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Warum es wichtig ist, dass Rupert Murdoch beim Trump-Interview der Bild mit dabei saß

Kai Diekmann, Rupert Murdoch, Sauron, Günther Oettinger, Donald Trump (v.l.)
Kai Diekmann, Rupert Murdoch, Sauron, Günther Oettinger, Donald Trump (v.l.)

Beim Bild- und Times-Interview mit Donald Trump war zwar kein Elephant in the Room aber ein Murdoch. Bürger denken, dass Journalisten nur schreiben, was die Medienbosse wollen. Ex-Focus-Chef hat eigentümliche Ansichten zum Spiegel-Cover und die Witz-Videos mit „America first, Buxtehude second“ fangen an zu nerven. Der MEEDIA Wochenrückblick.

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Diese Woche hat die britische Financial Times berichtet, dass bei dem viel beachteten Interview von Kai Diekmann (Bild) und Michael Gove (The Times) mit Donald Trump noch jemand anwesend war: Medienmogul Rupert Murdoch. Murdoch gehört nicht nur die Times. Er ist auch ein Förderer von Gove, der neben seiner Tätigkeit für die Zeitung Mitglied des britischen Parlaments ist und Verfechter der Leave-Kampagne im Vorfeld der Brexit-Volksabstimmung war. Und Murdoch gehört Fox News, jener konservative US-Nachrichtenkanal, der zu den wenigen Medien zählt, auf die Trump sich noch verlassen kann. Jedenfalls seit Megyn Kelly den Sender in Richtung NBC verlassen hat. Es gibt zahlreiche Fotos, die das Interview von Diekmann und Gove mit Trump dokumentieren. Sowohl Diekmann als auch Gove posierten im Anschluss mit Trump für ein Foto.

Rupert Murdoch ist auf keinem der Bilder zu sehen. Es wurde auch nirgends in den beiden Zeitungen erwähnt, dass er anwesend war. Ist das wichtig? Natürlich! Trumps Tochter Ivanka war noch bis vor kurzem Treuhänderin für zwei Töchter, die Murdoch mit seiner Ex-Frau Wendi Deng hat. Trump-Schwiegersohn und Regierungsberater Jared Kushner gilt als Vertrauter Murdochs. Diekmann sitzt im Board von Murdochs Times und kann ausnehmend gut mit Murdoch-Sohn James. Es gibt da offenkundig gewisse Verflechtungen und wenn der mächtige Medienmogul dann beim Interview dabeisitzt aber das nirgendwo mitgeteilt wird, dann riecht das komisch. Ganz zu schweigen davon, dass die nach dem Interview hier und da geäußerte Sicht, die Fragen seien nicht kritisch genug gewesen, in neuem Licht erscheinen. Allenthalben wird in Medien viel davon geschrieben und gesprochen wie wichtig Transparenz ist. Hier wäre Transparenz tatsächlich angezeigt gewesen.

Oft bin ich mit dem, was Margarete Stokowski bei Spiegel Online schreibt, nicht einverstanden, manchmal rege ich mich darüber sogar fast auf. Das macht aber nix, es wäre schlimm, wenn wir hier immer einer Meinung wären. In dieser Woche fand ich ihre SpOn-Kolumne aber sehr lesenswert. Es geht darum, dass viele Leute ein völlig falsches Verständnis davon haben, wie Medien arbeiten:

Insgesamt herrsche „in der Bevölkerung eine große Unkenntnis darüber, wie Medien funktionieren“, sagte einer der Forscher, Tanjev Schultz. 39 Prozent der befragten Deutschen denken, Eigentümer von Medien bestimmten, was Journalistinnen und Journalisten in ihrem Medium schreiben dürfen. Das ist ein ziemlich schräges Bild von diesem Beruf, aber ich fürchte, die Leute denken das wirklich.

Woher haben diese befragten Deutschen wohl solche Ansichten, dass die Eigentümer von Medien bestimmen würden, was Journalisten schreiben dürfen? Vielleicht, weil es Medienunternehmer wie Rupert Murdoch gibt, die sich ganz offenbar Journalisten wie den oben genannten Michael Gove halten, die ihnen scheinbar nach dem Munde reden oder schreiben? Oder vielleicht auch, weil es Politiker wie Günther Oettinger gibt, die Medienbosse unverhohlen dazu auffordern, „auszuschwärmen“ und ihre Redaktionen auf Linie zu bringen, wenn diese nicht so berichten wie es ihnen in den Kram passt? Da könnte es doch einen Zusammenhang geben.

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Diese Woche wurde viel über das Spiegel-Cover mit Trump und der geköpften Freiheitsstatue diskutiert. Ich kann nicht verstehen, warum sich manche gestandene Medienmenschen so sehr darüber aufregen. Das Titelbild ist doch nun wirklich eindeutig als Karikatur zu erkennen und die Freiheitsstatue steht, wie Spiegel-Chefredakteur Brinkbäumer geduldig erklärt, für die amerikanischen Werte, die von Trump – bildlich gesprochen – geköpft wurden. Bildlich! Den für mich kuriosesten Beitrag zum Thema (um es freundlich zu sagen) lieferte der ehemalige Focus- und WAZ-Chefredakteur Uli Reitz mit einem Gastbeitrag bei kress.de ab. Er schreibt dort tatsächlich:

Trump hat noch Niemandem den Kopf abgeschnitten und er hat so etwas auch nicht vor. Das Titelbild transportiert eine fake news. Ein Nachrichtenmagazin mit einem fake Cover, das ist neu. Kein Wunder, dass darüber heftig diskutiert wird.

Trump habe also noch niemandem den Kopf abgeschnitten, darum sei das „Fake News“? Ach bitte! Nach dieser verqueren Logik könnte man auch sagen, dass die schwarzen Hände-Tatscher auf diesem unrühmlichen, von Reitz verantworteten Focus-Cover gar nicht von Migranten stammten, sondern von Leuten aus dem Fotostudio und das darum Fake News sei. Was für ein unsäglicher Quatsch.

A propos Quatsch: Gehen Ihnen diese lustigen Videos mit „America first, Buxtehude second“ auch so auf die Nerven? Am Anfang war es lustig aber langsam reicht es. Es gibt jetzt schon Videos mit „Namibia first“, „Ostfriesland second“, „Niedersachsen second“, „Lower Franconia second“ und „Mordor second“. Bitte stoppt diesen Wahnsinn! Funfact am Rande: Je mickriger die Region, die „second“ sein will, desto schlechter der Trump-Imitator.

Wünsche ein erstklassiges Wochenende!

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