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Marktmacht als Chance: Funke soll nach Springer-Deal mit weiteren Magazinen-Zukäufen liebäugeln

Manfred Braun gilt als Architekt des Springer-Zeitschriften-Deals von Funke. Nun werden ihm in der Branche weitere Übernahme-Absichten nachgesagt
Manfred Braun gilt als Architekt des Springer-Zeitschriften-Deals von Funke. Nun werden ihm in der Branche weitere Übernahme-Absichten nachgesagt

Die Essener Funke Mediengruppe soll nach dem Mega-Deal mit Axel Springer wieder auf Akquisitionstour sein. Das Printhaus hält angeblich seit Monaten Ausschau nach geeigneten Übernahmeobjekten. Mit den Zukäufen könnte Funke zu einem der führenden deutschen Magazinverlage aufsteigen. Denn ein größeres Portfolio bringt den Essenern Vorteile und Skaleneffekte ein – ob in Redaktion oder Vermarktung.

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Es war ein Multi-Millionen-Euro-Deal. Überraschend kauft die Funke Mediengruppe vor vier Jahren von dem Berliner Konkurrenten Axel Springer ein ganzes Paket an Zeitungen und Zeitschriften – darunter traditionsreiche Titel wie das Hamburger Abendblatt, die Berliner Morgenpost sowie Fernsehzeitschriften wie die Hörzu oder TV Digital. Der Preis ist beachtlich: rund 920 Millionen Euro müssen die Essener auf den Tisch legen. Damit der Deal gelingt, leiht Springer dem nordrhein-westfälischen Unternehmen einen Teil des Kaufpreises. Mitte vergangenen Jahres begleicht Funke mit Flaggschiffen wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) bei Axel Springer seine verbleibenden Schulden von mehr als 260 Millionen Euro schneller als erwartet. Damit schließt die Funke-Gruppe einer der größten Zukäufe in ihrer Firmengeschichte ab. Und zeigt sich mit dem in der Branche nicht unumstrittenen Zukauf hochzufrieden. Die Rechnung, einen anderweitig perspektivisch bereits abgeschriebenen Geschäftszweig in den Bilanzen zu punkten, scheint aufgegangen zu sein.

Auch deshalb sollen die Essener wieder angriffslustig zu sein. Sie wollen demnach erneut auf dem deutschen Printmarkt in großem Stil zukaufen, heißt es in Branchenkreisen. Im Visier ihres Interesses seien vor allem Zeitschriften. Damit will der 65jährige Funke-Geschäftsführer Manfred Braun die Position der Essener auf dem hart umkämpften Zeitschriftenmarkt deutlich ausbauen. Der Vorteil: Durch ein größeres Portfolio könnte Funke auf höhere Skaleneffekte hoffen, so die Spekulationen in der Branche. Auf Nachfrage gibt sich das Unternehmen noch zugeknöpft. „Wir prüfen ständig, ob wir Zeitschriften- und/oder Zeitungstitel zukaufen können. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu Einzelheiten nicht äußern“, erklärt ein Funke-Sprecher gegenüber MEEDIA.

Sollten den Essenern weitere Zukäufe gelingen, könnte das Unternehmen mittelfristig zum noch mächtigeren Spieler im deutschen Zeitschriftensegment aufsteigen. Auf Verbandsebene ist Funke bereits stärker präsent. Im vergangenen Jahr wurde Funke-Mitgesellschafter Stephan Holthoff-Pförtner zum neuen Präsidenten des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) gewählt, der wichtigsten Lobbyvereinigung im Magazinlager. Der Rechtsanwalt trat die Nachfolge des Verleger Hubert Burda an. Allerdings zum Unbill einiger Verlage – darunter dem Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr. Das norddeutsche Unternehmen hatte sich über die Ernennung von Holthoff-Pförtner mokiert, weil es von der überraschenden Neubesetzung kalt erwischt wurde. Von „Hinterzimmer-Bünden“ war die Rede.

Jetzt könnte die Funke Mediengruppe geschäftlich eine größere Rolle im Magazinmarkt spielen. Auf welche Titel es die Essener abgesehen haben könnten, ist seit einigen Monaten Gegenstand der Gerüchteküche. Als ein mögliches Akquisitionsziel könnte Funke-Geschäftsführer Braun Teile des reichhaltigen Magazin-Portfolios des Münchener Medienhauses Hubert Burda im Visier haben. Hierzu soll es angeblich zwischen den beiden Medienhäusern auf höchster Ebene bereits Sondierungsgespräche gegeben haben, lauten entsprechende Marktgerüchte. Zu Burda gehört ein facettenreiches Reich an Zeitschriften –  darunter Titel wie den Focus, Bunte, aber auch Fit for Fun, TV Spielfilm bis zur Freizeit Revue. Burda indes weist die Marktspekulationen vehement zurück. „Wir möchten uns ausdrücklich nicht von Teilen und schon gar nicht von unserem gesamten Zeitschriftenportfolio trennen. Das ist ein Gerücht beziehungsweise eine Fehlinformation. Wir würden uns von einem sehr gut laufenden Geschäft nicht trennen wollen, wir glauben an das Magazingeschäft – jetzt und in der Zukunft. Deshalb gibt es auch keinerlei Verhandlungen mit der Funke Mediengruppe“, erklärt ein Burda-Sprecher auf MEEDIA-Anfrage. Auf die weiterhin kursierenden Gerüchte im Markt hat das Komplett-Dementi allerdings erstaunlich wenig Wirkung.

Denn die Branchengerüchte ebben seit Ende vergangenem Jahr nicht ab – möglicherweise wurden sie durch einen Bericht des zum Spiegel gehörenden Manager Magazin befeuert. Die Wirtschaftszeitschrift hatte im Oktober vergangenen Jahres unter anderem darüber berichtet, dass die Kinder des Verlegers Hubert Burda langfristig im Unternehmen eine Führungsrolle übernehmen sollen. Dabei warf das Wirtschaftsblatt auch einen Blick auf die aktuelle Firmenstrategie und zitiert dabei Burda-Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen. Der will das Münchener Unternehmen demnach mehr und mehr von einem Verlag zu einem Beteiligungsunternehmen für Digitalfirmen umbauen. Und davon hat Burda reichlich. Zu den wichtigsten Internet-Engagements gehören das Business-Netzwerk Xing sowie die Holiday Check Group (ehemals Tomorrow Focus AG). Daher bezeichnete Kallen laut Manager Magazin weitere Investitionen ins Zeitschriftengeschäft als wenig sinnvoll. „Es lohnt nicht, dort im Moment größere Beträge zu investieren“, so der Firmenboss gegenüber dem Wirtschaftsblatt. Und: „Deshalb konzentrieren wir uns auf andere Investitionen.“

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Doch im Januar diesen Jahres, drei Monate nach dem Bericht, kauft Kallen für 300 Millionen Euro die Immediate Media Group mit klassischen Zeitschriftentiteln wie die Radio Times. Mit der Akquisition baut Burda die eigene Marktstellung in Großbritannien aus, die hier mit Produkten wie Your Home und Wedding vertreten ist. In Unternehmenskreisen wird der millionenschwere Deal als Indiz gewertet, dass Burda im Magazingeschäft eher als Käufer statt als Verkäufer auftritt. Aber ist dies in Stein gemeißelt – vor allem in Deutschland? Hierzulande ist das Segment deutlich umkämpfter. Glücksgriffe wie Landlust-Magazine oder aktuell die Thermomix-Hefte scheinen nicht gezielt reproduzierbar. So hat Burda wie auch die meisten anderen Großverlage im vergangenen Jahr keine bahnbrechenden Magazin-Innovationen mit Millionenauflage auf den Weg gebracht. Zuletzt hatten die Münchener eher kleinere Neuheiten angeschoben – darunter das Lego-Magazin Batman oder der Frauentitel Lust auf mehr. Dagegen machte Burda eher durch den Zukauf weiterer Anteile am Content-Marketing-Network C3 von sich reden.

Von welchen Titeln würden sich die Münchener theoretisch überhaupt trennen, um vielleicht bei einem attraktiven Kaufpreis den Ausbau des Digitalgeschäfts voranzutreiben. Der Bunten? Wohl kaum. Der Promi-Titel gehört zu DNA des Verlages. Der Preis müsste schon so verlockend sein, dass die Münchener kaum Nein sagen würden. Und Mondpreise dürften die knallharten Rechner bei Funke auch kaum zu zahlen bereit sein. Deutlich weniger müsste hingegen ein Interessent für den Focus hinblättern, dessen Auflage und Anzeigengeschäft in den vergangenen Jahren deutlich unter Druck geraten ist. Das einst von Helmut Markwort gegründete Magazin ist jedoch für den Verleger ein Prestigeobjekt. Würde er es abgeben, wäre dies eine Zäsur in der langjährigen Verlagsgeschichte. Zudem hat Burda erst gestern den Chef-Lobbyisten Sebastian Doedens zum neuen Strategiedirektor bei Focus  ernannt, um das Profil der Marke schärfen und das Magazin in der digitalisierten Medienwelt stärker zu positionieren. Indes würde Funke sein Portfolio durch ein Politmagazin mit Premiumanspruch durchaus adeln; schließlich verhandelte Funke (damals noch WAZ-Gruppe) ja seinerzeit intensiv mit Stefan Aust über dessen Konzept für einen Gegen-Spiegel namens „Die Woche“.

Strategisch könnte sich Funke-Geschäftsführer Braun jedoch vor allem für höherwertige Frauentitel aus dem Burda-Reich interessieren. Dadurch wären die Essener in der Lage, ihr reichhaltiges Segment an Frauentiteln wie Bild der Frau, Zeit für mich oder neue Welt zu ergänzen wie auch aufzuwerten – und wären damit für Werbetreibende interessanter. Auch Gesundheitstitel wären denkbar, schließlich gilt Funke am Pharma-Markt als Macht. Die Kehrseite der Übernahmefantasien-Medaille: Funke kann in diesem Segment nicht ohne weiteres zukaufen. Das Kartellamt dürfte einen solchen Deal penibel unter die Lupe nehmen. Bereits bei der Übernahme der Springer-Magazine hatten die Wettbewerbshüter den Essenern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Mai 2014 hatte daher die mittelständische Mediengruppe Klambt zehn Programmzeitschriften von Funke übernommen – darunter die Funkuhr, Bild-Woche und die zwei.

Sollte Funke-Geschäftsführer Braun bei Burda tatsächlich Akquisitionsziele ausgemacht haben, müsste er zwei entscheidende Hürden nehmen: den Preis und das Kartellamt. Vielleicht schafft es der 65-Jährige, für Funke ein neues Bravourstück abzuliefern. Die Zeit allerdings drängt. Sein Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Angeblich will die Funke Mediengruppe den ehemaligen Bauer-Manager aber – so berichtete es jedenfalls Werben & Verkaufen – überreden, länger im Unternehmen zu bleiben. Vielleicht gewährt ihm sein Arbeitgeber damit die nötige Zeit, um die Expansion im Magazinmarkt voranzutreiben. Und womöglich würde dann das, was vorläufig nicht mehr ist als Branchengerede und verlegerische Fantasie, wie im Fall des Springer-Deals eines Tages Realität werden.

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