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Schumacher gegen Burda: Bunte-Vize Tanja May sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus

Auf dem Weg in den Saal: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sollte Bunte-Vize Tanja May vor dem Landgericht in Hamburg über ihre Schumacher-Recherchen sprechen
Auf dem Weg in den Saal: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sollte Bunte-Vize Tanja May vor dem Landgericht in Hamburg über ihre Schumacher-Recherchen sprechen

Im Schatten der Urteilsverkündung im Fall Erdogan gegen Böhmermann fand am Freitag am Landgericht Hamburg auch die Fortsetzung eines weiteren aufsehenerregenden Prozesses statt: In einer Zeugenaussage musste Tanja May, stellvertretende Chefredakteurin der Bunte, ihre Recherchen über Michael Schumacher verteidigen. Über ihn hatte das Burda-Blatt 2015 berichtet, dass er wieder laufen könne. Die Öffentlichkeit wurde von der Vernehmung ausgeschlossen.

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Dass den Medienrechtsverhandlungen des Landgerichts Hamburg viele Zivil- und Journalisten-Zuschauer beiwohnen, ist die Pressekammer mit ihrer Vorsitzenden Simone Käfer nicht unbedingt gewohnt. Am Freitag vergangene Woche mussten die Justizmitarbeiter des Gerichts gleich zwei Mal auf Grund großen Interesses ausrücken, um vor und in den Gerichtsräumen für Ordnung zu sorgen. Denn an diesem Tag verkündete die Kammer nicht nur ihr Urteil im Zivilrechtsstreit zwischen dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und ZDF-Satiriker Jan Böhmermann, sondern setzte auch einen weiteren Prozess fort, der in den vergangenen Wochen immer wieder in die Berichterstattung gelangte: eine Unterlassungsklage inklusive 100.000 Euro Schmerzensgeldforderung von Ex-Formel-1-Star Michael Schumacher beziehungsweise seinen Anwälten gegen die Zeitschrift Bunte.

Die exklusive Geschichte des „Weihnachtswunders“

Das Blatt hatte 2015 exklusiv und prominent über das „Weihnachtswunder“ berichtet, nach dem angeblich Schumacher wieder gehen könne. Im Artikel führte das Blatt aus, Schumacher könnte zwar nicht selbstständig laufen, aber mithilfe der Therapeuten. Auf der Titelseite wurde das Detail mit den Therapeuten verschwiegen. Schumacher-Managerin Sabine Kehm widersprach der Berichterstattung kurz nach Erscheinen via Bild-Zeitung.

Im Prozess vor dem Landgericht Hamburg geht es in erster Linie um den Wahrheitsgehalt einer Tatsachenbehauptung sowie die Sorgfaltspflicht der Journalistin.  Freilich stützt Schumacher-Anwalt Felix Damm seine Argumentation dennoch auf dem Schutz der Privatsphäre und einer höheren Gewichtung des Persönlichkeitsrechts im Vergleich zur Pressefreiheit.

Um der Wahrheit näher zu kommen, hat das Landgericht im Oktober nun Tanja May, die für die Geschichte verantwortliche Autorin und stellvertretende Chefredakteurin der Bunte, vorgeladen. May, dessen Vernehmung am Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, sollte der Kammer ihr Vorgehen und die Arbeit mit ihrer Quelle erläutern. Ob es auch darum ging, auf welchen „zuverlässigen“ Informanten sich die Journalistin beruft, ist nicht bekannt. Die People-Journalistin dürfte sich hier konsequent auf den Quellenschutz berufen haben, was an der Beweispflicht allerdings nichts ändert. Zum Ausschluss der Öffentlichkeit kam es vor allem, weil es – wie die Mopo die Vorsitzende Richterin zitiert – um den aktuellen Gesundheitszustand des ehemaligen Rennfahrers gegangen sein soll.

Schumachers Kommunikationsstrategie und der Streisand-Effekt

Um diesen macht die Familie Schumachers inklusive Managerin Kehm ein großes Geheimnis. Die Angehörigen berufen sich dabei – seit Jahren auch immer wieder vor Gericht – auf das Persönlichkeitsrecht und den Schutz der Intimsphäre Michael Schumachers. Dabei provoziert die Familie indirekt aber auch das wachsende Interesse der Öffentlichkeit. Wie sensibel diese reagiert, zeigte ein kleines Zitat des Schumacher-Anwaltes, das er vergangenen September während der ersten Verhandlung im Fall Schumacher gegen Bunte fallen ließ. Die Aussage, dass Schumacher eben nicht selbstständig gehen könne, sorgte weltweit für Schlagzeilen.

Die Verschlossenheit der Familie sowie die extrem zurückhaltende Kommunikationsstrategie haben zur Folge, dass Randbemerkungen über Michael Schumacher und seinen Gesundheitszustand zur großen Nachricht aufgeblasen werden. Die regelmäßige Präsenz vor den Pressekammern dieses Landes, um gegen diese unliebsame Berichterstattung vorzugehen, fördert diesen so genannten Streisand-Effekt weiter.

Bei Beobachtern stößt das Verhalten der Schumachers mittlerweile auf Unverständnis und wurde unter anderem von Schumachers Ex-Manager Willi Weber kritisiert. Er forderte zuletzt – ebenfalls in der Bunten – „den Millionen von Fans reinen Wein einzuschenken“. Zu einer Strategie-Änderung haben die ständigen Auseinandersetzungen mit der Presse bislang nicht geführt. Ein Urteil im Rechtsstreit mit der Bunte wird Anfang April erwartet.

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