Anzeige

Serdar Somuncu über gekippte Sendung bei n-tv: „Entspricht nicht meinem Qualitätsstandard von fairem Umgang“

„Nach dem anfänglichen Unverständnis auf allen Seiten ist nun zum Glück eines klar: ‚So! Muncu!‘ bleibt was es ist – ein Satire-Talk.“, so Serdar Somuncu (Foto)
"Nach dem anfänglichen Unverständnis auf allen Seiten ist nun zum Glück eines klar: 'So! Muncu!' bleibt was es ist - ein Satire-Talk.", so Serdar Somuncu (Foto)

"Was habt ihr eigentlich gestern zwischen 23.10 und 23.55 Uhr gemacht?", fragt Satiriker Serdar Somuncu bei Facebook. Er selbst hat offenbar verblüfft in die Röhre geschaut: Seine Talkshow "So! Muncu" hat n-tv kurzfristig aus dem Programm genommen. Weil die Sendung nicht den "Qualitätsansprüchen entsprochen" habe, heißt es beim Sender. "Mich wundert diese Aussage", sagt Somuncu gegenüber MEEDIA.

Anzeige
Anzeige

Thema der Sendung war „Alternativlos schmutzig: Wie extrem wird der Wahlkampf?“ Wenige Stunden vor dem geplanten Sendetermin war die Folge gegen die Dokumentation „Frankreichs Elite-Einheit RAID“ in der Programmplanung ersetzt worden. Auch aus der Mediathek der RTL-Sendergruppe ist der Beitrag – der am Mittwochmorgen noch verfügbar war – verschwunden, wie Spiegel Online berichtet.

Was ist vorgefallen? An den Gästen – Wolfgang Kubicki (FDP), Wigald Boning (Komiker) und Annabelle Mandeng (Schauspielerin) – scheint es nicht gelegen zu haben. Aber offenbar an dem Gesprächsthema Fake News, das mit als „Breaking News“ gekennzeichneten Einspielern und einem Reporter mit n-tv-Mikrofon vor dem Weißen Haus in Washington, wie das Nachrichtenportal weiter berichtet, für den Sender wohl problematisch daherkam.

„Die Zuschauer erwarten gerade in Zeiten von gefühlter Unsicherheit und oft unüberschaubaren Nachrichtenlagen von einem Nachrichtensender Orientierung und Einordnung“, sagte eine Sendersprecherin dem Nachrichtenmagazin. „Insbesondere bei Breaking News ist daher besondere Sensibilität gefragt. Die Sendung enthielt Elemente, die die Zuschauer eher verwirrt hätten. Daher haben wir uns entschieden, sie nicht auszustrahlen.“ Jene Ausgabe von „So! Muncu“ – die Talk-Show ist bereits seit 2015 auf n-tv zu sehen – habe „nicht unseren Qualitätsansprüchen entsprochen“.

Ob Somuncu diese Kritik nachvollziehen kann? „Nein, schließlich laufen wir seit mehr als einem Jahr und hatten schon weit härtere Passagen“, so der Satiriker gegenüber MEEDIA. „Verwirrung ist im Übrigen ein Stilmittel der Satire und dafür wurden wir engagiert.“ Darüber hinaus habe man von Anfang an deutlich gemacht, dass die Sendung „mehr in der Tradition von Schlingensief als von Will und Plasberg“ stehe. „Deshalb wundert mich diese Aussage. Dennoch bin ich dankbar dafür, dass  N-TV das überhaupt so lange mitgemacht hat.“

Anzeige

Ärgerlich sei aber vor allem der Zeitpunkt gewesen, an dem Somuncu über die kurzfristige Programmänderung, über die der Branchendienst DWDL zuerst berichtet hatte, erfahren hat Und zwar: „Am Tage der Ausstrahlung, und zwar als Letzter. Das entspricht jedenfalls nicht meinen Qualitätsstandards für einen fairen Umgang.“, beklagt der Satiriker gegenüber MEEDIA.

Ob und in welchem Rahmen die gekippte Sendung vielleicht doch gezeigt werden kann, hänge davon ab, wie sich Produzent und Sender einigen. „Am liebsten wäre mir, die Sendung würde dort ausgestrahlt werden, wo sie bestellt und hergestellt wurde.“, so Somuncu. Beim Sender heißt es gegenüber dem Spiegel: „Wir führen derzeit Gespräche mit dem Produzenten bezüglich der Zukunft der Sendung. Hier ist noch keine Entscheidung gefallen.“ Es bleibt also alles offen.

Dass die Zusammenarbeit von Serdar Somuncu und n-tv aber nicht wie gehabt weiterbestehen kann, scheint beiden Seiten klar zu sein. „Bisher war ich immer zufrieden und auch jetzt sehe ich keinen Grund beleidigt zu sein. Ich bin nur enttäuscht und traurig. Denn die Sendung war innovativ, mutig und gut. Ich hätte sie den Zuschauern gerne weiter gezeigt“, so Somuncu gegenüber MEEDIA.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Satiriker aneckt: Der Streit zwischen einer WDR-Mitarbeiterin und Serdar Somuncu wegen angeblicher Beleidigung hat eine Diskussion über die Grenzen der Kunstfreiheit und Zensur ausgelöst. Wie die kurzfristige Programmänderung vor diesem Hintergrund zu verstehen ist – zumal die Sendung bereits seit 2015 zu sehen ist? „Das frage ich mich auch immer wieder.“, so Somuncu gegenüber MEEDIA. „Aber offensichtlich ist das Selbstverständnis der TV-Macher von Fairness und Transparenz immer noch weit entfernt von den Ansprüchen, die sie an ihre Künstler stellen. Das nehme ich zur Kenntnis.“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige