„Keine vernünftige Kommunikation“ und „Maßlosigkeit“: Frank-Walter Steinmeier kritisiert Verrohung der Sprache in sozialen Netzwerken

„In vielen sozialen Netzwerken hat sich eine gewisse Maßlosigkeit in der Sprache breitgemacht“, so Frank-Walter Steinmeier im ZDF-Interview
"In vielen sozialen Netzwerken hat sich eine gewisse Maßlosigkeit in der Sprache breitgemacht", so Frank-Walter Steinmeier im ZDF-Interview

Am Sonntag wurde Frank-Walter Steinmeier zum 12. Bundespräsidenten gewählt. Sein erster Appell folgte prompt – insbesondere an die Jugend: "In sozialen Netzwerken hat sich eine gewisse Maßlosigkeit in der Sprache breitgemacht, auf deren Basis keine vernünftige Kommunikation mehr zustande kommt", so der SPD-Politiker im ZDF-Interview.

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Man habe in den letzten Wochen und Monaten viele Szenen erlebt, in denen Politiker im Allgemeinen und Bundespräsident Joachim Gauck im Besonderen als „Volksverräter“ beschimpft wurden, so „Was nun?“-Moderatorin Bettina Schausten. Ob es dort Verständnis oder klare Kante brauche? „Wenn ich nach 14, 16 Stunden nach Hause komme und immer noch keine schlechte Laune habe, dann schaue ich auf meine Facebook-Seite“, antwortet Frank-Walter Steinmeier.

Im Interview mit dem ZDF beklagt der designierte Bundespräsident die Verrohung der Sprache in sozialen Netzwerken wie Facebook – und appelliert besonders an die Jugend, das gesellschaftliche Gespräch neu zu organisieren und den Argumenten anderer zuzuhören. „In vielen sozialen Netzwerken hat sich eine gewisse Maßlosigkeit in der Sprache breitgemacht, auf deren Basis keine vernünftige Kommunikation mehr zustande kommt.“, so Steinmeier. „Dazu gehört auch die Disqualifizierung von Menschen, die sich möglicherweise politisch bemühen, aber nicht ganz übereinstimmend sind mit demjenigen, der gerade auf der Seite seinen Kommentar abgibt.“

Daher müsse die Gesellschaft wieder zum Gespräch mit sich selbst finden – aus Basis der Demokratie, bei der alle Argumente ernst genommen werden. „Da müssen wir wieder hinkommen und dazu kann und soll der Bundespräsident einen Beitrag liefern“, so Steinmeier. Er sage das vor allem der jüngeren Generation, „die vielleicht mit einem deutlicheren Schwerpunkt in sozialen Netzwerken und dem Internet informiert“, als über die „traditionellen Medien, mit denen wir noch groß geworden sind.“

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