Buch-Bestseller mit Ansage: Wie „Wem gehört die Welt?“ den Weg zu einem Geschäftsmodell für Verlage weist

Handelsblatt-Autor Hans-Jürgen Jakobs (li.), Geschäftsführer Gabor Steingart, Buchtitel „Wem gehört die Welt?“: Bestseller mit Ansage
Handelsblatt-Autor Hans-Jürgen Jakobs (li.), Geschäftsführer Gabor Steingart, Buchtitel "Wem gehört die Welt?": Bestseller mit Ansage

Vergangene Woche meldete das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr seinen Einstieg ins Tourismusgeschäft und will künftig rund um Marken wie stern, Geo oder Gala als Reiseveranstalter auftreten. Burdas Fit for Fun lizensiert seine Lifestyle-Marke seit langem für Ernährungsprodukte. Auch die Verlagsgruppe Handelsblatt ist dabei, ein Zusatzgeschäft zu etablieren – ein erster Erfolge ist bereits verbucht.

Anzeige

Das Sachbuch „Wem gehört die Welt?“ des Wirtschaftsjournalisten und Handelsblatt-Autors Hans-Jürgen Jakobs hat es bis an die Spitze der Bestsellerliste des manager magazins geschafft. Das Fachmedium lässt für das Ranking regelmäßig die meistverkauften Wirtschaftsbücher bei 3700 Verkaufsstellen ermitteln. Der Report mit Porträts zu den 200 mächtigsten Akteure des internationalen Finanzwesens, den Jakobs mit einer Reihe von Co-Autoren verfasste, hat als Nummer eins so erfolgreiche Autoren wie Sahra Wagenknecht, Hans-Werner Sinn oder Christoph Keese auf die Plätze verwiesen und gehört auch in den Fachsparten des Versandhändlers Amazon (etwa bei Wirtschaft und Globalisierung) zu den meistgefragten Titeln.

Das Werk aus dem Portfolio der Random House-Tochter Knaus ist aber weniger wegen seiner Verkaufszahlen für Medienmacher interessant, als hinsichlich des dahinter stehenden Geschäftsmodells: Nicht der Autor ist Vertragspartner des Buchverlags, sondern ein Zeitungsverlag, der neben Idee, Konzeption und Autor auch ein ganzes Bündel an Marketingmaßnahmen für den Bestseller in spe zur Verfügung stellen kann. Solche Deals sind für viele Buchverleger verlockend, denn sie sind so in der Lage, zu einem aktuell interessanten Thema aufgrund der Marketingressourcen quasi einen Bestseller mit Ansage zu generieren. Im hoch kompetitiven Geschäft um die Aufmerksamkeit der Kunden ist es immer wichtiger, potenzielle Lesergruppen auf eine Neuerscheinung hinzuweisen. Das ist in aller Regel kostenintensiv – es sei denn, man trifft auf einen Partner, zu dessen Produktangbot ein solches Buch bestens passt, und der die Werbetrommel dabei auch in eigener Sache rührt.

Bei „Wem gehört die Welt?“ ist das der Fall. Die Verlagsgruppe Handelsblatt promotet nicht irgendein Werk, sondern die Recherchen eines renommierten Autoren aus den eigenen Reihen, der zudem ein für die Zielgruppe relevantes Thema aufgreift. Neben Kampagnen in Print, Digital und auf den Social Media-Plattformen wird das Buch auch bei der sogenannten „Live-Kommunikation“ promotet und u.a. bei Veranstaltungen des im vorigen Jahr gestarteten Handelsblatt Wirtschaftsclubs präsentiert. Das Medienhaus kann angesichts des attraktiven Mediavolumens ganz andere Garantiehonorare durchsetzen als – in aller Regel – nur für sich selbst handelnde Autoren. Die werden oft mit wenigen tausend Euro abgespeist und können nur darauf hoffen, dass ihr Titel nach der Publikation im Verkauf „rennt“. Ansonsten wird das Bücherschreiben für alle Beteiligten unterm Strich leicht zum Zuschussgeschäft.

Steht als Verhandlungspartner dagegen ein Zeitungsverlag mit seinen Marken parat, scheinen die Buchverleger beweglicher. Von einem sechsstelligen Garantiehonorar ist bei „Wem gehört die Welt?“ die Rede. Eine Investition, die sich für den Knaus Verlag offenbar auszahlt. Auch die langfristigen Perspektiven scheinen interessant. So ist das Werk von Jakobs bei entsprechender Aktualisierung möglicherweise auch in Jahren noch ein gefragtes Buch. Denn die Frage, welche Strippenzieher die weltweiten Finanzsysteme steuern, kommt ja nicht aus der Mode. Beim Handelsblatt sind dem Vernehmen nach weitere Buchprojekte nach dieser Strickart in Vorbereitung; jedesmal dürfte die Bewerbung in Titeln des Hauses sowie bei Veranstaltungen ein Eckpfeiler der Buch-Promotion sein. Sollten sich Verkaufszahlen wie bei dem Wirtschafts-Bestseller von Hans-Jürgen Jakobs wiederholen lassen, winkt hier ein lukratives Zusatzgeschäft.

Fernsehkonzerne wie ProSiebenSat.1 haben das Prinzip Media for Equity zum Erfolgsmodell für Medienhäuser geformt. Hier funktioniert es anders, weil nicht an Beteiligungen oder Investments orientiert. Es zeigt aber, dass auch Print außerhalb von Lizensierung oder der Verlängerung von Heft- oder Zeitungsinhalten für namhafte Zusatzerlöse taugt. Für Publikumsverlage, die derzeit rund um ihre Marken verstärkt nach Commerce-Standbeinen Ausschau halten, ist dies eine lukrative Möglichkeit, neue Umsatzbringer zu etablieren, die zugleich auf den Markenkern einzahlen.

Die Autoren partizipieren beim Handelsblatt-Modell wie es heißt zwar nicht am Garantiehonorar, sind jedoch für die Erstellung der Manuskripte von ihrer üblichen Arbeit frei gestellt. Im Fall von „Wem gehört die Welt?“ war es sogar eine Vielzahl an Redakteuren, die Daten für die Recherche entstammen dem verlagseigenen Handelsblatt Institut. Das gehört mit zum Erfolgskonzept. Die spätere Buchveröffentlichung zahlt zudem auf deren persönliches Image und ihren Namen in der Brance ein – und bei einem langfristigen Verkaufserfolg sind sie auch finanziell beteiligt.

 

Offenlegung: MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt.

 

 

Anzeige
Anzeige
Anzeige