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Stiller Zeuge: Welche Rolle spielte Rupert Murdoch beim legendären Bild-Interview mit Donald Trump?

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Rupert Murdoch: "Mann, dem die Nachrichten gehören" (Buchtitel)

Das inzwischen legendäre Interview, das Donald Trump eine Woche vor seinem Amtsantritt mit dem damaligen Bild-Herausgeber Kai Diekmann und The Times-Kolumnist Michael Gove im Trump Tower führte, hatte offenbar einen höchst prominenten Zuhörer, von dem bislang nie die Rede war: Medientycoon Rupert Murdoch. Das berichtet die Financial Times. Der inzwischen 85-jährige Aufsichtsratsvorsitzende vom Fernseh-Imperium 21st Century Fox, zu dem der konservative Nachrichtensender Fox News zählt, gilt als Trump-Vertrauter. Doch welche Rolle spielte Murdoch beim Gespräch?

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Hochinteressantes Detail zum bislang wohl spektakulärsten Interview des Jahres: Wie die Financial Times berichtet, hatte das fast einstündige Gespräch, das der damalige Bild-Herausgeber Kai Diekmann und The Times of London-Kolumnist Michael Gove am Freitag, den 13. Januar, im New Yorker Trump Tower mit dem heutigen US-Präsidenten geführt hat, einen stillen Zuhörer, der fraglos Erwähnung verdient hätte.

Niemand Geringeres als Medientycoon Rupert Murdoch wohnte dem Gespräch mit Trump bei, doch einen Beleg dafür gibt es nicht: Murdoch tauchte weder in Fotos auf, noch schaltete er sich in das Interview ein. Was tat der 85-Jährige, der als Interviewer zweifellos noch mehr Gewicht als Gove und Diekmann gehabt hätte, dann im Trump Tower?

Trump-Interview: Konservatives Gipfeltreffen

Zur Annäherung an die Wahrheit trägt sicher die Tatsache bei, dass The Times of London seit 1981 zum Medienimperium News Corp. von Murdoch gehört – und damit als Instrument gilt, um Murdochs politische Ansichten zu reflektieren.

Ebenso als offenes Geheimnis gilt, dass Michael Gove weniger wegen seiner Verdienste als Kolumnist bei der London Times, sondern wohl mehr in seiner Rolle als Tory-Politiker (früherer Bildungs- und Justizminister in der Cameron-Regierung) und Brexit-Befürworter bei Trump aufschlug. Und dass die Bild-Zeitung traditionell dem Spektrum der konservativen Zeitungen zuzurechnen ist, erklärt sich hinlänglich aus der Biografie Axel Springers.

Man kann das Gespräch also als ein Treffen unter konservativen Brüdern im Geiste verstehen – entsprechend deutlich wurde der Vorwurf formuliert, das Interview wäre unkritisch ausgefallen. Doch was wollte Murdoch – und warum wollte der Medientycoon unerkannt belieben?

Murdoch bemüht sich um gutes Verhältnis zu Trump

Denkbar scheint, dass Murdoch das Interview für Trump überhaupt arrangierte – und der 85-Jährige hinter den Kulissen als Trump-Vertrauter eine Rolle spielte. Das Verhältnis zwischen den beiden Alpha-Männern gilt als komplex. Im Wahlkampf hatte sich Trump ein ums andere Mal über die Berichterstattung im Wall Street Journal und vor allem von Fox News beschwert – namentlich in Form von Star-Moderatorin Megyn Kelly, die Anfang des Jahres zu NBC wechselte.

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Wie das New York Magazin berichtet, versucht sich Murdoch nach anfänglicher Ablehnung nun mit dem neuen Präsidenten gut zu stellen. Der von Kelly frei gewordene Sendeplatz um 9 Uhr abends wurde mit dem Pro-Trump-Moderator Tucker Carlson besetzt. „Rupert Murdoch macht Fox News zu Trump TV“, titelte das New York Magazine.

Murdoch soll Trump bei Auswahl des FCC-Chefs beraten haben

Und vielleicht nicht nur das Fernsehen: Wie das US-Magazin im Januar berichtete, soll Murdoch Trump auch bei der Auswahl des neuen Chefs der Telekommunikationsaufsichtsbehörde FCC (Federal Communications Commission), die über Netzneutralität und etwa die Mega-Übernahme von Time Warner durch AT&T entscheidet, eine Rolle gespielt haben.

Wen ernannte Trump vor zwei Wochen? Den Konservativen Ajit Pay, der als Kritiker und Gegner der Netzneutralität gilt. Seitdem ist die Diskussion eröffnet, ob unter Trump möglicherweise ein Internet zweier Klassen droht.

So scheint Murdochs mysteriöse Anwesenheit beim Trump-Interview am Ende vielleicht auf eine größere Rolle als nur die eines Anstandswauwaus hinzudeuten – nämlich die des Einflüsterers im Hintergrund. „Herr Murdochs Anwesenheit ist ein Zeichen des Interesses des Moguls an Trump und seiner engen Beziehung zum neuen Präsidenten und seiner Familie“, schreibt die Financial Times.

Davon zeugt wohl auch, dass Trumps Tochter Ivanka, die als Treuhänderin von Murdochs Töchtern Grace und Chloe fungierte,  letztes Jahr Urlaub mit Murdochs Ex-Frau Wendy Deng gemacht hat, die nach Angaben von „Vanity Fair“ wiederum Wladimir Putin näher gekommen sein soll…

Sight seeing with @wendimurdoch in Dubrovnik

Ein von Ivanka Trump (@ivankatrump) gepostetes Foto am

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