„Alles frei erfunden“: Ex-Vertrauter wirft Bild reihenweise falsche News über Falcos Tod vor

Neuer Bild-Gesamtchef Julian Reichelt, Fake-News-Vorwürfe wegen Falco-Story: „Wenn das stimmt, hätter er sich jede Woche umbringen müssen“
Neuer Bild-Gesamtchef Julian Reichelt, Fake-News-Vorwürfe wegen Falco-Story: "Wenn das stimmt, hätter er sich jede Woche umbringen müssen"

Der neue Bild-Superchef Julian Reichelt will das „ehrlichste Medium Deutschlands“ vertreten. Warum verbreitet das Blatt dann unter Berufung auf eine Kabel 1-Doku lauter Unwahrheiten über Falcos Todesumstände? Im Gespräch äußern sich Falcos Ex-Plattenboss und sein Manager erstmals zu den haltosen Behauptungen von Bild. Das Blatt wiederum erklärt, die Dokumentation zwar nicht gesehen, aber vorher mit dem Regisseur gesprochen zu haben.

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Von Hendrik Steinkuhl

Auch 19 Jahre, nachdem er in der Dominikanischen Republik von einem Bus zerquetscht wurde, taugt Hans Hölzel noch als Aufmacher für Deutschlands größte Tageszeitung. „Die ganze Wahrheit über Falcos Tod!“ titelte die Bild vergangene Woche. Was im Artikel folgte, war allerdings nichts anderes als Fake News.

Am 19. Februar wäre der größte deutschsprachige Popstar aller Zeiten 60 geworden, Kabel 1 widmet ihm aus diesem Anlass die Dokumentation „Falco – Die ultimative Doku zum 60. Geburtstag“. In dem knapp 80-minütigen Film kommt ausführlich Hans Reinisch zu Wort, einst Falcos Chef bei der österreichischen Vertretung des Major-Labels EMI. Nach seinem Ausscheiden aus dem Musik-Business wurde Reinisch Hotelier in der Dominikanischen Republik, sein Freund und ehemaliger Künstler Hans Hölzel zog ihm irgendwann hinterher.

Am 6. Februar 1998 starb der Sänger dann nahe der Stadt Puerto Plata, als er mit seinem Wagen von einem Parkplatz fuhr und ein Bus in ihn hineinraste. Bei der Obduktion fand man in Falcos Blut 1,5 Promille Alkohol, außerdem Kokain, THC und Psychopharmaka. Es war ein Unfall, der eigentlich keine Fragen offen ließ; doch weil der Tote Falco war, schießen die Mutmaßungen seither ins Kraut.

Reinisch sagt nichts, was er laut Bild gesagt haben soll

Vergangene Woche heizte die Bild die Gerüchteküche wieder an, indem sie vorab über die vermeintlichen Enthüllungen des Hans Reinisch in der Kabel 1-Dokumentation berichtete. „Er war hoffnungslos verliebt“, soll Reinisch dort über Falco sagen. Sechs Wochen vor seinem Tod habe Hans die junge Selina aus einem Nachbarort kennengelernt, und um sie so oft wie möglich zu sehen, sei er dann in ihre Nähe gezogen.

Doch ach, die Liebe stand unter keinem guten Stern: Selinas Vater habe von Falcos Drogenvergangenheit gehört und seiner Tochter deshalb den Umgang mit ihm verboten. Falco, so gibt Bild Reinisch wieder, sei daran zerbrochen. Und rückfällig geworden. „Über drei Tage hat er exzessiv getrunken und Drogen genommen.“

So also stand es in der Bild – und Welt, Bunte, Gala und andere verbreiten das Ganze seitdem munter weiter. Wer sich die Dokumentation ansieht, kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis: Hans Reinisch sagt im Kern nichts, aber auch rein gar nichts von dem, was er laut Bild gesagt haben soll.

„Was in der Bild gestanden hat, ist frei erfunden“

Verliebt war Falco kurz vor seinem Tod, darüber spricht Reinisch ausführlich; doch davon, dass diese Liebe „hoffnungslos“ war, ist nie die Rede. Reinisch erwähnt auch mit keinem Wort, wie viele Wochen vor seinem Tod Hans Hölzel die junge Frau kennengelernt hat, und ebenso wenig, dass er in ihre Nähe gezogen ist – weil es nicht stimmt. „Alles, was in der Bild und den anderen Medien gestanden hat, ist frei erfunden“, sagt Reinisch im Gespräch.

Dass Selinas Vater die Beziehung zu Falco wegen dessen Vergangenheit verboten hat: „Blödsinn, der Vater war zu dem Zeitpunkt schon tot.“ Dass Falco wieder mit den Drogen anfing, weil Selina mit ihm Schluss gemacht hatte: „Schwachsinn.“

Tatsächlich berichtet Reinisch in der Dokumentation, und er bekräftigt es im Gespräch noch einmal, dass plötzlich die Wiener Bussi-Bussi-Gesellschaft regelmäßig in Falcos Exil aufschlug, dort wilde Partys feierte, mutmaßlich auch mit Kokain, und Hans Hölzel dem nicht widerstehen konnte. „Und das, glaube ich, war der Anlass, dass Selina auf Distanz gegangen ist.“

Bild und Welt bezeichnen Reinisch dann auch noch als Falcos Manager, der er nie war, sie zitieren ihn damit, dass er drei Minuten nach Falcos Tod am Unfallort eingetroffen sei, was er nicht gesagt hat. Und schließlich zeigt die Bild ein Foto aus der Dokumentation, auf dem angeblich Falcos Angebetete Selina zu sehen ist. In Wahrheit handelt es sich um eine Schauspielerin, die Selina in einer gemeinsamen Szene mit einem Falco-Double ein Gesicht gibt.

„Beim Hans ging es doch zum wie im Taubenschlag“

Hans Reinisch, man ahnt es, ist angesichts dieser Berichterstattung stinksauer. „Das ist eben moderner Journalismus“, sagt er mit unüberhörbarem Sarkasmus. Ähnlich reagiert Falcos Manager und Freund Horst Bork auf das Bild-Geraune von dem lebensmüden Verlassenen. „Beim Hans ging es doch zu wie im Taubenschlag. Wenn das stimmt, hätte er sich ja jede Woche umbringen müssen.“ Dem Bild-Artikel insgesamt attestiert Bork, nichts anderes als ein Werk der Phantastik zu sein.

Falcos Manager gingen die vielen Mythen über seinen Künstler schon immer derart auf den Zeiger, dass er vor ein paar Jahren die Biografie „Falco – Die Wahrheit: Wie es wirklich war“ vorlegte. Darin schreibt Bork auch, dass Falco immer wieder unter Substanzeinfluss Auto fuhr und dabei regelmäßig Unfälle baute. Das Highlight: Als Bork und Falcos Entdecker Markus Spiegel in einem Wiener Hotel auf den verspäteten Falken warteten, fuhr der plötzlich mit seinem Peugeot 205 in die Glasschiebetür des Hotels. Zitat aus der Biografie: „Ungerührt stieg er aus, warf den Autoschlüssel auf den Bartresen und begrüßte uns: ‚Entschuldigt’s, dass ich euch habe warten lassen, aber jetzt bin ich ja da.‘“

Wem das gelingt, der braucht für einen tödlichen Unfall keinen Liebeskummer. Und wie Hans Reinisch schließlich in der Dokumentation berichtet, fuhr Falco noch wenige Wochen vor seinem Tod völlig besoffen in einen Graben und überschlug sich dabei mehrfach.

Bild will Deutschlands ehrlichstes Medium sein

Man sollte es an dieser Stelle nicht versäumen, auf die schönste Pointe in der Geschichte zu verweisen: Julian Reichelt, neuer Vorsitzender aller Bild-Chefredaktionen, sagte am Donnerstag dieser Woche im Interview mit dem Tagesspiegel, die Wahrnehmung der Bild als lauter Unwahrheiten verbreitendes Medium sei 40 Jahre alt und entspreche längst nicht mehr der Realität. Er stelle sich, so Reichelt auf Nachfrage, dem Anspruch, das ehrlichste Medium Deutschlands zu sein.

Das wird wohl noch ein hartes Stück Arbeit.

Auf Anfrage hat der Verlag zu dem Sachverhalt mit folgendem Statement Stellung genommen: „Der Autor der Geschichte (Bastian Karl, Bild München) hat mit dem Regisseur der Falco-Doku Rudi Dolezal gesprochen. Herr Dolezal ist ein bekannter Filmemacher, der auch die Falco-Musikvideos gedreht hat. Herr Dolezal hat die PR für den Film übernommen und Herrn Karl erzählt, was in der Doku passiert. Er hat dabei die Zitate von Herrn Reinisch angegeben. Das Gespräch ist im Voice-File festgehalten. Außerdem wurde Herrn Dolezal der fertige Text auch zum Gegenlesen gemailt, auch um sicher zu gehen, dass die Zitate auch der Doku entsprechen.“

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Alle Kommentare

  1. Ich kenne Herrn Reinisch schon lange , er ist mir als chronischer Lügner bekannt, er hat in seinen Leben immer schon Dinge vorgeben gemacht zu haben, die am Ende frei erfunden waren oder auf Kosten anderer gingen.
    Seine Postion bei EMI hatte er schnell wieder abgeben müssen.
    Man könnte ihn auch den Münchhausen der Wiener Neustadt nennen.

    1. An Biene: Wenn ich Hans Reinisch wäre, würde ich Sie wegen übler Nachrede klagen!
      Ich kenne Hans Reinisch sehr gut. Für mich ist er ein wunderbarer, ehrlicher und ein edler Mensch. Ihm als Freund zu haben, kann man sich glücklich schätzen, und das hatte Hans Hölzel. Davon bin ich zu tiefst überzeugt!

    2. Wenn ich Hans Reinisch wäre, würde ich Sie wegen übler Nachrede klagen!
      Ich kenne Hans Reinisch sehr gut. Für mich ist er ein wunderbarer, ehrlicher und ein edler Mensch. Ihm als Freund zu haben, kann man sich glücklich schätzen, und das hatte Hans Hölzel. Davon bin ich zu tiefst überzeugt!

    3. Wenn ich Hans Reinisch wäre, würde ich Sie wegen übler Nachrede klagen. Ich kenne Hans Reinisch sehr gut. Für mich ist er ein wunderbarer, ehrlicher und edler Mensch! Ihm als Freund zu haben, kann man sich glücklich schätzen, und das hatte Hans Hölzel. Davon weiß ich, und bin ich zu tiefst überzeugt!

  2. Weiß Deutschlands ehrlichstes (und mutigstes!) Medium eigentlich inzwischen, was aus dem Vorwurf sexueller Belästigung gegen Diekmann geworden ist?

  3. Einfach köstlich, solch bildhaftige Geschichten aus Fakehausen – insbesondere, weil MEEDIA Falcos Tod mal eben in die Nähe der Stadt Puerta Plata verfaked…

  4. Wer auf Rudi Dolezal reinfällt ist zwar irgendwie selber schuld, dem kann aber auch nicht mehr geholfen werden.

    1. lasst Rudi in Ruhe, wer ihn pers. kennt, weiß das er alles 100% genau recherchiert und das er noch viel mehr über die Stars weiß. Aber er weiß auch wo die Grenze ist, was man wie wann und wo veröffentlicht!

      Und was wären so viel Musiker (auch Falco) ohne die wunderbaren Musikvideos von DoRo?

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