Anzeige

Baby Schimmerlos will es noch mal wissen: Michael Graeter plant mit 75 Tageszeitung „München Express“

Als Klatsch-Reporter ist er eine Legende: Jetzt will Michael Graeter im Alter von 75 Jahren sein eigenes Blatt machen
Als Klatsch-Reporter ist er eine Legende: Jetzt will Michael Graeter im Alter von 75 Jahren sein eigenes Blatt machen

Er war das lebende Vorbild für "Baby Schimmerlos" aus der Kultserie "Kir Royal" und zählte bis in die 90er Jahre zu den Reporter-Ikonen des Boulevard. Dann kam für Michael Graeter der Absturz. Nun will die Ex-Klatschlegende erneut angreifen – mit einer eigenen Tageszeitung, wie der 75-Jährige gegenüber MEEDIA bestätigte. Die soll "München Express" heißen und 50 bis 100 Tausend Exemplare verkaufen.

Anzeige
Anzeige

Die Münchener Gesellschaft hat noch immer Spaß an der Verbreitung unterhaltsamer Gesprächsstoffe. Beispiel dafür ist das Vorhaben eines Mannes, der Jahrzehnte selbst die Personifizierung von Klatsch und Tratsch gewesen ist. Michael Graeter, Reporterlegende der Abendzeitung und Inspiration für die Figur des rast- und skrupellosen Reporters Baby Schimmerlos aus der Kultserie „Kir Royal“, wollte am Wochenende auf dem Viktualienmarkt eigentlich nur die Meinung einiger Freunde und Bekannter hören. Er zeigte ihnen den Dummy seiner geplanten Tageszeitung „München Express“. Es dauert nicht lang, bis sein Plan aus der Münchener Innenstadt den Weg ins Internet gefunden hatte.

Frisch aus Michaels Kofferraum: Das Testexemplar von "München Express" – dem neuen Zeitungsprojekt von Michael Graeter.

Posted by Sundro Ganser on Samstag, 25. Februar 2017

Ja, richtig gelesen. Graeter, der „Klatsch-König“ der siebziger und achtziger Jahre, will es im Alter von 75 Jahren noch einmal wissen und plant, wie er gegenüber MEEDIA bestätigte, eine eigene Tageszeitung. „München Express“ soll sie heißen und das leisten, was Graeter nach eigener Aussage am meisten in München vermisst: „Eine Tageszeitung, die wirklich schreibt, was die Gesellschaft bewegt.“ Denn das, so Graeter, würden die etablierten Medien auf dem heimischen Zeitungsmarkt nicht mehr leisten. Dazu zählt auch Graeters ehemaliger und langjähriger Arbeitgeber  die Abendzeitung, an deren guten Zeiten er anknüpfen will. „Die beste Zeitung, die mit dem Augenzwinkern, gibt es doch nicht mehr“, beklagt sich der Journalist.

Graeter und die Abendzeitung haben eine Menge gemeinsam. Zusammen erlebten sie Höhepunkte, unter anderem wegen seiner populären Klatsch-Kolumnen, und beide stürzten ab.

Bei Graeter kam der freie Fall noch eher als beim Traditionsblatt, dessen Ruf als Boulevardzeitung mit feuilletonistischem Anspruch weit über die Grenzen der bayerischen Landeshauptstadt hinausreichte. 2008 wurde der schillernde Schickeria-Journalist, der immer wusste, wer gerade mit wem am Schnackseln war (und das auch schrieb), zum Häftling, nachdem er gegen Bewährungsauflagen verstoßen hatte. Graeter wurde unter anderem wegen Sozialversicherungsbetrug verurteilt.

Nachdem er im selben Jahr entlassen worden war, hatte die Abendzeitung ihren legendären aber beschädigten Reporter zunächst wieder aufgefangen. Später dann kapitulierte der ehemalige Verleger Johannes Friedmann vor dem schwierigen Münchner Zeitungsmarkt und gab die Abendzeitung auf. Nach der Insolvenz wurde ihre Existenz vom Straubinger „Landverleger“ (Graeter) Martin Balle bewahrt. Mit dem neuen Eigentümer war Graeters Karriere beim Blatt vorbei. Es habe „unüberbrückbare Differenzen“ gegeben, erzählt ein ehemaliger Weggefährte. Nicht nur finanzieller Natur.

Zeitung für den Leser anstatt für den Buchhalter
Anzeige

In Graeters Augen ist von der Abendzeitung von früher nicht mehr viel übrig geblieben. Balle habe Marke und Hülle am Leben erhalten, nicht aber die Seele des Blattes. Generell machten viele Medienhäuser einen kapitalen Fehler, führt er fort. „Zeitungen können mehr denn je bestehen, wenn sie nicht mit gleichlautenden Agenturmeldungen gefüllt werden und damit den Einheitsbrei im Journalismus fördern“, kritisiert er. Eine gute Zeitung habe den Anspruch, eigene Geschichten zu machen. „Dass man damit erfolgreich sein kann, sehen Sie an der Zeit.“ Auch seien Zeitungen zu wenig mit ihrer Kernaufgabe beschäftigt: „Besteht die Aufgabe der Bild-Zeitung darin, mit Nebengeschäften, wie zum Beispiel bei C&A das neue Volkssakko oder Bundesliga-Trikots zu verkaufen, Geld zu verdienen? Damit erfreuen Sie vielleicht den Buchhalter, aber nicht den Leser.“

Punkten will Graeter also mit eigenen und exklusiven Geschichten. Geld verdienen will er mit klassischer Werbevermarktung. Der Dummy sei für die Präsentation bei potentiellen Kunden gedruckt worden, erklärt er. Der Copypreis liegt – zumindest laut Titelseite der Test-Zeitung – bei 80 Cent. Wenn er seinen Job gut mache, dann sei eine Auflage zwischen 50.000 und 100.000 Exemplaren realistisch. Bei der Gründung seines neuen Mediums habe er auch an einen Digital-Auftritt gedacht.

Inhaltlich gibt der Dummy, von dem was bei Facebook verbreitet wird, noch nicht viel her. Äußerlich orientiert sich der München Express eher an Boulevard-Medien aus dem angelsächsischen Raum, erklärt Graeter weiter. Inhaltlich aber wolle man auf dem Niveau der „alten guten Abendzeitung“ arbeiten. Die exklusiven Inhalte, auf die der Verleger in Spe setzen will, werden im Testdruck bereits deutlich. Aufgemacht wird mit einer Geschichte über das verwahrloste Grab von Graeter-Freund und „Kir Royal“-Regisseur Helmut Dietl. Die restlichen Geschichten auf der Titelseite sind exklusiv, weil frei erfunden.

Achtung: Michael Graeters "München-Express" ist nur eine Probeausgabe mit alternativen Fakten.

Posted by Sundro Ganser on Samstag, 25. Februar 2017

Auch Angaben, ob neben Graeter noch andere einstige oder amtierende Boulevard-Größen an dem Projekt München Express mitwirken, will er nicht machen. Erfahrene Köpfe und Zeitungsmacher wird er aber brauchen – vor allem in der Vermarktung. Ähnlich wie die Medienmärkte in Hamburg, wo ein Zeitungsvorhaben noch vor dem Start scheiterte, und Berlin gilt auch München als übersättigt. Mit Merkur, tz und Abendzeitung kämpfen bereits drei Zeitungen um die Gunst der Leser und gegen den Auflagenschwund. Zur Konkurrenz hinzu kommt die Süddeutsche Zeitung. Die Abendzeitung musste nach ihrer Insolvenz ihre Kosten massiv reduzieren, ohne personellen Aderlass wäre das Blatt heute nicht mehr existent.

Wenn Graeter also auf Exklusiv-Inhalte als USP setzt, braucht er viele und erfahrene Reporter. Günstig lässt sich beides nicht bekommen. Und so steht das Projekt wenig überraschend unter einem schlechten Stern. Graeter aber ist optimistisch. „Die Leute auf dem Viktualienmarkt haben Lust und Freude an einer tollen, neuen Zeitung. Das zeigt mir, dass so etwas wie München Express gebraucht wird.“ Ob das Projekt tatsächlich realisiert wird, soll sich in den kommenden zwei Monaten zeigen.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Erbitte Kontaktvermittlung zu Herrn Michael Graeter

    Habe der Geschäftsführung der „BILD“ in Hamburg und Berlin vor etwa drei Monaten angeboten, die kolossal einstürzenden Auflagen-Einbrüche der „BILD“ und der „BAMS“ mit meiner neuen Idee aufzuhalten bzw. wieder nach oben zu ziehen. Und dies äußerst kostengünstig oder mit fast Null Kostenaufwand.

    Leider habe ich bis Heute keine Antwort erhalten. (Macht ja nichts, vermutlich aber ein Art von Kismet?)

    Habe aus Spaß und Dollerei in der Vergangenheit ebenfalls ein kommunales Nachrichten-Blatt betrieben und eine Rundfunkstation für Privat-Rundfunk gegründet.

    Gerne würde ich meine Idee über die Auflagen-Multiplikation Herrn Graeter gerne kostenfrei andienen, denn auch ich lebe nicht mehr ewig, weil ich alsbald auf das 80. Lebensjahr zugehen werde.

    Mit der Bitte um gelegentliche Veranlassung

    P.A.I.

  2. Ganz sicher hat der Michi längst einen millionenschweren Sponsor mit im Boot, der gern mal wieder amüsante Texte lesen möchte. Deshalb glaube ich: Das wird was. Good luck!

  3. Jedenfalls drücke ich dem Michi alle Daumen.
    Im Großraum München geb‘ ich dem Blatt a Chance!
    Cool, peppig, informativ, a Bisserl schlüpfrig und „No Fake“
    und auch überregional können Anzeigenkunden und Leser
    anlocken. Es könnte so ausgehen wie Supermärkte. Sind etabliert und auch praktisch aber die Sehnsucht nach dem Tante Emma blüht
    auch wieder auf. Genau da etabliert sich auch ein gut gemachtes
    Lokalblatt , das auch ganz schnell zu einer überregionalen Grösse wachsen kann.
    Nochmal Michi: Bin dabei, wenn du mich brauchst – erst einmal auch
    „Ohne“ ….!!!!!
    Servus
    Michda

  4. Ja, hat der Greater Michi denn seine Altschulden schon bezahlt? Oder ist die mutmaßliche Privatinsolvenz schon abgelaufen (7 Jahre keine neuen Schulden)?

    Manche aus der Münchner Schickeria fallen schon wieder auf den begabten Blender Michael Graeter rein. Zur Erinnerung: Der musste um 2008 in die JVA Landsberg einrücken, weil er für sein Kino-Personal keine Sozialversicherung bezahlt hatte. Damals wurde in München angeblich bei den Promis für ihn sogar gesammelt (behauptete er) – auch seine Anwalt Steffen Ufer wollte ja Geld sehen. Siehe https://www.tz.de/stars/spendenkonto-fuer-michael-graeter-26413.html.

    Lieber Michi, Du warst mal ein großer Kollege in Deutschlands „heimlicher Hauptstadt! Erinnerst Du Dich noch an „Besuch von Königin Silvia“ und an unsere Idee einer „Schlüsselloch-Kamera?“ Die ist sogar in der Filmserie „Kir Royale“ nachgefilmt worden.

    Jetzt aber: Gib endlich a Ruah! Ruiniere unsere amüsanten Erinnerungen an Deine Stories erneut mit einer Fake-Zeitungsgründung – für das Du jetzt schon wieder Geld sammeln willst (sic!). Du bist doch kein Hochstapler! Dies als freundschaftliche Warnung!

  5. Die Hochzeit der Tageszeitungen ist lange vorbei.
    Die der Boulevardtageszeitungen erst recht. Die „Münchener Abendzeitung“ liegt doch auch im Siechtum. Der „Hamburger MOPO“ gehts nicht gut, „BILD“ hat kräftig an Auflage verloren, die „Fußball BILD täglich“ verkauft sich auch nicht gut, zumal gehen deren Verkäufe zu Lasten der „BILD“, die sich ja viele nur wegen der Fußbalberichterstattung kaufen.

    Für Wochenzeitungen mag noch eine Nische existieren, neue Tageszeitungen kommen mindestens 20 Jahre zu spät.

    1. Siechtum? Die AZ schreibt seit dem Neustart im Sommer 2014 schwarze Zahlen und beschäftigt wieder nicht wenige Mitarbeiter.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*