„Karnevalissimo“: ZDF schickt rechten Hetzer in die Bütt – und will von allem nichts gewusst haben

Auftritt bei ZDF-Show „Karnevalissimo“ (oben), Facebook-Seite mit rechter Hetze (re.): Große Bühne für das bekennende AfD-Mitglied Hans-Peter Faßbender
Auftritt bei ZDF-Show "Karnevalissimo" (oben), Facebook-Seite mit rechter Hetze (re.): Große Bühne für das bekennende AfD-Mitglied Hans-Peter Faßbender

Der Büttenredner Hans-Peter Faßbender alias „Dä Bundeswehrsoldat“ ist AfD-Mitglied und verbreitet auf seiner Facebook-Seite übelste Ausländerhetze – trotzdem ließ ihn das ZDF am Dienstagabend zum wiederholten Male in der Show „Karnevalissimo“ auftreten. Begründung des öffentlich-rechtlichen Senders: Wir haben von nichts gewusst.

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Von Hendrik Steinkuhl

Witze, die so alt und so schlecht sind, dass man auf dem Schulhof dafür verhauen worden wäre, bilden bekanntlich das Rückgrat des deutschen Sitzungskarnevals. Ein Veteran der Branche ist der Düsseldorfer Hans-Peter Faßbender, und was der unter Humor versteht, klingt zum Beispiel so:

Et fing ja alles damit an, dat isch vor drei Wochen bei mir zu Haus in sonne große Spiegel jeguckt hab. Mensch, hab isch misch erschrocken. War viel zu dick. Da hab isch mir jedacht: Musste abnehmen. Hab ich auch jemacht. Der Spiegel is weg.

Mit diesem Gag aus dem Pleistozän eröffnete Faßbender am Dienstagabend in der ZDF-Show „Karnevalissimo“ seinen Auftritt. Doch nicht nur das: Faßbender in seiner Rolle als „Dä Bundeswehrsoldat“ eröffnete sogar den ganzen Abend. „Die Stammzuschauer werden wissen, wer als Erster auf die Bühne kommt, denn er kommt immer als Erster auf die Bühne“, sagte Moderator Marc Metzger, bevor Co-Moderatorin Mirja Boes Hans-Peter Faßbender auf die Bühne bat.
Nun kann man nicht behaupten, Faßbenders Auftritt sei schlimmer als die der anderen Künstler an diesem Abend gewesen. Um das zu schreiben, hätte man die gesamte Show gucken müssen, und dieser Versuch scheiterte bereits nach wenigen Minuten – am Willen.

„Keine Betten für kranke Kinder, Sonderbehandlung für Asylanten“

Noch bedrückender als eine Karnevals-Show ist es allerdings, sich mit der Facebook-Seite von Hans-Peter Faßbender zu beschäftigen. Der Büttenredner selbst äußert sich dort zwar nur höchst selten, doch teilt er manisch die Beiträge anderer. Und die bestehen fast ausschließlich aus übelster Hetze, vor allem gegen Ausländer, und insbesondere gegen Flüchtlinge.

„Schwarzafrikaner ersticht 22-Jährige auf offener Straße – es war wieder ein Asylbewerber“, „Flüchtling zerschneidet Omi Gesicht, vergewaltigt und beraubt sie – die Medien schweigen“, „Keine Betten für kranke Kinder, Sonderbehandlung für Asylanten: Schockierende Zustände in Berliner Krankenhäusern“. Wer die ekelhafteste Rechtspropaganda lesen will, die Frustrationsprosa der abgehängten Kleinbürger, das blinde Wüten mit Hilfe von Fake News gegen alles Fremde im Land, der ist auf der Facebook-Seite von Hans-Peter Faßbender genau richtig. Hier wird jeder mit einer anderen Hautfarbe und der Zugehörigkeit zum Islam gehasst, verehrt wird hingegen Donald Trump, und gekämpft wird wie üblich nur für Tierrechte. Der Hund ist hier die oft gequälte und eigentlich schutzwürdige Kreatur, während dem gemeinen Asylanten alles hinten reingeschoben wird.

26 Facebook-Beiträge an einem Tag

Die (mit Sicherheit justiziablen) Höhepunkte der Hetze: Unter einem Foto, auf dem der aus Nigeria stammende Mörder der Flüchtlingshelferin Soopika P. abgebildet sein soll, findet man folgende Kommentare: „Dann kann man ihn ja jetzt verbrennen!“ und „Nicht ärgern … Nachladen!“

Ins Auge fällt auch ein Kommentar unter einem Beitrag mit dem Titel „Düsseldorfs Flüchtlingsbeauftragte sucht Freiwillige, die zweimal am Tag das Essen für junge Asylbewerber in den 5. Stock der Asylunterkunft tragen.“ Ein Freund Faßbenders schreibt dazu: „Pitter, sollen wir uns da mal melden. Ich bin noch so fit wie früher, wenn du weißt, was ich meine.“

Pitter ist der Spitzname des Büttenredners, und dass der Freund mit dem Verweis auf seine Fitness nicht das Treppensteigen meint, darf wohl angenommen werden. Deutlich weniger subtil äußern sich darunter noch zwei andere Kommentatoren, die die Meinung vertreten, „das faule Pack“ solle selber laufen.

Selbst wer derartige Hass-Accounts kennt, kann sich von Faßbenders Facebook-Auftritt noch beeindrucken lassen. Nach einer Stunde Scrollen und Lesen ist man in der Chronik erst am Beginn dieses Monats angelangt; allein am 15. Februar hat Faßbender 26 Beiträge geteilt.

„Armes deutsches Volk, wehrt euch endlich“

Wenn der Büttenredner selbst mal in die Tasten greift, dann klingt das so: „Es gibt mittlerweile viele Frauen die in Führungsetagen ( hätte fast geschrieben ihren Mann stehen) zu recht, diese Positionen einnehmen. Allerdings gibt es auch so frustrierte und von Minderwertigkeitskomplexen strotzende Frauen wie Hannelore Kraft, die sich, und anderen durch so schwachsinnige Gesetze wie das Nichtrauchergesetz beweisen müssen wie durchsetzungsfähig sie sind …“
Der kleine Wutausbruch endet schließlich mit der Aufforderung: „Armes deutsches Volk, wehrt euch endlich, ich bin dabei.“

Dass Faßbender, der übrigens bekennendes AfD-Mitglied ist, auch einen Beitrag teilt, in dem die Verantwortlichen des heute journals als „erbärmliches Medienpack“ bezeichnet werden, verwundert da kaum noch.

Wirklich verwunderlich, um nicht zu sagen: vollkommen unverständlich, ist dagegen, dass das ZDF Faßbender noch auf die Bühne lässt – bezahlt von den „Zwangsgebühren“, gegen die auf seiner Seite selbstverständlich auch gehetzt wird. Dass Faßbender ein rechter Hetzer ist, darf schließlich als bekannt gelten. Die Westdeutsche Zeitung und die Bild berichteten bereits, Faßbender verbreite „fremdenfeindliche Verlinkungen“ beziehungsweise „bizarre Parolen“ und werde im Düsseldorfer Karneval kaum noch gebucht.

Das ZDF allerdings schreibt auf Anfrage, Faßbenders Facebook-Kommentare seien der Redaktion nicht bekannt gewesen – und verweist erwartungsgemäß darauf, in seinem Vortrag habe es keine fremdenfeindlichen Äußerungen gegeben. Auf die Frage, ob in Kenntnis der Hetze auf Faßbenders Facebook-Seite vorstellbar sei, ihn auch in Zukunft noch zu buchen, heißt es: „Weitere Auftritte im ZDF sind nicht geplant.“ Eine klare Distanzierung von einem Künstler, der am laufenden Band Hetze gegen Ausländer verbreitet, sieht anders aus.

Warum haben die Moderatoren das mitgemacht?

Und was ist eigentlich mit den Moderatoren? Marc Metzger hat erst vor Kurzem mit anderen kölschen Spaßgranaten wie den Black Föös und Bernd Stelter an einer Mahnwache unter dem Motto „Solidarität statt Hetze“ gegen den AfD-Parteitag teilgenommen. Trotzdem moderiert er eine Show, in der AfD-Mitglied und Vorzeige-Hetzer Hans-Peter Faßbender auftritt. Darf man Metzgers Teilnahme an der Mahnwache damit als leere Geste bezeichnen?

Man hätte gerne gewusst, was der Mann mit dem Karnevals-Alias „Dä Blötschkopp“ dazu sagt, doch auf eine Anfrage hat er bislang nicht reagiert. Das gleiche gilt auch für Hans-Peter Faßbender. Co-Moderatorin Mirja Boes wiederum, der als Dauergast auf Deutschlands Karnevalsbühnen auch nicht entgangen sein dürfte, wes Geistes Kind „Dä Bundeswehrsoldat“ ist, hat über ihr Management eine Stellungnahme ablehnen lassen.

Die ganze Affäre, wenn man sie denn so nennen will, ist damit genauso vergnüglich wie eine Prunksitzung. Und die höflichste Frage, die man den Beteiligten stellen kann, ist passend zur fünften Jahreszeit diese: Seid ihr denn alle jeck?

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