt und danach abgetaucht in die Alkoholtherapie, feiert ihr Comeback und taucht zum ersten wichtigen PR-Termin nicht nur heiter, sondern auch noch alkoholisiert auf. So geschehen im Sommer 2013 – wenn man einer Geschichte des OK! Magazins Glauben schenken will.

Eine Reporterin will die Schauspielerin Jenny Elvers alkoholisiert auf dem roten Teppich angetroffen und interviewt haben. Doch für die daraus entstandene Geschichte über einen „Alkoholrückfall“, den das Klatsch-Blatt auf der Titelseite publizierte, gibt es – außer der Reporterin, die ihren Geruchssinn als Beweis anführt – keine Belege, nicht einmal glaubwürdige Zeugenaussagen. Die Geschichte, die sich als Lehrstück für sensationsheischenden und handwerklich miserablen People-Journalismus eignet, war nicht nur medienethisch fragwürdig, sondern rechtlich unhaltbar. Das bestätigten nun die Richter der 28. Zivilkammer des Landgerichts Köln. Das Gericht verurteilte OK! Magazin wie auch die Reporterin zu einer Geldentschädigung in Höhe von 35.000 Euro (Az. 28 O 41/16).

„Die Kammer ist nach Durchführung der Beweisaufnahme unter Berücksichtigung der Anhörung der Klägerin und der Beklagten (…) nicht in dem erforderlichen Maße davon überzeugt, dass die Beklagten die Richtigkeit ihrer Äußerungen bewiesen haben“, heißt es in der Urteils-Begründung. Der Bericht hätte eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte in schwerwiegendem Maße dargestellt.

Bereits andere Gerichte in Berlin kamen zu dem Entschluss, Unterlassungsbegehren von Elvers und ihrem Anwalt Christian-Oliver Moser stattzugeben. Die Kölner Richter machten sich in ihrem Verfahren bemerkenswert geduldig und detailliert ein eigenes Bild. Neben der OK-Journalistin und Jenny Elvers hat das Gericht in einer mehrstündigen mündlichen Verhandlung auch Elvers‘ Lebensgefährten sowie zwei weitere Journalistinnen, die auf besagter Veranstaltung ebenfalls auf Elvers getroffen sind, befragt. Nur eine Zeugin erklärte, ebenfalls einen Alkoholgeruch wahrgenommen haben zu wollen. Dieser sei aber, anders als von der Beklagten behauptet, nur „leicht“ gewesen.

Die Kammer konzentrierte sich in ihrer Urteilsfindung vor allem auf die Frage, ob der vermeintliche Geruch nach Alkohol zweifellos auf Jenny Elvers zurückzuführen gewesen ist. Man habe nicht ausschließen können, so die Kammer, „dass der Alkoholgeruch von einer anderen Person (…) aus der belebten Umgebung des Interviews stammte“. Denn in den beschriebenen Situationen war Elvers auf engstem Raum nie alleine, wie alle Zeugen bestätigten. Zumal habe niemand der Zeugen, auch die Beklagte selbst nicht, Elvers trinken sehen.

Beklagte blieben Belege schuldig

Die Glaubwürdigkeit der Beklagten bröckelte, auch durch Zeugenaussagen, nach denen Elvers – anders als von der Beklagten behauptet – eben nicht nach Alkohol gerochen und auch nicht gelallt habe. Eine von der Beklagten in der mündlichen Verhandlung angeführte Tonbandaufzeichnung, die ihre Wahrnehmung belegen sollte, konnte nicht vorgelegt werden – gelöscht, wie es hieß. Auch einen Beleg, demzufolge eine Flasche Weißwein auf das Hotelzimmer von Elvers und ihrem Lebensgefährten geordert worden sei, blieben Magazin und Journalistin dem Gericht schuldig.

„Demzufolge haben die Beklagten die Klägerin der Wahrheit zuwider nicht nur als rückfällige Alkoholikerin dargestellt und damit ihre Charakterstärke in Zweifel gezogen, der Wahrheit zuwider nicht nur berichtet, das die Klägerin in der Öffentlichkeit bei einem Interview nach Alkohol roch und lallte, sich mithin erheblich unprofessionell verhielt, sondern sie zudem dadurch erheblich in der öffentlichen Meinung abqualifziert…“, so das Urteil.  Die Journalistin habe „zumindest grob fahrlässig“ ihre journalistischen Sorgfaltspflichten verletzt und sich darüber hinaus rufschädigend verhalten, heißt es weiter. Die Journalistin hatte Elvers zu keinem Zeitpunkt mit ihrem Verdacht des Alkoholkonsums konfrontiert. Das Fehlverhalten werde zusätzlich dadurch erschwert, dass die Geschichte ausschließlich der Auflagensteierung gedient habe, heißt es weiter.

Die 35.000 Euro Geldentschädigung muss der OK! Verlag mit fünf Prozent verzinsen, hinzu kommen Rechtsverfolgungskosten von 691,33 Euro. Das Urteil vom 01. März 2017 ist noch nicht rechtskräftig.

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