Gerichtsvollzieher zieht Lagerbestände ein: G+J erwirkt nächste EV gegen stern-Crime-Konkurrenten National Crime

G+J-Publisher Alexander Schwerin: Kämpft für stern Crime gegen National Crime
G+J-Publisher Alexander Schwerin: Kämpft für stern Crime gegen National Crime

Dieser Medien-Krimi wird zum Mehrteiler: Im Dezember verhinderte Gruner + Jahr die Auslieferung des vermeintlichen stern-Crime-Konkurrenten National Crime des Hamburger Livingston Verlages mit dem Argument, dass das Cover eine Kopie sei. Am vergangenen Freitag wagte der G+J-Herausforderer einen Neustart mit überarbeitetem Titelbild. Eine Woche später folgt nun die nächste einstweilige Verfügung vom Baumwall.

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So soll – laut Gruner + Jahr – Livingston dazu verpflichtet sein, alle bereits ausgelieferten Exemplare des Magazins aus dem Handel zurückzurufen und seine Lagerbestände an einen Gerichtsvollzieher zu übergeben.

G+J zeigt sich mit der einstweiligen Verfügung zufrieden und meint, dass „das Urteil“ all diejenigen „bestätigen“ würde, die „wie wir auf Innovation setzen und daran glauben, dass mit ganz neuen Zeitschriftenideen neue Lesergruppen zu begeistern sind“, wie Publisher Alexander Schwerin erklärt. „Mit Crime vom stern ist Gruner + Jahr das gelungen. Dass das Hamburger Landgericht unserem Antrag gefolgt ist, freut uns und ist eine wichtige Entscheidung für unsere Branche. Wir hoffen, das Urteil schreckt Nachahmer in Zukunft ab.“

Damit versetzt Gruner + Jahr dem Konkurrenten bereits den zweiten Schlag. Denn eigentlich hätte der stern-Crime-Rivale bereits im Dezember erscheinen sollen. Doch G+J ging juristisch gegen die Titelseite des Neulings vor. Vor dem Landgericht Hamburg setzte Gruner + Jahr eine einstweilige Verfügung durch, die es dem Konkurrenten verbot, sein Heft auszuliefern und zu bewerben. Schwerin argumentierte damals, dass der vom Livingston-Verlag angekündigte Titel eine Kopie von stern Crime sei – „optisch, thematisch und in der Preisgestaltung. Gegen derart dreiste Kopisten schützen wir uns.“

Am vergangenen Freitag erst wagte National Crime dann den zweiten Anlauf mit einem überarbeiteten Cover. Im Editorial der nun wiederum verbotenen Ausgabe rollt National Crime-Chefredakteur Matthias Müller-Michaelis den Fall – oder wie er es nennt, den „Medien-Krimi“ – noch einmal auf. Allerdings gibt er sich redlich Mühe, sich als „kleinen David“ und Gruner + Jahr als großen „Goliath“ darzustellen. Auf das beanstandete Cover geht er nicht ein. Vielmehr schreibt er, dass G+J den Begriff „Crime“ für sich beanspruchen würde, und dass man in Anbetracht der vielen Titel mit ähnlichen Namenszusätzen deshalb nur den Kopf schütteln könne. „Ob der Krimi um unser Kriminal-Magazin ein Ende gefunden hat, ist noch offen“, notiert Müller-Michaelis weiter.

Zum Schluss seines Editorials stichelt der Chefredakteur in Richtung Baumwall noch etwas weiter: „Nur in der Bibel löst David sein Problem mit dem Riesen Goliath sofort endgültig. Dadurch, dass er ihn mit einer Steinschleuder schachmatt setzt. Wir setzten stattdessen darauf, dass Ihnen unser Magazin gefällt. Sollte es so sein, dann halten Sie uns bitte die Treue. Die nächste Ausgabe erscheint am 5. Mai. Es sei denn, der Riese will das erneut verhindern, z. B. durch ein Verbot der Verwendung schwarzer Druckfarbe…“.

An der schwarzen Farbe hatte Gruner + Jahr nicht direkt was auszusetzen. Tatsächlich waren die Hamburger noch einmal gegen die Cover-Gestaltung und die Namensgebung vorgegangen. Auf MEEDIA-Anfrage erklärte National Crime, dass man im Moment noch keine Stellungnahme abgeben könne.

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